Gesundheit

„Atypisches“ Virus als Treiber von Nierenerkrankungen entdeckt

Ein bisher unbekanntes Virus wirkt als „Treiber“ für bestimmte Nierenerkrankungen. /Bild: Fotolia
„Atypisches“ Virus als Treiber von Nierenerkrankungen entdeckt
Trixi Kouba

Ein bisher unbekanntes Virus wirkt offenbar als „Treiber“ für bestimmte Nierenerkrankungen, fanden Forscher vor kurzem heraus.

Eine internationale Forschergruppe, angeführt von Wolfgang Weninger von der MedUni Wien, hat ein bisher unbekanntes Virus entdeckt, das als ein „Treiber“ für bestimmte Nierenerkrankungen wirkt. Dieses hierfür „atypische“ Virus gehört zur Familie der Parvoviren. Die Wissenschafter haben es „MKPV“-Virus (für Mouse Kidney Parvovirus) genannt.

Hintergrund der Entdeckung: „An unserem Institut ist in den vergangenen Jahren bei Labormäusen eine spontane Nierenerkrankung aufgetreten: Tiere mit einer Störung des köpereigenen Immunsystem verstarben frühzeitig und überraschend. Als Ursache konnten wir eine Erkrankung der Nierenkanälchen identifizieren“, erklärt Weninger. Dies wird offenbar durch den MKPV-Virus ausgelöst. „Die MKPV-Infektion ähnelt stark einer viralen Tubulopathie, die auch bei PatientInnen nach einer Nierentransplantation auftritt“, erklärt der MedUni Wien-Immunologie-Experte.

Neues Modell zu Nierenversagen entwickelt

Die ForscherInnen haben daher ein neues Modell zur Studie von viralen Nierenerkrankungen, Nierenfibrose und chronischem Nierenversagen entwickelt. Im Gegensatz zu bislang verwendeten Modellen, die vorwiegend auf chirurgischen Eingriffen oder auf der Gabe toxischer Substanzen beruhen, ist die MKPV-Infektion ein natürliches Modell, das dem chronischen Verlauf des menschlichen Nierenversagens sehr ähnlich ist. Mit diesem Modell kann man jetzt neue Medikamente gegen Nierenfibrose und chronisches Nierenversagen testen. Weiters kann man neue Biomarker bei diesen Krankheiten entdecken und für die klinische Anwendung entwickeln.

Virus zur Gentherapie?

Weninger: „Weiterführend arbeiten wir nun an der Frage, ob ähnliche Viren auch beim Menschen zu Niereninfektionen und Nierenversagen führen, speziell bei nach einer Transplantation immunsupprimierten Patienten.“ Außerdem könnte das MKPV-Virus für gentherapeutische Zwecke genützt werden, etwa, um Gene in Nierenkanälchen zu reparieren. Dies beruht auf der Tatsache, dass MKPV ganz bestimmte Zellen in der Niere (Nierenkanälchen), aber keine anderen Zellen im Körper infiziert. Daher könnte man eine nicht infektiöse Variante des Virus nutzen, um Gene in Nierenzellen einzuschleusen oder auszutauschen.

Über Nephropathie

Nephropathie ist ein medizinischer Überbegriff für verschiedene, entzündliche und nicht-entzündliche Erkrankungen der Nieren. Die häufigste Form ist die diabetische Nephropathie. Dabei handelt es sich um eine Schädigung der Nieren, die als Folge eines langjährigen Diabetes entstehen kann. Ist der Blutzucker über viele Jahre hinweg schlecht eingestellt, schädigt das die kleinen Blutgefäße der Nieren. Eine Nephropathie kann aber auch im Zusammenhang mit anderen Krankheiten wie einem Bluthochdruck auftreten, oder durch bestimmte Medikamente oder Infektionen ausgelöst werden.

(Quelle: MedUni Wien)