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Aktivkohle: Weder Superfood noch Detoxkur 

Aktivkohle ist die Mogelpackung der Ernährungswissenschaften. /Bild: Fotolia
Aktivkohle: Weder Superfood noch Detoxkur 
Catharina Kaiser

Aktivkohle hat sich inzwischen zu einem regelrechten Hype entwickelt. Ob Kaffee, Kosmetik oder Smoothies – überall trinkt und isst man jetzt schwarz. Begründet wird der Wechsel von green- zu „black-Supperfoods“ damit, dass Aktivkohle die Energie pushen, die Haut reinigen und zudem noch Blähungen reduzieren sollen. Der größte Clou sei jedoch die entgiftende Wirkung. Denn ursprünglich kommt Aktivkohle aus der Notfallmedizin, wo sie zur Behandlung von Vergiftungen, oder bei medikamentösen Überdosierungen eingesetzt wird. Da sie das Gift mit dem Magen-Darm Trakt bindet, wird verhindert, dass es in den Blutkreislauf gelangt und so schlimmere Schäden anrichtet. Einmal eingenommen, werden die Toxine nach der Behandlung einfach aus dem Körper ausgeschieden. In dieser Hinsicht hat Aktivkohle also tatsächlich eine „entgiftende“ Wirkung. Das bedeutet allerdings nicht, dass man sie zum Fasten verwenden sollte. Laut Experten ist dies nämlich ein weiterer Fall einer unwissenschaftlichen Annahme, welche den medizinischen Gebrauch einer Substanz völlig falsch interpretiert. Auch wenn der Verzehr wie ein harmloser Gesundheits-Trend erscheint, gibt es eine ganze Reihe von Gründen warum man Aktivkohle vermeiden sollte. 

Aktivkohle = Mogelpackung der Ernährungswissenschaft  

Auch wenn sich Aktivkohle inzwischen fast zu einem Muss für jeden gesunden Smoothie gemausert hat, ist es nicht wirklich sinnvoll, sie jedem gesunden Gericht beizumischen. Denn Kohle bindet nicht nur Giftstoffe im Körper, es bindet einfach alles – also auch die benötigten Vitamine und Mineralstoffe. So gesehen wird man die gesunden Nährstoffe also kaum absorbieren können – da kann der Smoothie noch so gesund sein. Zudem kann es auch zu Wechselwirkungen bzw. negativen Verbindungen mit Medikamenten einschließlich einiger Antidepressiva kommen, was sie weniger wirksam macht. Leider scheint auch die letzte angepriesen positive Eigenschaft, nämlich die Reduktion von Blähungen, nur ein weiterer Mythos zu sein. Zwar haben Studien aus den 1980er Jahren diesen Effekt bestätigt, doch neueren Forschungen zufolge wurden dabei wichtige Faktoren außer Acht gelassen. Sobald etwas in die Blutbahn geraten ist, wird Aktivkohle nicht mehr helfen. Das bedeutet, dass auch Lebensmittel weiterhin Blähungen auslösen werden, sofern man Aktivkohle nur als Nahrungsergänzungsmittel nimmt. Es macht daher einfach keinen Sinn, im Gegenteil. Als Dankeschön bekommt man Verstopfungen und Übelkeit, da Kohle die Darmfunktion verlangsamt. Mit Detox und Entgiftungskur hat das also rein gar nichts zu tun. Für die persönliche Detoxkur hat nämlich jeder seine ganz speziellen Helferchen, und die nennen sich Leber und Nieren.