Frauenmedizin

Weibliches Viagra: Die kontroverse Pille ist zurück 

Die Lustpille für die Frau wagt nach drei Jahren einen zweiten Anlauf am Markt. /Bild: Fotolia
Weibliches Viagra: Die kontroverse Pille ist zurück 
Catharina Kaiser

Das weibliche Viagra war bereits vor drei Jahren ein großes Diskussionstheme und wurde mit Spannung erwartet. Allerdings fand der Verkaufsstart dann doch nie statt. Aufgrund möglicher schwerer Nebenwirkungen wurde die Zulassung des Medikaments Addyi zunächst an Auflagen geknüpft. Darunter litt die Vermarktung des weiblichen Viagras. Erst vor kurzem haben die Hersteller von Addyi die Lustpille wieder neu auf den Markt gebracht – Diesmal „leichter“ erhältlich und um die Hälfte des originalen Verkaufspreises. Für viele Frauen, die ihrem Sexleben etwas mehr Pep verleihen wollen, ist das zwar eine durchaus erfreuliche Nachricht, doch die Einnahme des weiblichen Viagra ist umstritten. Laut Experten seien zum einen sowohl die strengen Anforderungen für die Einnahme bedenklich, zum anderen sei die Wirkungsweise des Medikaments nicht klar. Hier alles was Frauen über das weibliche Viagra wissen sollten:

Was ist weibliches Viagra?

Die generische Bezeichnung des weiblichen Viagras Addyi lautet Flibanserin und dient zur Behandlung der hypoactive sexual desire disorder (HSDD), zu Deutsch „sexuelle Appetenzstörung“. Diese tritt vor allem bei Frauen während der Prämenopause auf und bewirkt sexuelle Lustlosigkeit. Experten sehen in diesem Bezug sowohl medizinische und psychische Gesundheits- als auch Beziehungsprobleme als mögliche Ursache. „Weibliches Viagra ist somit für Frauen bestimmt, welche mehr sexuelles Verlangen erfahren wollen, jedoch aus irgendeinem Grund keine gesunde Libido haben“, erklärt Dr. Stephen Snyder, Associate Clinical Professor für Psychiatrie an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai. Laut Herstellern soll Addyis die Gehirnhälfte aktivieren, die an sexuellem Interesse und Verlangen beteiligt ist. Ihr genauer Wirkungsmechanismus ist allerdings noch nicht vollständig nachvollziehbar. Genau genommen ist die Bezeichnung als „weibliches Viagra“ nicht ganz richtig. Anstatt den Blutfluss im Genitalbereich zu erhöhen, was bei Männern zu einer Erektion führt, zielt Addyi auf Neurotransmitter im Gehirn, wie Serotonin und Dopamin, ab.

Skepsis um weibliches Viagra

Als Addyi erstmals aufkam, sahen viele Gesundheitsexperten und Aktivisten eine große Chance um ein echtes Problem vieler Frauen behandeln zu können. Immerhin haben Männer bereits einige Unterstützungen erhalten und Frauen sollte die selben Möglichkeit haben. Andererseits argumentieren viele, dass es bessere Methoden gibt, als niedriges sexuelles Verlangen mit einer Pille zu behandeln. Schließlich könnten daran mehrere Faktoren wie etwa Stress, mangelnde Intimität, oder sexuelle Traumata beteiligt sein. Dementsprechend wird dazu geraten, neben einem Gynäkologen auch einen Psychiater zu kontaktieren, wenn Addyi eingenommen wird. Darüber hinaus sind sich Experten bezüglich der Wirkungsweise uneinig. Das weibliche Viagra wurde zweimal von der FDA abgelehnt, bevor es schlussendlich doch genehmigt wurde. Obwohl in den Phase-III-Studien mit mehr als 11.000 Teilnehmerinnen etwas mehr als die Hälfte von einer spürbaren Veränderung berichtete, habe das Medikament in anderen Studien nur geringfügig besser abgeschnitten als ein Placebo. Auch die Nebenwirkungen sind nicht unbedenklich. Dazu zählen etwa Schwindel, Schläfrigkeit oder ein niedriger Blutdruck. Der Konsum von Alkohol während der kompletten Einnahmephase ist daher verboten.