Gesundheit

Ärzte warnen vor Mandel-OPs

Mandel-OPs sind eine der häufigsten Eingriffe im Kindesalter. /Bild: Fotolia
Ärzte warnen vor Mandel-OPs
Trixi Kouba

Viele Jahre wurde eine Mandeloperation empfohlen, wenn Patienten immer wieder mit Krankheiten im Rachen- und Gaumenbereich zu kämpfen hatten. Erstmals zeigte eine Studie die Langzeitfolgen von Mandeloperationen auf die Häufigkeit von Krankheiten. Es zeigte sich, dass dabei für Patienten kein Vorteil entsteht. Im Gegenteil: Für die meisten Krankheiten fand sich ein erhöhtes Risiko.

Eine Entfernung der Mandeln im Rachen und Gaumen stellt eine der häufigsten Operationen im Kindesalter dar. Ärzte schätzen die Notwendigkeit dieses Eingriffs oftmals sehr unterschiedlich ein. Mit einer Operation sollen immer wiederkehrende Infektionen an den Mandeln vermieden werden. Die Nebenwirkungen können jedoch Blutungen oder eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen darstellen, berichtet ein Univadis-Beitrag.

Risiken für Krankheiten steigen stark an

Eine großangelegte dänische Fall-Kontroll-Studie zeigte die langfristigen Folgen von Mandel-OPs auf. Dabei wurden fast 1,2 Millionen Kinder, die zwischen 1997 und 1999 in Dänemark geboren wurden, analysiert. 60.000 davon wurden in ihren ersten neun Lebensjahren an den Mandeln operiert. Es zeigte sich, dass das Risiko für Erkrankungen anstieg: Die operierten Kinder wiesen bis zu ihrem 30. Lebensjahr ein um 2-3-fach erhöhtes Risiko für Erkrankungen der oberen Atemwege auf. Das Risiko für Infektionskrankheiten nach der Entfernung von Gaumen- und Rachenmandeln stieg um 17 Prozent. Da diese Krankheiten relativ häufig sind, entsprach dies aber einer absoluten Zunahme des Risikos um lediglich 2,14 Prozentpunkte. Das Risiko für eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) stieg um das Doppelte.

Grenzen der Studie

Die Daten scheinen darauf hinzudeuten, dass die langfristigen Ziele, die mit einer Adenotomie bzw. Tonsillektomie verbunden sind, oft nicht erreicht werden. Allerdings räumen sie auch ein, dass sie trotz rigoroser Kontrollen eine Verzerrung der Ergebnisse (confounding) nicht ausschließen können. So ist es wahrscheinlich, dass mit der Operation Kinder mit einem erhöhten Infektionsrisiko selektiert wurden, und es ist nicht auszuschließen, dass deren Krankheitsrate später im Leben ohne den Eingriff noch höher gewesen wäre. So wird das bereits weitgehend erfolgte Umdenken betreffs der Notwendigkeit dieser Prozeduren durch die Schlussfolgerung der Autoren bekräftigt: „Die langfristigen Konsequenzen dieser Eingriffe sollten sorgfältig bedacht werden“.

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