Partnerschaft

Warum zu viele Dates kontraproduktiv sind 

Overdating: Zu viele Dates und kein Mr. Right in Sicht? /Bild: Fotolia
Warum zu viele Dates kontraproduktiv sind 
Catharina Kaiser

Wenn man sich auf der Suche nach Mr. Right befindet, ist so viele Dates wie möglich zu haben vermutlich die offensichtlichste Strategie. Die Hoffnung ist also den einen Prinz unter den Fröschen zu finden und dazu muss man eben ein paar Frösche treffen. Nichtsdestotrotz ist es relativ schwer, den einen perfekten Match zu finden, bei dem alles passt. Deshalb starten viele einen regelrechten Dating-Marathon. Nach Ansichten von Top-Beziehungsexperten könnte genau dies jedoch die Chance auf einen langfristigen Partner verhindern. Mehr Dates bedeutet somit nicht zwangsläufig mehr Erfolg.

Das Problem des Overdating

Dank Erfindung diverser Dating-Apps ist es ein leichtes geworden, sich mit jemandem zu verabreden. Allerdings ist es ebenso leicht geworden, gleich mehrere Menschen zu daten und einen kleinen Marathon zu starten. Allerdings ist das nicht unbedingt hilfreich. „Anstatt sich auf einen Menschen zu konzentrieren, der ein perfekter Match sein könnte, ist man mit dem Kopf schon beim nächsten Date“, so ‚Dating-Guru‘ James Preece. Es fehlt folglich die Aufmerksamkeit auf den Moment – etwas, das bei einem Date wohl der wichtigste Faktor ist. Man ist somit immer auf der Suche nach etwas noch besserem, nach einer anderen Person bei der es vielleicht mehr funkt, anstatt das Gegenüber kennenzulernen. Wer diese Chance verpasst, oder gar nicht erst wahrnimmt, wird jedoch bei keinem Date erfolgreich sein. Kurzum: Wenn man eine Person nicht richtig kennenlernt, wird man nie wissen, ob es klappt. Mehr als zwei erste Dates pro Woche sind laut Experten eindeutig zu viel.

Wie viel Dates braucht es?

Eines ist schon mal sicher, um eine Person wirklich gut kennenlernen zu können, braucht es etwas mehr Zeit als bei einem normalen Date. „Es ist praktisch nie möglich, eine Person sofort kennenzulernen“, so Psychologin Madeleine Mason Roantree.  Mal abgesehen davon, dass man sich beim ersten Mal erfahrungsgemäß ohnehin nicht in seiner authentischen Version präsentiert. Möglicherweise dienen viele Dates auch dazu, die eigenen Ängste und Gedanken über die eine Person, die es einem angetan hat, zu bewältigen. Allerdings distanziert einen diese Strategie tatsächlich von jener Person, an der man wirklich interessiert ist. Dieses Problem beziehungsweise die Denkweise, dass Mr. Right vielleicht nur einen Swipe entfernt ist, betrifft vor allem die Generation der Millennials. Zudem birgt der Dating-Marathon die Gefahr, dass man Personen verwechselt und von all den Informationen einfach überwältigt ist. Es könnte ebenso gut passieren, dass man dadurch eine zynisches oder desinteressiertes Verhalten an den Tag legt, welches bei einem Date nicht unbedingt ein Erfolgsgarant ist. Ein weiteres Risiko, dass zu viele Dates mit sich bringen, ist dass man sich mit der Zeit von den Gefühlen anderer desensibilisiert. Die Art und Weise, wie man mit anderen Menschen umgeht, könnte somit ebenfalls negativ beeinflusst werden.

Dating-Müdigkeit vs. Dating-Rausch

Natürlich kann man sich mit vielen Menschen verabreden. Viel Spaß daran ist kein Grund für ein schlechtes Gewissen. „Daran ist absolut nichts auszusetzen“, meint Mason Roantree. Doch je mehr Dates man hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man schnell genug davon hat, ständig neue Menschen zu treffen. Tatsächlich wurde Dating-Müdigkeit im Rahmen einer aktuellen Studie von PassionSmiths, als Hauptgrund dafür genannt, warum viele Singles keine Verabredungen mehr treffen möchten. Während die einen eindeutig genug davon haben, könnten andere jedoch in einen regelrechten Dating-Rausch verfallen, welcher einer Sucht ähnelt. „Auch wenn Dates gut laufen, können Menschen aufgrund des Ego-Schubs und der Aufmerksamkeit süchtig danach werden“, so Preece.

Beziehungen sind wichtiger als Flirts

Erhebungen aus London zeigen, dass 80% der Singles eine feste Beziehung bevorzugen, anstatt sich von einer Liebelei zur nächsten zu hanteln. Demzufolge raten Experten, die Anzahl der Dates tatsächlich zu reduzieren, um den Fokus auf das Gegenüber beizubehalten. Doch wie genau findet man nun den einen unter allen Fröschen, wenn man die Suche einschränken soll? Ganz einfach: Indem man sich genau überlegt, welche Art von Person man treffen möchte. Wenn man das nicht weiß, wird man auch nicht wissen wo und wie man diesen Menschen treffen wird. Der Leitspruch für Dates lautet somit: Qualität über Quantität. Viele Dates einzig der Dates wegen zu haben ist also die falsche Strategie. Anstatt vieler erster Dates ist es daher ratsam mehrere Dates mit ein und derselben Person zu halten um sich sicher sein zu können, dass die Chemie stimmt – oder eben nicht. Man kann und sollte sich durchaus etwas Zeit geben, um diese Entscheidung zu treffen.