Erziehung

Pubertät: Warum jeder Teenager anders tickt 

Die meisten Teenager entsprechen nicht den Stereotypen von Jugendlichen. /Bild: Fotolia
Pubertät: Warum jeder Teenager anders tickt 
Catharina Kaiser

Launisch, impulsiv, schnell genervt, oftmals unüberlegt und anfällig für Gruppenzwänge – das sind wohl die typischen Charakterzüge, die einem zu Teeanger in der Pubertät einfallen. Eine Lebensphase, die für Jugendliche und Eltern gleichermaßen schwierig ist und auf beiden Seiten für endlose Verwirrungen sorgt. Obwohl in diesem Kontext gerne mit Stereotypen gespielt wird, scheinen sich manche gängigen Klischees tatsächlich zu bewahrheiten. Viele Studien haben bereits festgestellt, dass die Pubertät durch eine Reihe signifikanter Veränderungen im Gehirn charakterisiert ist und die gängigen pubertierenden Charakterzüge sind ein Teil davon. Es gibt nur einen Haken: Die meisten Teenager entsprechen diesen Stereotypen gar nicht. Jeder weiß, dass die Art und Weise, wie Jugendliche denken und handeln, stark variieren kann und trotzdem haben sich bisherige Studien vorwiegend auf „Durchschnittswerte“ konzentriert. Das hat in erster Linie einen statistischen Vorteil: Weil Forscher dadurch in der Lage sind, einen Effekt zu erkennen, wenn sie viele Menschen miteinbeziehen. Laut Forschern müsse sich dies jedoch schleunigst ändern!

Genetik, Ernährung Erziehung


Die Unterschiede in den Verhaltensweisen von Teenagern dürfen laut Forschern nicht länger aus den Forschungen ausgeschlossen werden. Im Gegenteil, im Rahmen der Hirnforschung müssen diese „individuellen Unterschiede“ weit mehr Aufmerksamkeit bekommen. Denn neben der Tatsache, dass alle Teeanger anders sind, muss auch verstanden werden, warum dies überhaupt der Fall ist. Einige Studien, welche dies bereits untersucht haben, deuteten darauf hin, dass sowohl die Genetik, als auch die Ernährung, Erziehung sowie psychische Erkrankungen einen wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie sich das Gehirn entwickelt und wie sich Teeanger in der Pubertät verhalten. In einer aktuellen Studie wurden zudem drei Faktoren berücksichtigt, die die Gehirnentwicklung ebenfalls beeinflussen könnten. Dazu zählen der sozioökonomischer Status, die Beziehungen zu Gleichaltrigen und die Kultur.

Wichtige Faktoren während der Pubertät

Der sozioökonomische Status ist ein Maß für die soziale und finanzielle Stellung einer Person in der Gesellschaft und wird oft anhand des Bildungsniveaus der Eltern und des gesamten Familieneinkommens gemessen. Laut Forschungen würde sich dieser Faktor sehr stark auf die Entwicklung sowie das Verhalten von Jugendlichen in der Pubertät auswirken. Warum dies der Fall ist, scheint jedoch selbst Forschern noch unklar zu sein. Bislang lautet die Theorie, dass die Erziehung in einem Umfeld mit niedrigeren Einkommen eher stressig ist und vielleicht auch die Ernährung einen Einfluss auf die Gehirnentwicklung hätte. Natürlich spielt auch die Art von Beziehungen, die Jugendliche mit ihren Klassenkameraden haben eine wichtige Rolle. Jugendliche, die beispielsweise gemobbt wurden, weisen bei bestimmten sozialen Informationen unterschiedliche Muster der Gehirnaktivität auf. Ihr Gehirn scheint also empfindlicher auf ähnliche Erfahrung zu reagieren. Im Gegensatz dazu hat ein großer Freundeskreis sowie Spaß an der Schule positive Auswirkungen auf die Gehirnaktivität und kann sogar widerstandsfähiger gegen psychische Probleme machen. Letztendlich müsse laut Forschern auch die Kultur eines Teenagers berücksichtigt werden, da sie viele Aspekte des Lebens beeinflusst. Obwohl dies bei Erwachsenen bereits häufig untersucht wurde, war dies bei Teeangern eher nicht der Fall und muss jetzt nachgeholt werden.

Jeder Teeanger ist ein Individuum

Die Erkenntnis, dass alle Teenager völlig individuell ticken ist nicht nur für Eltern relevant, sondern kann auch im Kontext der Bildung sowie in Bezug auf die Wirkung von Werbungen interessante Informationen liefern. Wenn beispielsweise die Art und Weise, in der Jugendliche lernen, von einem spezifischen Muster der Gehirnentwicklung abhängig ist, dann würden auf Durchschnittswerten basierende Bildungsstrategien nur begrenzt wirken. Selbiges gilt natürlich auch für die Wirkungsweise von Werbungen, welche nur bei einem Teil von Teenagern ankommen, sofern sie auf durchschnittlichen Vorlieben basieren. Je schneller diese Unterschiede von Teenagern in der Pubertät verstanden werden, desto schneller können diese Erkenntnisse auch in Schulen und der Politik berücksichtig werden und so zu effektiven Maßnahmen beitragen.