Leben

Verhaltensforschung: Couch Potatoes entwickeln neue Persönlichkeit 

Jahrelanges Faulenzen verändert den Charakter. /Bild: Fotolia
Verhaltensforschung: Couch Potatoes entwickeln neue Persönlichkeit 
Catharina Kaiser

Die Tatsache, dass Couch Potatoes hinsichtlich ihrer Gesundheit als die neuen Raucher gelten, ist vielleicht schon einigen bekannt, doch dass sich auch der Charakter durch das ständige Herumsitzen verändert, ist eine kuriose Ansicht. Der Zusammenhang zwischen mangelnder Bewegung und dem Rückgang edler Eigenschaften, wie etwa Gewissenhaftigkeit, konnte bereits in einigen Studien belegt werden. Die bisher größte Analyse dieser Art hat nun längere Nachfolgeperioden verwendet, um die Verbindungen erneut zu bestätigen und die Konsequenzen aufzuzeigen.

Das ungesunde Leben der Couch Potatoes

Das Forscherteam rund um den Psychologen Yannick Stephan von der Universität Montpellier kam zu einem erschreckenden Ergebnis, nachdem sie Daten aus zwei großen Studien kombinierten. Die verwendeten Daten stammten sowohl von der Wisconsin Longitudinal Study, welche Personen untersuchte, die 1957 ihren High-School-Abschluss gemacht hatten, sowie aus der Studie „Midlife in the United States“, welche Menschen aus dem ganzen Land analysierte. In beiden Fällen hatten alle Teilnehmer Persönlichkeitsfragebögen ausgefüllt, als sie erstmals in den 1990er Jahren rekrutiert wurden. Knapp 20 Jahre später nahmen insgesamt 9.000 Menschen erneut an der Umfrage teil und beantworteten Fragen rund um ihren Lebensstil sowie ihre Gesundheit. Dabei entdecken Dr. Stephan und sein Team, dass weniger aktive Probanden einen durchschnittlich höheren Rückgang von vier der sogenannten Big Five-Persönlichkeitsmerkmalen aufwiesen. Dazu zählten Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Empathie und Geselligkeit. Die fünfte Eigenschaft, Neurotizismus, wurde allerdings nicht davon beeinflusst. Auch wenn die Veränderungen zwar durchaus „gering“ ausfielen, war die Verbindung mit einem Bewegungsmangel durchaus stark. Die Ergebnisse wurden im April im Journal of Research in Personality veröffentlicht.

Persönlichkeit bleibt ein Leben lang formbar

Natürlich sind sowohl physiologischen als auch psychologische Faktoren daran beteiligt, wie ein Mensch mit seinem Umfeld interagiert. „Persönlichkeit ist allerdings zum Großteil das, was wir wiederholt tun, und Veränderungen in den Gewohnheiten können sich als Veränderungen in der Persönlichkeit konsolidieren“, erklärt der Epidemiologe Markus Jokela von der University of Helsinki. Doch Korrelationen beweisen nicht zwangsläufig eine Kausalität. In diesem Sinne könnten also ebenso zusätzliche Faktoren wie die Genetik oder frühere Lebensereignisse die Persönlichkeit beeinflussen. Deshalb müssen die Vermutungen auch durch Studien unter anderen Bedingungen durchgeführt werden. Erst dann kann bewiesen werden, dass sich das Leben als Couch Potato in diesem Ausmaß auf die Persönlichkeit auswirkt. Bis jetzt unterstreicht die Studie allerdings die Annahme, dass die Persönlichkeit ein Leben lang form- und wandelbar ist und die Wichtigkeit von regelmäßiger körperlicher Aktivität.