Baby

Ärzte warnen vor neuem Ernährungstrend „Baby-Led Weaning“

Fingerfood statt Babybrei - was bedeutet das ? /Bild: Fotolia
Ärzte warnen vor neuem Ernährungstrend „Baby-Led Weaning“
Trixi Kouba

„Baby-Led Weaning“ bedeutet Fingefood statt Babybrei. Babys sollten selbst darüber entscheiden, was sie sich in den Mund stecken wollen, meint ein neuer Ernährungstrend. Kinderärzte und Ernährungsexperten sehen das anders.

120 days of Baby-Led Weaning” heißt das Youtube-Video von Chloe Bridge. Zuschauer können darin Chloes Baby Rory beobachten, wie es erstmalig feste Nahrung zu sich nimmt. Das Video dokumentiert seine Mahlzeiten vom sechsten bis zum zehnten Monat. Mutter Chloe folgt dem Ernährungstrend „Baby-Led Weaning“: Der Säugling wird ab dem sechsten Monat nicht mehr mit Brei oder Babynahrung gefüttert, sondern nimmt sich vom Familientisch, was es in die Finger bekommt. Eltern verzichten darauf, ihr Kind mit dem Löffel zu füttern. Babys sollen mit dem „Beikostweg“ selbstbestimmt ein gesundes Essverhalten entwickeln.

Vitamin- & Kalorienmangel ?

vitamins
Ernährungsexperten sehen den Ansatz kritisch. Sucht ein Säugling selbst seine Nahrung aus, kann es vorkommen, dass er nicht ausreichend Kalorien oder Eisen zu sich nimmt. Beobachtet man den kleinen Rory in Chloes Youtube-Video sieht man nicht viel von den Häppchen im Mund des Babys wandern. „Wenn das Kind dann nur an einem Stück Fleisch saugt, bekommt es kaum Eisen. Außerdem kann es sein, dass ein motorisch unge­schick­tes Kind bei dem Fingerfood-Konzept nicht richtig satt wird. Oder dass es sich an einem Stück Gemüse oder Obst verschluckt“, meint BVKJ-Sprecher Josef Kahl laut des Ärzteblattes. Diese Meinung wird zum Teil auch von Anne-Louise Heath, die in Neuseeland eine Studie dazu durchführte, vertreten: Kinder, die nach der BLW-Methode ernährt werden, weisen weniger Eisen, Zink und Vitamin B12 auf als andere Kinder. Ob sich Kinder in diesem Alter häufiger an fester Nahrung verschlucken und ein höheres Erstickungsrisiko aufweisen, untersuchte Heath in einer anderen Studie. Sie beobachtete ein Jahr lang mehr als 200 Babys um herauszufinden, ob BWL-gefütterte Kinder ein höheres Risiko zum Verschlucken aufweisen als Kinder, die mit dem Löffel Brei gefüttert werden. Es stellte sich heraus, dass die Sorge unbegründet war. In ihrer Studie verschluckten sich die Babys nicht häufiger, wenn sie an fester Nahrung vom Familientisch knabberten.

Beikost richtig auswählen

baby
Ernährungsexperten sind nicht prinzipiell gegen ein paar Happen Fingerfood vom Familientisch. Tatsächlich gibt es auch Vorteile. Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund (FKE) gehen aufgrund einiger wissenschaftlicher Hinweise davon aus, dass eine frühe Einführung zu Beikost langfristig vor Übergewicht schützen könnte. Brei oder Muttermilch sollte aber trotzdem weiterhin am Ernährungsplan stehen. Das FKE empfiehlt Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei erstmals zwischen dem 5. und 7. Monat. Einen Monat später folgt ein Milch-Getreide-Brei, wieder einen Monat später ein Getreide-Obst-Brei. Die Wahl der Beikost kann individuell gestaltet werden, je nachdem wie geschickt sich das Kind anstellt. Sie empfehlen außerdem hin und wieder glutenhaltiges Getreide wie Weizen zu füttern. Damit wird das Zöliakierisiko um die Hälfte gesenkt.