Gesundheit

Neues Migräne-Medikament kommt auf den Markt

Das neue Migräne-Medikament kommt ab September nach Österreich. /Bild: Fotolia
Neues Migräne-Medikament kommt auf den Markt
Catharina Kaiser

Wenn Migräne erst einmal einsetzt, ist für die meisten der Tag gelaufen. Alles was danach folgt, ist, dass man sich in einen kühlen, dunklen Raum begibt und hofft, dass es bald vorüber ist. Pläne und Aktivitäten, auf die man sich gefreut hat, fallen aus. Keine Chance! Doch möglicherweise könnte bald eine „Chance“ existieren. Ab September ist das neue Medikament namens „Aimoving“ nämlich auch in Österreich erhältlich und Migräne-Attacken werden ihr blaues Wunder erleben. 

Behandlung ohne Nebenwirkung 

Aktuell ist die Auswahl an medikamentösen Behandlungen von Migräne äußerst begrenzt. Die meisten der Therapien oder Mittel wurden nämlich für andere Behandlungen entwickelt und nur aufgrund zufällig entdeckter Vorteile für-Migräne Attacken verwendet. Ursprünglich waren diese etwa für Bluthochdruck oder Epilepsie vorgesehen und haben eine ganze Reihe unangenehmer Nebenwirkungen. Dazu zählen Müdigkeit, Benommenheit oder Übelkeit. Darüber hinaus kann es Monate dauern, bis die Wirkung dieser Medikamente endlich einsetzt. Von einer spezifischen Behandlungsmethode konnte also nicht die Rede sein. Mit Aimovig ändert sich dies jedoch. Das Migräne-spezifische Medikament ist seit dem 30. Juli zur Vorbeugung von Migräne-Attacken zugelassen und soll vielen Patienten das Leben erleichtern. Allerdings profitieren davon nicht alle Betroffenen. Das Medikament ist nämlich ausschließlich für Patienten vorgesehen, die mindestens drei schwere Mirgäneschübe pro Monat erleben und sie nicht durch Akutmedikamente behandeln können. Grund dafür ist, dass es zahlreiche Auslöser für Migräneschübe gibt. Rund 38 Risikofaktoren und 45 Unterformen sind bislang bekannt. Es handelt sich also um ein höchst komplexes Zusammenspiel. Das neue Medikament ist jedoch ausschließlich bei jenen wirksam, bei denen der Botenstoff Polypeptid CGRP als Hauptursache festgestellt werden konnte. Diesen Personen kann Aimovig bald monatlich als Lösung injiziert werden. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf etwa 6.000 bis 7.000 €. 

Nicht für jeden geeignet 

Mit Hilfe des neuen Medikaments sollen CGRP-Rezeptoren aktiv blockiert werden, da sie zu einer Überempfindlichkeit der Nervenstränge beitragen und so Migräneschübe intensivieren können. Die soll durch den monoklonalen Antikörper Erenumab erzielt werden. Dadurch können Migräne-Attacken abgeschwächt oder vielleicht sogar verhindert werden. Im Rahmen der ersten Zulassungsstudie führte die Einnahme von Aimovig bei 955 Teilnehmern zu einer Reduktion der Migräne Tage um 3,2 Tage. Bei der Kontrollgruppe, der ausschließlich Placebos verabreicht wurden, waren es im Vergleich nur 1,8 Tage. Bei 50% der Teilnehmer führte das Medikamente zu einer Halbierung der Ausfalltage und bei einigen konnten die Attacken sogar völlig beseitigt werden. Die Ergebnisse einer weiteren Studie mit 667 Teilnehmern, waren jedoch weniger erfreulich. Demzufolge wäre Aimovig nur minimal effektiver als bisherige Medikamente. Dennoch sehen Experten wie Prof. Dr. Hartmut Möbel, Direktor der Schmerzklinik Kiel, einige Vorteile hinsichtlich der Nebenwirkungen. Nachdem Aimovig weit weniger Nebenwirkungen als bisherige Medikamente aufweist, wäre es für die Patienten deutlich leichter verträglich und somit sicherlich effektiver. Darüber hinaus setzt die Wirkung bereits binnen weniger Tage und nicht erst nach mehreren Monaten ein.