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Bakterienschleuder Brille

Keimträger Brille: Bis zu 660.000 Bakterien/cm2 fanden sich bei einer Studie auf einem Brillen-Nasenpolster. /Bild: Fotolia
Bakterienschleuder Brille
Trixi Kouba

Die Brille berührt die Nase, die Hände oder kugelt auf Sofas und Tischflächen herum. Sie begleitet durch schweißnasse Trainingseinheiten, regnerische Herbsttage oder stickige U-Bahn-Fahrten. Rund 44,2 Millionen Menschen in Deutschland ab 14 Jahren tragen ständig oder gelegentlich eine Brille. Das sind fast zwei Drittel der erwachsenen Bundesbürger. Doch kann man sich eigentlich von seiner eigenen Brille durch Bakterien anstecken? Und wie sollte man seine Sehhilfe am besten reinigen? Die Hochschule Furtwangen hat sich dieses Thema im Rahmen einer Studie genauer angesehen.

660.000 Bakterien pro Quadratzentimeter

Eine Studie unter der Leitung des Mikrobiologen Prof. Dr. Markus Egert von der Hochschule Furtwangen untersuchte die Mikroflora von Brillen. Egert ist bekannt für seine Untersuchungen zur Keimbelastung von Alltagsgegenständen. Für die Untersuchung wurden insgesamt 31 Brillen an je sieben Stellen (Rahmen, Nasenpolster, Gläser) mit Tupfern beprobt und nach der Anzucht auf Nährmedien die vorhandenen Bakterien untersucht. 21 Brillen stammten von Studierenden und Mitarbeitern der Hochschule Furtwangen, zehn von Bewohnern eines Altenheims. „Alle untersuchten Brillen waren bakteriell besiedelt“, erläutert Prof. Dr. Markus Egert in einem Statement. „Am stärksten an Stellen mit direktem Hautkontakt wie Ohrbügel und Nasenpolster. Die geringste Keimdichte fand sich auf den Gläsern.“ Gemessener Spitzenwert waren 660.000 Bakterien/cm2 auf einem Nasenpolster.

Mehr Bakterien bei älteren Menschen
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Im Mittel über alle Stellen waren die Hochschul-Brillen nicht stärker besiedelt als die Altenheim-Brillen: Auf den Gläsern der Altenheim-Brillen wurden aber deutlich mehr Bakterien als auf den Hochschul-Brillen nachgewiesen (230 Bakterien/cm2 gegenüber 40 Bakterien/cm2). Eine mögliche Erklärung dafür: Die altersbedingte Sehschwäche der Seniorenheimbewohner fördert die Verkeimung der Gläser, weil sie diese seltener reinigen, denn Fingerabdrücke oder ähnliche Verschmutzungen auf den Gläsern fallen ihnen weniger auf. Auf den Altenheim-Brillen zeigte sich zudem eine höhere Vielfalt an Bakterien (zehn Gattungen im Gegensatz zu zwei Gattungen auf den Hochschul-Brillen). Dazu passt: Auch die Hautflora wird mit zunehmendem Alter vielfältiger.

60% der Bakterienarten sind potentiell gesundheitsschädlich

Identifiziert wurden vor allem typische Haut- und Schleimhautbakterien, vor allem der Gattung Staphylococcus. Der Anteil an potentiell pathogenen, also potentiell gesundheitsschädlichen Bakterienarten lag bei rund 60%. Diese Bakterien können vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem Krankheiten auslösen. Es wurden auch Auslöser von Augenerkrankungen wie Bindehautentzündung oder Endophthalmitis gefunden, etwa Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus hominis und Staphylococcus aureus. Von diesen Arten sind auch Antibiotika-resistente Varianten bekannt.

Brillen richtig reinigen

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Mit standardisierten Reinigungs-Tests wurde schließlich gezeigt, dass sich durch Abreiben von Gläsern und kompletten Brillen mit feuchten Brillen-Reinigungstüchern eine Keimreduktion um 94 – 99% erreichen lässt. Dabei wurden auch Reinigungstücher mit einer alkoholfreien Reinigungslösung getestet, die schonender zu Gestellen aus Kunststoff ist. Eine trockene Reinigung war weniger effektiv beim Entfernen von Keimen und erzielte 85 – 90% Reduktion. „Die Studie zeigt deutlich, dass Brillen als Keimträger fungieren“, wertet Prof. Dr. Markus Egert. In weiteren Studien soll gezeigt werden, ob Zusammenhänge zwischen der Brillenflora und wiederkehrenden Augeninfektionen bestehen können, also ob eine Brille als eine Art Erreger-Reservoir fungieren kann. Weiterhin soll untersucht werden, ob Brillen auch Verstecke für Antibiotika-resistente Keime wie MRSA (Multi-resistenter Staphylococcus aureus) sein können, insbesondere im klinischen Umfeld. „Für gesunde Menschen stellt ihre Brille sicher kein besonderes Infektionsrisiko dar“, beruhigt Prof. Dr. Markus Egert. „Bei häufig wiederkehrenden Augeninfekten oder einer nötigen MRSA-Sanierung sollte aber auch an eine Desinfektion der Brille gedacht werden.“