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Nachteulen leiden unter „Social Jet Lag“

Nachteulen und Lerchen benötigen unterschiedliche Stundenpläne. /Bild: Fotolia
Nachteulen leiden unter „Social Jet Lag“
Catharina Kaiser

Während die Nachteulen morgens noch im Bett ruhen, fängt der Early Bird bereits seinen ersten Wurm. So in etwa könnten wohl die zwei gängigsten gesellschaftlichen Gruppierung beschrieben werden. Auf der einen Seite gibt es Menschen, deren Produktivität nachts erst richtig in Fahrt kommt, auf der anderen Seite gibt es Frühaufsteher, die gleich nach dem Aufstehen einem Duracellhäschen gleich losstarten. Wie viele bereits richtig vermuten, ist die Leistungskurve dieser beiden Typen völlig unterschiedlich und die Frage, zu welcher Tageszeit die Produktivität am höchsten ist, wird vor allem im Bildungskonzext heiß diskutiert. Unterricht am Morgen, oder doch lieber gegen Nachmittag – längere Pausen oder doch lieber kürzere und dafür früher Schluss machen? Wenn es um den perfekten Stundenplan geht, gibt es Fragen über Fragen.

Nachteulen haben es schwerer

Studenten haben bekanntlich drei wichtige Grundbedürfnisse: Genügend Schlaf, ein soziales Leben zu führen und gute Noten. Allerdings stehen diese drei Dinge etwas im Widerspruch zueinander. Denn ein ausschweifendes soziales Umfeld führt meist zu einem gehörigen Schlafmangel und dieser wirkt sich wiederum negativ auf die Leistung aus. Dies gilt vor allem für die sogenannten Nachteulen, die dem Tagesplan eines „Early Birds“ folgen müssen. So ergab eine kürzlich veröffentlichte Studie, dass Studenten, die normalerweise eher später schlafen gehen, jedoch früh aufstehen müssen, bei Tests schlechter abschneiden, sofern sie ihren zirkadianen Rhythmus nicht berücksichtigen. In diesem Fall kommt es zu einem selbst verursachten „Social Jet Lag“, der zu einer Verschlechterung der Noten führen kann.

Unterschiedliche Produktivitätskurven

Im Rahmen der zweijährigen Studie, welche in Scientific Reports veröffentlicht wurde, beobachteten und bewerteten Forscher die Aktivität von 14.894 Studenten der Northeastern Illinois University. Auf Basis ihrer Produktivität wurden die Studenten entweder als „Lerchen“, „Finken“ oder „Nachteulen“ kategorisiert. Im Fokus stand dabei die Aktivität an jenen Tagen, an welchen die Studenten frei hatten. Dabei stellten Aaron Schirmer, Professor für Biologie an der Northeastern Illinois University und Benjamin Smarr, von der University of California fest, dass 50% der Studenten an Vorlesungen teilnehmen, welche zu einer Zeit stattfanden, in der sie noch nicht völlig wach waren. 10% hatten die Phase ihrer maximalen Produktivität bereits vor dem Unterricht erreicht und 40% entschieden sich dazu, ihre Vorlesungszeiten mit ihrem zirkadianen Rhythmus zu synchronisieren. Bei letzterer Gruppe verzeichneten die Forscher die besten Leistungserfolge. „Wir entdeckten, dass die Mehrheit der Studenten einen sozialen Jet Lag aufwies, wodurch ihre akademische Leistungen negativ beeinflusst wurden“, erklärt Smarr.

Individuelle Zeitpläne

Wie der deutsche Philosoph Richard David Precht bereits mehrmal angesprochen hatte, haben unterschiedliche Schüler und Studenten unterschiedliche Bedürfnisse, auf welche Rücksicht genommen werden sollte. Das Bildungssystem bräuchte somit mehr Flexibilität und neue Lehrmethoden. „Studenten haben biologisch unterschiedliche Rhythmen, weshalb es keine „One-fits-it-All“ Lösung gibt“, so Smarr. Anstatt jene, die von Haus aus später schlafen gehen, zu ermutigen, früher ins Bett zu gehen, sollten sie die Möglichkeit haben, ihren Stundenplan an ihren zirkadianen Rhythmus anzupassen. Ansonsten würden sie nämlich erneut in einen Konflikt mit ihrer inneren Uhr kommen. Das Bildungssystem sollte also nicht nur daran arbeiten, Studenten individuelle Ausbildungen und Lehrangebote zu präsentieren, sondern ihnen auch individualisierte Zeitpläne zur Verfügung stellen. Dadurch wären sie in der Lage, ihre produktivsten Phasen zu nutzen und dementsprechend bessere Leistungen abzuliefern.