Leben

Cherophobie: Die Angst vor Glück

Zu schön, um wahr zu sein? Das ist die Angst vor dem eigenen Glücklichsein. /Bild: Fotolia
Cherophobie: Die Angst vor Glück
Catharina Kaiser

Glück und Freude sind es doch, nach welchem jeder Mensch strebt und versucht sie für sich, wie auch immer das aussehen mag, zu erreichen. Bei Menschen mit Cherophobie sieht das jedoch anders aus. Die „Fear of Happiness“ also die Furcht vor dem eigenen Glück, ist tatsächlich eine Erkrankung, die erst seit kurzem in den Medien kursiert. Diese Personen können das Gefühl, dass etwas zu schön ist, um wahr zu sein, nicht überwinden, wodurch ihr Glück eine düstere Wendung nimmt. Doch es sind nicht das Glück oder die Freude an sich, die den Betroffenen Sorgen bereiten. Es ist die Angst vor der Zeit nach dem Glück: So befürchten die Betroffenen das Eintreffen schrecklicher Ereignisse, sobald sie sorglos und unbeschwert sind.

Was ist Cherophobie?

Als Erkrankung ist Cherophobie nicht gerade weit verbreitet und ebenso wenig gut definiert. Zudem befindet sich diese Art der Phobie nicht einmal in der neuesten Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5), jenes Handbuch welches für die Diagnose von psychischen Erkrankungen herangezogen wird. Einige Therapeuten stufen Cherophobie daher als eine Form von Angsstörungen ein. Doch wodurch äußerst sich diese psychische Erkrankung überhaupt? Eines gleich vorweg: Menschen mit Cherophobie sind nicht rund um die Uhr traurig oder schlecht gelaunt. Sie vermeiden jedoch Aktivitäten, Ereignisse sowie Orte, die sie glücklich machen könnten. Laut Experten zählt unter anderem die Angst vor einem geselligen Beisammensein, sowie die Furcht vor positiven lebensverändernden Chancen. Hinzukommt, dass Betroffene denken, ihr Glück würde sie zu einer schlechteren Person machen oder dass das Streben nach Glück ohnehin reine Zeitverschwendung sei.

Wie entsteht die Angst vor Glück?

„Es wird derart oft über das Streben nach Glück gesprochen, dass es nahezu unmöglich erscheint, wenn Menschen sich vor diesen positiven Gefühlen fürchten“, erklärt Psychiaterin Dr. Carrie Barron. Wie bei fast allen Angststörungen hat auch die Cherophobie ihre Wurzeln in der Kindheit. Carrie Barron sieht die Beziehung zwischen Glücklichsein und Bestrafung in der Kindheit als einer der Hauptursachen für die spätere Entwicklung der psychischen Erkrankung. Die Phobie könnte demzufolge weit häufiger auftreten als viele glauben würden. So könnte sie auch aus der Angst vor einem Konflikt mit einem geliebten Menschen herrühren, oder aus einer negativen Erfahrung die mit einem bestimmten Ereignis assoziiert wird. „Wer daran gewohnt ist, dass direkt nach einem Hochflug der tiefe Fall kommt, wird eher versuchen dieses Gefühl zu vermeiden“, so Barron. In letzter Konsequenz entsteht daraus ein Gefühlskombination aus völliger Hoffnungslosigkeit und Misstrauen die einem davor abhält Dinge zu machen, die das Glück fördern können.

Therapie & Behandlung

Bei der Behandlung von Cherophobie gibt es noch keinen expliziten Ansatz, der von Psychiatern verwendet wird. So wird sie häufig mit der Behandlung von depressiven Gefühlen gleichgesetzt, die laut Experten in diesem Zusammenhang weniger hilfreich sei. „Es gibt nicht wirklich viel, was man tun kann ,da es an Ressourcen mangelt“, so Barron. Es wäre jedoch ein guter Anfang, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und nach Korrelationen zwischen Schmerz und Glück zu suchen. Anschließend müssen Betroffene sukzessive erlernen, diese positiven Gefühle ohne die Furcht vor negativen Konsequenzen zu erleben. Dazu könnten insbesondere Behandlungen wie die erkenntnisorientierte Psychotherapie und die kognitive Verhaltenstherapie von Nutzen sein. Dadurch können Ursachen verstanden und die Beziehung der beiden Gefühlspole aufgehoben werden.