Erziehung

Aufklärung: Pornodarsteller starten pädagogische Kampagne

90 % der Kinder zwischen 8 und 11 Jahren haben bereits einen Hardcoreporno gesehen - doch Aufklärung funktioniert anders ! /Bild: Fotolia
Aufklärung: Pornodarsteller starten pädagogische Kampagne
Catharina Kaiser

In einer Zeit in der Kindern der Zugang zu einer Sexualaufklärung nicht immer garantiert ist, sie aber jederzeit Pornographie ansehen können, sobald sie Internet haben, sollten Eltern besonders aufmerksam sein. Klar, das Gespräch über Blümchen und Bienchen ist vielleicht etwas unangenehm und peinlich, doch immer noch besser, als wenn es von Pornodarstellern übernommen wird. Genau damit wirbt nun eine Kampagne, die Eltern zur Aufklärung ihrer Kinder motivieren möchte. Ein recht heikles Thema, bei dem sich Eltern entweder gerne aus der Affäre ziehen möchten, oder schlichtweg nicht wissen, wie sie das Gespräch überhaupt beginnen sollen.

Pornos als Aufklärung 

Laut einer Erhebung von The Novus Project sind sich Kinder absolut bewusst, was Sex bedeutet. Studienergebnissen zufolge hätten bereits 90 % der Kinder einen Hardcorporono gesehen – und das in einem erstaunlichen Alter zwischen 8 und 11 Jahren. Ob sie mit den pornographischen Inhalten zufällig, oder absichtlich konfrontiert wurden, ist hierbei nebensächlich. In jedem Fall wird die Aufklärung, bzw. die erste Auseinandersetzung mit Sexualität von Pornos übernommen und das kann zu erheblichen Problemen führen. Denn Kinder können zwischen Pornografie und realem Sex nicht unterscheiden und nehmen die Darstellungen folglich als „echt“ wahr. Eine Verwirrung, die sich übrigens auch bei einigen Erwachsenen bemerkbar macht!

Aufklärung 2.0 

In Kooperation mit Amaze sowie professionellen Pornodarstellen haben Experten für sexuelle Aufklärung nun einen Weg gefunden, um sowohl Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren, als auch ihren Eltern mit Informationen zur Seite zu stehen. „Denn bereits eine völlig unschuldige Eingabe auf Google kann bereits bewirken, dass Kinder mit explizitem Inhalt in Berührung kommen“, erklärt Nicole Cushman, Direktorin von Answer, einer der Partnerorganisationen hinter Amaze. „Das kann nicht nur äußerst verwirrende, sondern sogar potenziell erschreckende Auswirkungen auf Kinder haben. Vor allem wenn das der erste Kontakt mit Informationen über Sexualität ist“, führt Cushman aus. Durch die Nutzung der auf das jeweilige Alter abgestimmten Aufklärungsinhalte können derartige Überforderungen vermieden und klar gestellt werden, dass Pornografie absolut nichts mit realem Sex zu tun hat. 

Verhütung & Co. 

Alleine schon wenn es um das Thema Verhütung geht, sind Pornos nicht gerade das Wahre. Zwar schützen sich Jugendliche glücklicherweise durch Kondome, doch  dieses Bewusstsein haben sie definitiv nicht aus den Filmchen. Auch die Art und Weise wie über Sex gesprochen werden sollte ist nicht unbedingt ein Thema in diesen Filmen. „Es gibt nahezu keine Gespräche, vor allem nicht darüber ob Geschlechtsverkehr gewollt wird oder nicht“, so Cushman. Klar, immerhin geht es in Pornos ja um nichts anderes, doch wie sollen das Kinder wissen können? Neben diesen Thematiken kann das Programm von Amaze auch die Gespräche über sexuell übertragbare Krankheiten erleichtern, die – Überraschung –  ebenso wenig in Pornos angesprochen werden. Durch die Zusammenführung wichtiger Inhalte, sowie der relativ unkonventionellen Vermarktung könnte dieses neue Programm tatsächlich dazu beitragen, Pornografie einerseits zu entmystifizieren und andererseits die Aufklärung sowohl für Eltern als auch Kinder einfacher zu gestalten.