Ernährung

„Bakterien-Signatur“ von Darmkrankheiten entdeckt

Billionen Bakterienzellen bevölkern den menschlichen Darm, zusammen wiegen sie rund 1,5 Kilogramm. /Bild: Fotolia
„Bakterien-Signatur“ von Darmkrankheiten entdeckt
Trixi Kouba

Berner Forschende konnten bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten charakteristische Veränderungen bei Darmbakterien identifizieren. Diese „Bakterien-Signatur“ beeinflusst sowohl den Krankheitsverlauf als auch den Therapieerfolg. Mit dieser Entdeckung könnte die Behandlung von Darmkrankheiten künftig vereinfacht und verbessert werden.

Der menschliche Darm wird von hundert Billionen Bakterienzellen bevölkert, die für unsere Gesundheit essentiell sind. Zusammen wiegen sie im Darm rund 1,5 Kilogramm. Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Kombination aus Bakterien in sich. Ihre Zusammensetzung entscheidet über unsere Gesundheit. Ihre Widerstandskraft gegen Ernährungsumstellungen, Gifte und Immunreaktionen auf Infektionen und Antibiotika faszinieren Forscher.

Wie Darmbakterien zu chronischen Krankheiten führen

Gesunde Personen behalten dieselben gesunden Mikroben über Jahrzehnte bei. Wird die Darmflora jedoch gestört, verschlechtert sich der Gesundheitszustand und kann zu chronisch entzündlichen Darmkrankheiten (sogenannte Inflammatory Bowel Diseases, IBD) führen. Dazu zählen Morbus Crohn, die den gesamten Magen-Darm-Trakt betreffen kann, und die Dickdarmerkrankung Colitis ulcerosa. Beide betreffen jährlich bis zu 30 pro 100’000 Personen in Europa und Nordamerika. In der Schweiz haben die Fälle über die letzten zehn Jahre stark zugenommen. IBD haben gravierende gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen, da die meisten Patientinnen und Patienten jünger als 35 Jahre sind, wenn die Krankheit zum ersten Mal ausbricht.

Bakteriengruppen können Rückfall nach OP verursachen

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Nun hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Andrew Macpherson, Bahtiyar Yilmaz und Pascal Juillerat vom Department for Biomedical Research der Universität Bern und der Abteilung Gastroenterologie der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital Bern, entdeckt, dass Veränderungen in bestimmten Gruppen von Darmbakterien zu IBD Erkrankungen führen können. Sie zeigten zudem auf, dass diese Veränderungen in Bakteriengruppen sogar zu einem Rückfall beitragen können, nachdem bei Patientinnen und Patienten Teile des entzündeten Darmtrakts chirurgisch entfernt wurden. Die Studie wurde im Journal „Nature Medicine“ publiziert.

Alter und Fitness spielen größere Rolle als Behandlung

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Die Forschenden untersuchten den Einfluss mehrerer klinischer Faktoren auf die Darmflora von 270 Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn, 232 Patientinnen und Patienten mit Colitis Ulcerosa und 227 gesunden Personen. Die Proben zeigten, dass sich die Darmflora von IBD-Patientinnen und -Patienten sich von der Darmflora von gesunden Personen unterscheiden – hauptsächlich durch eine Zunahme von Bakterienstämmen, die Darmerkrankungen auslösen, und einer Abnahme von Bakterien, die wichtig für die Darmgesundheit sind. Die Forschenden entdeckten zudem 18 neue Gruppen von Krankheitserregern. Zudem stellten sie fest, dass Alter und Fitness im Vergleich zum Lebensstil oder Behandlungsart einen größeren Einfluss auf die Krankheitsverläufe ausüben. Je sportlicher die Betroffenen waren, desto weniger Probleme hatten sie mit ihrer Krankheit.

Hoffnung auf bessere Behandlungsformen

Eine wichtige Rolle spielen Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren produzieren: Damit „füttern“ sie unter anderem Zellen der Darmschleimhaut und stärken die Darmbarriere, die uns davor schützt, dass Nahrung und Bakterien ungehindert in den Blutkreislauf gelangen. Bei IBD sind nun diese schützenden Bakteriengruppen reduziert. „Wir haben unterschiedliche Netzwerke innerhalb der Darmflora entdeckt, spezifische Signaturen, die einerseits mit einem schweren Krankheitsverlauf zusammenhängen, also einem Wiederaufflammen, und im Gegensatz dazu eine Bakterien-Signatur, die sich bei weniger schweren Verläufen und gutem Ansprechen auf eine Therapie findet“, sagt Andrew Macpherson, Leiter der Gruppe und Letztautor.  Letztlich erhoffen sich die Forschenden, dass sich mittels Folgestudien die Prävention und Behandlung von IBD verbessern und auch die Kosten für die Wirtschaft und das Gesundheitssystem gesenkt werden können.