Ernährung

Phthalate: Der bittere Beigeschmack beim Restaurantessen

Wer regelmäßig in Restaurants schlemmt, nimmt mehr Phthalate auf. /Bild: Fotolia
Phthalate: Der bittere Beigeschmack beim Restaurantessen
Catharina Kaiser

Ein tolles Essen in einem schönen Lokal würde wohl niemand so einfach ablehnen – im Gegenteil. Doch die geschmackliche Explosionen haben neuesten Studien zufolge einen relativ bitteren Beigeschmack. Denn das Essen in Restaurants birgt das erhöhte Risiko der Exposition gegenüber schädlichen, hormonstörenden Phthalaten. Bei einer im Environmental Journal veröffentlichten Studie handelt es sich um die erste ihrer Art. Sie vergleicht die Phthalat-Exposition von jenen Menschen, die häufiger in Restaurants schlemmen und jenen, die vorwiegend zu Hause essen. Laut Studienergebnissen hätten Menschen, die regelmäßig Fast-Food Restaurants oder Cafeterien für kleine Leckerbissen aufsuchen, einen 35 Prozent höheren Phthalatgehalt als Personen, die in erster Linie selbst kochen. Das mag einem zwar zunächst einmal den Appetit verderben, doch es ist nicht ganz so tragisch wie es momentan klingt.

Was sind Phthalate?

Laut Angaben des CDC sind Phthalate eine Chemikalienart, welche dazu verwendet wird, Kunststoff einerseits härter, andererseits biegsamer zu machen. Wie viele wahrscheinlich bereits richtig vermuten, kommt diese Chemikalie also in so ziemlich jedem Bereich des alltäglichen Lebens vor: In der Kleidung, bei Körperpflegeprodukten, in der Medizin oder sogar im Kinderspielzeug. Obwohl Phthalate eine so große Rolle im Leben spielen, ist die Exposition gegenüber einer höheren Konzentration relativ gefährlich. Forschungen zufolge könnte dies beispielsweise zu Leber-, Nieren- und Fortpflanzungsschäden führen. Umso erschreckender ist daher die Tatsache, dass die meisten Menschen durch Lebensmittel mit diesen Phthalaten in Kontakt kommen, indem sie Getränkebecher, Take-out-Boxen oder andere Behälter verwenden. „Die neue Studie legt nahe, dass selbst zubereitete Lebensmittel eine weniger hohe Konzentrationen an Phthalaten enthalten und somit ein geringeres Risiko für Unfruchtbarkeit, Schwangerschaftskomplikationen und andere Gesundheitsproblemen aufweisen“, erklärt die leitende Studienautorin Dr. Ami Zota von der George Washington University. Ernährung ist folglich eine bislang völlig unterschätzte Ursache für die Exposition gegenüber Phthalaten.

Kinder & Jugendliche als Risikogruppe

Für ihre Studie analysierten die Forscher Daten der NHANES, die von 2005 und 2014 gesammelt wurden. Im Rahmen dieser nationalen Gesundheits- und Ernährungsuntersuchung stellten über 10.000 Freiwillige in verschiedenen Altersgruppen Urinproben und Ernährungstagebücher zur Verfügung, die alles aufzeichneten was am Vortag konsumiert wurde. Nachdem Phthalate etwa 24 Stunden lang im Körper vorhanden bleiben, konnten die Forscher somit die Exposition des Vortages auswerten und kamen zum Ergebnis dass vor allem Kinder und Jugendliche eine Risikogruppe bilden. Im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen hatten sie die höchsten Konzentrationen von Phthalaten in ihren Systemen, gefolgt von Personen die regelmäßig auswärts essen. „Nachdem Schwangere und Kinder besonders sensibel auf die toxische Wirkung der Phthalate reagieren, ist es wichtig, einige Möglichkeiten zu finden, um die Exposition zu minimieren“, erklärt Studienautorin Dr. Julia Varshavsky von der University of California. Öfter zu Hause zu essen und im Allgemeinen auf Kunststoff zu verzichten wäre Forschern zufolge schon ein erster Schritt in die richtige Richtung. In weiterer Folge sollen zukünftige Studien auch zur generellen Reduzierung dieser Chemikalie beitragen.