Gesundheit

Warum schmerzt ein Papierschnitt so höllisch?

Bei kleinen Schnitten werden die Nervenfasern freigelegt, bleiben aber funktionsfähig. /Bild: Fotolia
Warum schmerzt ein Papierschnitt so höllisch?
Catharina Kaiser

Normalerweise sind Hände und Finger relativ geübt in ihren täglichen Bewegungen. Manchmal scheint die Koordination allerdings plötzlich auszusetzen – und das passiert besonders gerne, wenn man gerade Papier in den Händen hält. Das Resultat? Ein fieser, tiefer Papierschnitt. Obwohl es eigentlich nur ein kleiner Schnitt im Finger ist, ähnelt der Schmerz einem Messerstich in der Hand. Doch warum genau schmerzt ein winziger Papierschnitt so sehr? 

Wildgewordenes Papier & sensible Finger

Für den absurd intensiven Schmerz, der auftritt, sobald ein Blatt Papier den Finger schneidet, gibt es eine ganze Reihe guter Gründe: In erster Linie, weil Papierschnitte typischerweise an Stellen auftreten, die besonders empfindlich sind. Finger, Lippen oder Zunge zählen wohl zu den häufigsten Opfern eines wildgewordenen Papiers – Körperregionen, die extrem talentiert darin sind, äußerliche Einwirkungen detailliert wahrzunehmen. Im Gehirn gibt es zudem eigens spezialisierte Gebiete, welche die Signale dieser Körperregionen in besonders hoher Auflösung empfangen. Die geniale Wahrnehmungsfähigkeit, die Finger, Lippen und Zunge in ihren gewöhnlichen Aufgaben so gut machen, bewirken also auch dass Verletzungen umso schmerzhafter werden. 

Papierschnitt vs. Schnittwunde

Abgesehen davon, dass es sich um hochsensible Körperregionen handelt, sind diese zusätzlich rund um die Uhr im Einsatz. Daher können durch einen Papierschnitt verursachte Wunden auch immer wieder aufgehen, wodurch der Schmerz immer wieder aufs Neue durchlebt wird. Schließlich ist die Tiefe der Wunde perfekt, um die Nervenfasern der Haut freizulegen und zu stimulieren, ohne sie zu schädigen. Im Gegensatz zu einer wirklichen Schnittwunde, bei der die Nerven derart beeinträchtigt sind, dass sie keine Schmerzsignale mehr senden können, werden die Nervenfasern bei einem Papierschnitt zwar freigelegt, bleiben jedoch voll funktionsfähig.

Wie man den Schmerzen lindert 

Glücklicherweise gibt es einige Tricks, um die lästigen Schmerzen eines einfachen Papierschnitts minimieren zu können. Zunächst sollte der Schnitt so schnell wie möglich mit Wasser und Seife gereinigt werden. Dadurch können Infektionen zunächst relativ gut vorgebeugt werden. Im nächsten Schritt sollte darauf geachtet werden, dass die Wunde sauber bleibt und die Stelle von den täglichen Belastungen geschützt wird. Dafür eignen sich Pflaster und kleine Verbände. In diesem Zusammenhang gibt es allerdings noch einen relativ spannenden emotionalen Faktor. Obwohl ein Papierschnitt nur eine wirklich kleine und triviale Verletzung ist, scheint es eine Menge anzustellen. Denn jeder, der bereits einmal eine unangenehme Begegnung mit einem Blatt Papier hatte, wird vermutlich auf dieselbe Art reagiert haben. Zuerst kommt die Überraschung darüber, dass man sich selbst bei einer so simplen Aufgabe verletzen kann, gefolgt von der Verwirrung darüber, wie viel Blut aus Fingern, Lippen oder der Zunge spritzen kann und schlussendlich die Wut darüber, dass einem das immer wieder passiert. Die emotionale Reaktion stimmt also nicht wirklich mit der Art der Verlegung überein. Stellt sich also die Frage warum eine solch kleine Verletzung, derartige Überreaktion hervorrufen kann oder? Experten zufolge gibt es dafür allerdings eine relativ simple Erklärung: Ein Papierschnitt erinnert einen immer daran, dass man sich, egal wie oft man eine Aufgabe bereits ausgeführt hat, verletzen kann.