Hormone

Die verrückte Wissenschaft der Liebe 

All you nee is Love - warum eigentlich? /Bild: Fotolia
Die verrückte Wissenschaft der Liebe 
Catharina Kaiser

„All you need is love“ – sangen schon die Beatles, doch was genau ist Liebe wirklich und warum sehnt sich der Mensch so sehr nach diesem Gefühl? Für alle tief romantischen Menschen könnte die Erklärung ein kleiner Schlag in die Magengrube sein. Mit Romantik hat das ganze nämlich nur wenig zu tun. „Im Allgemeinen dient Liebe dazu, die Spezies am Leben zu erhalten“, erklärt Dr. Nicki Nance, Psychotherapeut und Professor am Beacon College in Leesburg. Heute ist Liebe allerdings gesellschaftlich definiert und hängt zu einem großen Teil von der Erziehung ab. „Da Babys als hilflose Wesen geboren werden, liegt es an den Eltern ihre Bedürfnisse zu erfüllen“, so Psychologin Dr. Beverly Palmer. Dadurch wird Liebe zu einer Art von Befriedung dieser Bedürfnisse und somit sucht man selbiges als Erwachsener. Laut Palmer spielt die Bindungstheorie eine große Rolle bei der Entwicklung der Liebe zu Eltern. Indem Eltern die Sehnsucht nach emotionaler Fürsorge befriedigen, lernen Kinder ihre Eltern zu lieben. Was sie von Erwachsenen lernen, bestimmt daher wie sie selbst im späteren Leben mit Liebe umgehen. Wurden emotionale Bedürfnisse gedeckt und Liebe geschenkt, so haben Kinder später keine Probleme damit diese weiterzugeben. Bleiben diese stattdessen aus, so kann sich ein Kind nicht vollständig entwickeln und wird später möglicherweise Probleme damit haben, Liebe zu teilen.

Das Gehirn und der Körper in der Liebe

Dass es manchmal den Anschein hat, als ob sich jede Zelle des Körpers nach Liebe und Zuneigung sehen würde, hat natürlich auch etwas mit dem Hormonhaushalt zu tun. Mal abgesehen davon dass das menschliche Gehirn darauf programmiert ist, die Bindungsfähigkeit zu unterstützen. „Wenn sich Menschen verlieben, verfallen sie in einen glückseligen Zustand der Ruhe und Geborgenheit“, so Dr. Nance. Dafür ist vor allem das Zusammenspiel der Glückshormone Serotonin, Enorphin sowie Dopamin und Oxytocin verantwortlich, welche in dieser Situation ausgeschüttet werden. Diese geniale Wirkung ist zudem der Grund dafür, dass sich Menschen immer wieder nach Liebe sehen. Allerdings beschränken sich die hormonellen Reaktionen nicht nur auf romantische Liebe. „Ähnliches geschieht beispielsweise wenn man Bilder von Natur, einem geliebten Menschen oder sogar dem eigenen Haustier sieht“, erklärt Autor und Psychiater Dr. Joe Bates.

Warum sich manche Menschen leichter verlieben

In Filmen reicht es wenn der Blick durch einen Raum schweift und dabei ein anderes Augenpaar erblickt – der Rest ist Geschichte. Für die meisten Menschen ist das Verlieben allerdings etwas komplizierter. „Um Liebe zu finden, muss man zuerst Liebe geben können und das beginnt bei einem selbst. Wer sich also liebenswert fühlst, kann dies auf andere projizieren. Völlig versteift zu sein und krampfhaft nach Zuneigung zu suchen, macht es einem hingegen nur unnötig schwer“, erklärt Palmer. Sobald eine Person dazu bereit ist, sich selbst zu lieben und äußere Zuneigung zuzulassen, braucht es nur noch etwas Zeit, ein paar chemische Reaktionen und natürlich gemeinsame Interessen. Denn obwohl ein altes Sprichwort besagt, dass sich Gegensätze anziehen, so ist es in den meisten Fällen tatsächlich andersherum. „Ziel ist es doch, jemanden zu finden, der dieselben Werte teilt, die gleichen Interessen hat und dieselbe Zuneigung teilt“, so Beziehungsexperte und Autor Kevin Darné. Liebe ist und bleibt also relativ und wird von jedem Menschen anders empfunden. Tatsache ist jedoch, dass der Grund dafür, dass man sich verliebt weit weniger romantisch ist, als viele denken. Lassen Sie sich von der bevorstehen Zeit der Frühlingsgefühle also nicht gleich den Kopf verdrehen.