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3 Arten von Depressionen: Wieso manche Menschen nicht auf Antidepressiva reagieren

Menschen mit erhöhter funktioneller Konnektivität zwischen verschiedenen Hirnregionen, die außerdem ein Kindheitstrauma erlebt hatten, sind mit SSRI nicht behandelbar. /Bild: Fotolia
3 Arten von Depressionen: Wieso manche Menschen nicht auf Antidepressiva reagieren
Trixi Kouba

Laut WHO leiden rund 300 Millionen Menschen weltweit an Depressionen – die Anzahl steigt. Trotzdem fehlt unter Medizinern immer noch das Verständnis, wieso bei manchen Patienten Antidepressiva wirken und bei anderen nicht.

Erstmals entdeckten Forscher dieses Jahr, dass es drei Sub-Typen von Depressionen gibt. Eine Form davon scheint Behandlungen mithilfe von Medikamenten zu verhindern. Menschen mit dieser Form von Depression sind mit „Selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer“, abgekürzt SSRI, nicht behandelbar. SSRI sind die am häufigsten verschriebenen Medikamente bei der psychischen Erkrankung.

Die Forscher der Okinawa Institute of Science and Technology Graduate University veröffentlichten zusammen mit ihren Kollegen von der Hiroshima Universität ihre Forschungsergebnisse im Wissenschaftsmagazin Scientific Reports.

Serotonin: Wirkung auf Stimmung und Schlaf

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Serotonin ist ein Neurotransmitter, der unsere Stimmung, soziale Interaktionen mit anderen Menschen, den Schlaf-Wach-Rhythmus und das Gedächtnis beeinflusst. SSRI werden eingesetzt, um den Serotonin-Spiegel im Gehirn anzuheben.  Damit soll die Gemütsstimmung positiv beeinflusst werden. Diese Wirkung zeigt sich allerdings nicht bei allen Menschen. Einige Personen, die unter Depressionen leiden, fühlen sich trotz der Einnahme der Medikamente nicht besser. Bis jetzt gab es zwar Spekulationen über verschiedene Arten von Depressionen, jedoch noch keinen Konsens darüber, so Prof. Kenji Doya in einer Aussendung.

Für die aktuelle Studie untersuchten Wissenschaftler die Daten von 134 Personen. Die Hälfte davon war mit Depressionen diagnostiziert worden, die andere Hälfte litt nicht darunter. Zur Analyse wurden Blutproben untersucht und Fragebögen eingesetzt. Die Studienteilnehmer wurden unter anderem zu ihrem Schlafrhythmus oder Stress-Situationen befragt. Die Forscher scannten zudem mithilfe von Magnetresonanztomographie die Gehirnaktivitäten der Teilnehmer. Damit konnten sie fast 80 Bereiche im gesamten Gehirn untersuchen, um zu sehen, wie die Aktivitäten in bestimmten Regionen miteinander interagieren.

Kindheitstrauma verhindert unter anderem Behandlung mit SSRI

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Die drei verschiedenen Sub-Typen von Depressionen zeigten sich in zwei Faktoren: Den Verbindungen zwischen bestimmten Hirnregionen und Kindheitstraumata. So fanden die Forscher heraus, dass eine Gehirnregion eine große Rolle dabei spielt, ob SSRI bei Patienten wirken oder nicht. Diese Region ist für die Sprache, Zahlen, Aufmerksamkeit und räumliche Orientierung verantwortlich. Patienten mit erhöhter funktioneller Konnektivität zwischen verschiedenen Hirnregionen, die außerdem ein Kindheitstrauma erlebt hatten, wiesen eine Form von Depression auf, die mithilfe von SSRI nicht behandelbar ist. Bei den anderen beiden Formen half die Medikation den Patienten hingegen schon. Die Ergebnisse sollen Therapeuten helfen, bessere Diagnosen zu stellen und Patienten effektiver zu behandeln.

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