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Attraktivität: Online-Dating vs. echtes Treffen

Die Art und Weise, wie Dates ablaufen, hat sich grundlegend verändert ! /Bild: Fotolia
Attraktivität: Online-Dating vs. echtes Treffen
Catharina Kaiser

Zugegeben, der erste Eindruck zählt. Doch um herauszufinden, ob man jemanden attraktiv findet oder nicht, braucht es oft seine Zeit. So gesehen sind Dating-Apps nicht gerade zuverlässig, nachdem man der Entscheidungsfindung nicht mal zwei Sekunden gibt. Einer neuen Studie zufolge versteckt sich genau hier der Haken. Denn Menschen erscheinen viel attraktiver, wenn sie im echten Leben getroffen werden, als wenn man sie bloß auf Bildern betrachtet. Forscher der University of Kansas sind sich sicher: Eine Begegnung im echten Leben macht in Sachen Attraktivität einen erheblichen Unterschied.

Die Attraktivität im Experiment

Im Rahmen eines Experiments wurden 10 Studenten gebeten eine Reihe von Personen nach ihrer Attraktivität auf Bildern zu beurteilen. Anschließend trafen sie eine dieser Personen im echten Leben und konnten sich mit dieser unterhalten. Nachdem sie das quasi „Bilddate“ hinter sich hatten, wurden sie erneut aufgefordert die Bilder zu bewerten. Überraschenderweise stimmten die Beurteilungen nicht mehr mit jenen aus der ersten Runde überein. Allerdings wurde ausschließlich die Person als attraktiver bewertet, die die Teilnehmer zuvor kennengelernt hatten. Ebenso interessant war, dass sich die Punkte nur bei Personen, die vorher niedrig bis mittel eingestuft wurden, verbesserten. „Menschen die bereits auf den Bildern als besonders attraktiv eingestuft wurden, bekamen im zweiten Durchgang, auch trotz realem Treffen, keine höheren Wertungen“, so Dr. Jeffrey A. Hall, der an der Studie mitwirkte. Dieses Resultat könnte laut Forscher auf den so genannten „ceiling effect“, also den Deckeneffekt, zurückzuführen sein, wonach diese Personen nicht mehr recht viel Spielraum für Verbesserungen hatten. Allerdings, so auch im Experiment geschehen, scheint das attraktive Aussehen der Personen oftmals nicht mit der Attraktivität ihrer Persönlichkeit übereinzustimmen. Möglicherweise liegt das an der Tatsache, dass die Studienteilnehmer schlichtweg zu hohe Erwartungen an ein Treffen mit den attraktiven Personen hatten und im Gespräch auf den Boden der Realität zurückgeholt wurden.

Faktoren für Attraktivität

Bleibt nur noch die Frage welche Aspekte überhaupt dafür verantwortlich waren, dass sich die Bewertungen änderten. Laut Forschern waren an der Entscheidung gleich zwei Faktoren wesentlich beteiligt: Zum einen die soziale Attraktivität, sprich die Vorstellung mit der Person auf dem Bild befreundet sein zu wollen, zum anderen der Sinn für Humor. Sofern eine Person diese beiden Attribute aufweist, steigt die Chance, nach einem Treffen als besonders attraktiv eingestuft zu werden, ziemlich hoch. Eine schillernde Persönlichkeit zählt also immer noch mehr als ein besonders schönes Aussehen, zumindest auf dem Foto.

Schlussfolgerung für Dates

Nachdem Online-Dating aus der heutigen Zeit kaum mehr wegzudenken ist und die Art und Weise, wie mit Menschen interagiert wird, wesentlich bestimmt, sollten Nutzer eine Sache im Hinterkopf behalten: „Dass die alleinige Fokussierung auf ein einziges Bild nicht gerade aussagekräftig ist“, so Hall. Keiner kann auf einem Bild erkennen, wie die Person tatsächlich im echten Leben sein wird. Daher raten Experten sich nicht zu sehr von einem Bild vereinnahmen zu lassen und stattdessen etwas mehr auf die Kommunikationen mit dieser Person zu achten. Allerdings sollte man es auch nicht zu lange beim Chatten belassen, sondern auf reale Gespräche abzielen. Zwar können Textnachrichten bereits sehr aufschlussreich über die Persönlichkeit eines Menschen sein, doch oftmals geht auch vieles davon, irgendwo zwischen den Zeilen, verloren. Andererseits kann zu langes hin und her schreiben auch negative Folgen haben, nämlich eine viel zu hohe Erwartungshaltung. Es kann schon mal passieren, dass man 3 Wochen wie verrückt chattet und beim ersten Treffen bereits nach 10 Sekunden feststellen muss, dass die Chemie nicht stimmt.

Die Art und Weise, wie Dates heutzutage ablaufen, hat sich sicherlich verändert – was allerdings nicht zwangsläufig positiv sein muss. Klar machen Dating Apps und Co. die Kommunikation leichter, doch ein simples Foto sollte noch lange nicht mit Armors Pfeil verwechselt werden.