Gesundheit

CBD-Öl: Schmerzfrei dank Marihuana-Extrakt? 

CBD-Öl soll Depressionen lindern, chronische Schmerzen reduzieren und die Schlafqualität verbessern. /Bild: Fotolia
CBD-Öl: Schmerzfrei dank Marihuana-Extrakt? 
Catharina Kaiser

Cannabidiol, kurz CBD-Öl, scheint inzwischen ein richtiges Trendprodukt zu sein. Ob im Tee, als Kapseln oder als reines Öl verwendet, soll CBD Depressionen lindern, chronische Schmerzen reduzieren und sogar die Schlafqualität verbessern. Obwohl Cannabidiol, wie der Name vielleicht schon vermuten lässt, aus Marihuana-Pflanzen gewonnen wird, kann man davon allerdings nicht high werden. Doch was genau ist CBD-Öl überhaupt? Typischerweise wird es aus Cannabis-Knospen und -blumen extrahiert oder aus Hanf, einer industriellen, fasrigen Form von Cannabis, gewonnen. Die THC-Konzentration, also jener Stoff der berauscht machen würde, ist mit 0,3% oder weniger relativ gering. Zudem wird CBD-Öl mit anderen Ölen wie MCT-Öl verdünnt.

Kein Rauschzustand durch CBD-Öl

Nur weil es sich um ein Produkt aus der Marihuana-Pflanze handelt, bedeutet es nicht, dass es dieselbe Wirkung hat. In Marihuana befinden sich nämlich über 80 aktive Cannabinoid-Chemikalien, deren berauschender Effekt aufgrund einer Wechselwirkung mit spezifischen Rezeptoren entsteht. THC stellt in diesem Fall das wichtigste psychoaktive Cannabinoid in der Pflanze und es erzeugt Intoxikation sowie Euphorie durch Interaktion mit CB1-Rezeptoren im Gehirn. Die Interaktion mit CBD mit diesen Rezeptoren ist allerdings 100 Mal schwächer als jene mit THC. Dennoch ist die rechtliche Lage etwas verwirrend. So ist CBD-Öl in manchen Ländern legal. Vor allem in amerikanischen Bundesstaaten wird Marihuana für medizinische Zwecke genutzt, doch dies kann von Land zu Land variieren. So hat jeder dieser Staaten spezifische Beschränkungen hinsichtlich der THC-Konzentrationen und Anwendungsfälle.

Vorteile von CBD-Öl

Aller Skepsis über den Einsatz von Marihuana zum Trotz, konnten Studien bereits die gesundheitlichen Vorteile von CBD-Öl belegen. Im Zuge dessen prüft die FDA aktuell eine New Drug Application (NDA) für Epidiolex, ein pharmazeutisches CBD-Produkt zur Behandlung von Krampfanfällen, die mit Lennox-Gastaut-Syndrom und Dravet-Syndrom verbunden sind. Darüber hinaus konnte in Rahmen zweier Studien eine positive Wirkung von CBD-Öl bei Angststörungen, sowie Erkrankungen des zentralen Nervensystems nachgewiesen werden. Problematisch sei allerdings, dass man nicht immer das bekommt, was auf der Packung vermerkt ist. CBD-Öl wird nämlich relativ oft falsch gekennzeichnet, weshalb die Dosierung gegen Regulierungen verstoßen könnte. Eine Studie, die letztes Jahr in JAMA veröffentlicht wurde, ergab, dass mehr als zwei Drittel der online verkauften CBD-Produkte höhere oder niedrigere Konzentrationen des Stoffes enthielten, als auf den Etiketten angegeben war. Zudem enthielten einige von ihnen signifikant hohe Mengen an THC. Die Sicherheit sowie Zuverlässigkeit derzeit verfügbarer CBD-Öl Produkte hängt somit von den Herstellungsländern ab. „Einige Bundesstaaten wie Minnesota oder Iowa haben etwa eine staatlich regulierte CBD-Produktion, bei der die Produkte auf Reinheit, Inhalt und Dosierung getestet werden“, erklärt Dr. Timothy E. Welty, Professor und Vorsitzender der Abteilung für klinische Wissenschaften am College of Pharmacy and Health Sciences.

Mögliche Nebenwirkungen

Laut Berichten der WHO konnte CBD-Öl bislang noch nicht mit gesundheitlichen Problemen oder negativen Auswirkungen in Verbindung gebracht werden. Ebenso wenig würde die Verwendung zu einer Abhängigkeit führen. Dennoch gibt es einige Nebenwirkungen, welche zu beachten sind. Im Rahmen der Lancet-Studien wurden etwa Übelkeit, Erbrechen, Schwindel sowie Durchfall als Nebeneffekte gelistet. „Außerdem wiesen etwa 10% der  Patienten Veränderungen der Leberfunktion auf, die auf eine Toxizität hindeuten könnten und 3% mussten die Einnahme von CBD-Öl aufgrund von Leberschäden abbrechen“, erklärt Welty. Da es zu einigen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann, muss die Einnahme vorab mit einem Arzt besprochen werden. Bei der Wirkung, den gesundheitlichen Vorteilen, sowie möglichen Konsequenzen von CBD-Öl bleiben also noch viele Fragen offen, die erst durch Langzeitstudien beantwortet werden können. Bis dahin sollte man also noch große Vorsicht walten lassen, anstatt sich Produkte einfach online zu bestellen.