Gesundheit

4 medizinische Tatsachen, die häufig vorkommen, Laien in der Regel aber unbekannt sind

Unser Körper, das unbekannte Wesen ! /Bild: Fotolia
4 medizinische Tatsachen, die häufig vorkommen, Laien in der Regel aber unbekannt sind
Tanja Judmann

Unser Körper, das unbekannte Wesen. Klar wissen wir, nicht zuletzt dank des Internets, heute auch als Laien sehr viel mehr über den menschlichen Körper, seine Eigenheiten und Zipperlein, als jemals zuvor. Doch auch wenn so manches direkt unter uns ist, vielleicht sogar tausende betrifft, so sind die folgenden Dinge verblüffender Weise doch oft nur den echten Profis bekannt – zumindest unter ihren Fachbegriffen und auch nur bis jetzt.

1. Die Sache mit der Flatulenz

Jeder Mediziner benutzt das Wort. Jeder einzelne Mensch tut es bis zu 20 mal am Tag. Und britische Forscher glauben sogar, dass sich der Inhalt höchst positiv auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Nein, die Rede ist nicht von irgendeinem heilsamen Serum, sondern von Flatus, dem lateinischen Begriff für Wind, landläufig wesentlich besser bekannt als Furz.

Und auch wenn dieser sicher nicht wohlriechende Wind in unserer Gesellschaft ein ziemlich stigmatisiertes Randgruppendasein fristet, ist er eigentlich ein ziemlich interessantes Ding. Es fängt schon bei seiner wohl negativsten Eigenschaft an, dem Geruch. Fürze riechen deshalb so streng, weil sie eine hohe Menge Schwefelverbindungen enthalten – übrigens in ähnlicher Zusammensetzung wie bei faulen Eiern, weshalb sich die Gerüche auch so sehr ähneln. Ebenfalls erstaunlich ist das Geräusch. Denn der knatternde Ton entsteht deshalb, weil das ausströmende Gas den Anus in Vibrationen versetzt. Ein Grund, warum Menschen, die unter Hämorrhoiden leiden, dabei häufig Schmerzen empfinden.

Ein weiteres interessantes Detail: Vor Flugreisen sollte man am besten gar nichts Blähendes essen. Denn selbst die Druckkabinen moderner Flieger erreichen bei Reiseflughöhen zwischen zehn und zwölf Kilometern nicht den Bodendruck, sondern nur den, der etwa einer Höhe 3.000 Metern entspricht – dadurch können eigentlich harmlose Winde in unserem Darm sich ausdehnen und zu Schmerzen oder Flatulenz führen.

2. Gratulation zur Emmetropie

Vorsichtige Menschen gehen, selbst wenn bei ihnen keine Anzeichen für Augenbeschwerden vorliegen, mindestens einmal jährlich zum Optiker oder Augenarzt und lassen sich die „Spiegel der Seele“ gründlich durchchecken. Längst nicht bei jedem, aber doch immerhin einem Drittel der Menschen liegt dem Fachmann die Diagnose schnell auf der Hand: Emmetropie.

Was gefährlich klingt, ist tatsächlich ein echter Grund zur Freude. Denn hinter dem Begriff verbirgt sich nichts anderes als die Tatsache, dass man rechtsichtig ist. Auch zu kompliziert?
Dann so: Rechtsichtigkeit bezeichnet nichts anderes, als dass man sowohl Fernes wie Nahes völlig scharf erkennen kann. Die ins Auge einfallenden Lichtstrahlen werden auch ohne Sehhilfe auf der Netzhaut gebündelt. Allerdings: Je älter man wird und je weniger Abwechslung die Augen bekommen (etwa bei ausschließlicher Bildschirmarbeit), desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass man auch beim nächsten Mal diese hervorragende Diagnose gestellt bekommt.

3. Von der Schilddrüse in die Augen

Der deutsche Schlagersänger Heino dürfte auch so manchem Österreicher ein Begriff sein. Und was ist sein Markenzeichen? Genau, die dunkle Brille, die er niemals absetzt. Was für manche wie Star-Allüren wirken mag, auch lange Zeit fälschlicherweise als Nebenwirkung von Albinismus (unter dem er aber nicht leidet) interpretiert, ist tatsächlich Ausdruck einer Krankheit, die auch hierzulande häufig vorkommt.

Es liegt an Heinos Schilddrüse. Das Organ ist sowieso schon recht launisch, aber bei dem Musiker führte eine Fehlfunktion dazu, dass sich bei ihm die Krankheit Morbus Basedow bzw. Morbus Hashimoto ausprägte – unter der auch über zehn Prozent aller Österreicher leiden. Das sorgte dafür, dass sich in einer seiner Augenhöhlen Fettablagerungen bildeten, die den Augapfel hervortreten ließen. Nicht wirklich schlimm, aber eben unschön. Im Jahr 2017 sollte das allerdings kein Problem darstellen; gibt es doch eine breite Auswahl an modischen Gestellen aller Art. Und obwohl sich heute jeder ein ähnlich stylisches Gestell zulegen könnte, so braucht Heino selbst die Brille doch heute nicht mehr. Vor einigen Jahren wurden die Fettablagerungen im Rahmen einer OP abgesaugt, das Auge steckt jetzt wieder tief in seiner Höhle. Ändern wird er seinen Style aber dennoch nicht, das betonte er bereits mehrfach.

4. Honigsüss … und etwas eklig

Von Österreichs rund 8,8 Millionen Einwohnern leiden schätzungsweise 600.000 an einer Form von Diabetes. Allerdings sind das nur die offiziell diagnostizierten Fälle. Rechnet man noch diejenigen hinzu, welche die typischsten Anzeichen für die Krankheit nicht deuten können oder ignorieren, kommen wir auf gut eine Millionen Menschen.

Doch warum heißt Diabetes eigentlich Diabetes? Und warum kennt man die Krankheit im Volksmund auch als Zucker? Ganz einfach, denn wie schon bei der Flatulenz gibt der lateinische Namen direkten Aufschluss und ist auch Grund für die Übersetzung: Vollständig sprechen wir nämlich von Diabetes mellitus. Übersetzt also honigsüßer Durchfluss. An diesem Punkt wird es ein wenig unappetitlich, aber um auf den Zucker zu kommen, muss man da durch: Diabetes zeichnet sich grob vereinfacht gesagt dadurch aus, dass der Körper Zucker ausscheidet. Das geht über den Urin. Und hier kommen Diabetes und Zucker zusammen: 1675 fand dann ein sehr mutiger Mediziner Namens Thomas Willis heraus, dass der Urin von Zuckerkranken wesentlich süßer schmeckt als der von gesunden Menschen.

Und bis im 20. Jahrhundert andere, laborbasierende Tests auf Diabetes aufkamen, war es für Ärzte deshalb quasi Routine, bei Verdacht auf Diabetes eine kleine Geschmacksprobe zu nehmen. Unappetitlich zwar, aber im Dienste der Wissenschaft unabwendbar.

Bildquelle: Fotolia