Gesundheit

Burnout im Alltag oder Beruf: 10 Alarm-Signale

Leidet man beruflich oder privat unter Dauerstress, kann dies zu einem gefährlichen Ungleichgewicht führen./ Bild: Fotolia
Burnout im Alltag oder Beruf: 10 Alarm-Signale
Paulin Klärner

Wie erkenne ich, dass ich in ein Burnout schlittere? Diese Frage ist relativ schwer zu beantworten, da sich das sogenannte „Ausgebranntsein“ von Person zu Person ganz unterschiedlich äußern kann. Wir haben uns das Burnout-Syndrom genauer angesehen und 10 Punkte zusammengefasst, die darauf hindeuten können, dass man sich körperlich und psychisch in einem gefährlichen Ungleichgewicht befindet.

Was bedeutet „Burnout“?

In den 1970er Jahren wurde die Erkrankung erstmals durch den Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger thematisiert, der bei sich selbst und Kollegen Symptome der körperlichen und seelischen Erschöpfung und Überforderung durch zu viel Stress beobachtete. Die amerikanische Psychologin und Burnout-Expertin Christina Maslach definiert das Ausgebranntsein mithilfe von 3 Hauptkriterien: 1. Emotionale Erschöpfung 2. Depersonalisierung (Entfremdung von Gewohntem) und 3. eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Besonders erwähnenswert ist bei der Definition des Syndroms auch, dass es keineswegs nur im Berufsalltag auftreten kann – so können laut Experten auch Eltern, Studenten und sogar Schüler durch zu viel Druck ausbrennen. Grundsätzlich alamierend sind hierbei Gedanken wie „Ich kann nicht mehr“, „Wie soll ich das alles schaffen?“ oder „Das macht alles keinen Sinn mehr“ – unabhängig davon, ob es sich dabei um den Job, die Familie oder die Ausbildung handelt.

Laut Statistik trifft die Erkrankung besonders häufig Menschen, die sich durch starken Ehrgeiz und den Drang, alles außerordentlich gut machen zu müssen, auszeichnen. Eine 2017 durchgeführte Studie der Allianz-Versicherung zum Thema „Wie gestresst ist Österreich?“ zeigt, dass sich 39% der befragten Arbeitnehmer durch beruflichen Stress im Alltag eingeschränkt fühlen und quasi jeder 4. Österreicher auf ein Burnout zusteuert.

10 häufige Burnout-Symptome

1. Chronische Überbelastung
Das Gefühl, pausenlos unter (Leistungs-)Druck zu stehen und – selbst in entspanntem Kontext, wie mit Freunden oder abends Daheim am Sofa – nicht mehr zu Ruhe kommen zu können ist eines der ersten Anzeichen für ein sich anbahnendes Ausbrennen.

2. Der Gedanke „Ich muss“
Das zwanghafte Gefühl, sich beweisen zu müssen, quasi gar keine andere Wahl zu haben und dabei die eigenen Grenzen zu ignorieren, ist ein weiteres ernstzunehmendes Warn-Signal.

3. Vergessen oder Ignorieren der eigenen Bedürfnisse.
Wenn man die eigenen Bedürfnisse dauerhaft hinten anstellt und sich keine Zeit dafür nimmt, Körper und Seele etwas Gutes zu tun, sich zu entspannen, kurz gesagt, sich auch mal um sich selbst zu kümmern, kann dies der Anfang eines ernstzunehmenden psychischen Ungleichgewichts sein.

4. Der Gedanke „Ohne mich geht nichts“
Das Gefühl, dass im Job oder in der Familie ohne dich alles in die Brüche gehen würde und das Wohlbefinden aller Beteiligten von deiner Performance abhängig sind, ist ein Indiz dafür, dass man beginnt, sich selbst maßlos zu überfordern.

5. Konzentrationsprobleme
Wenn man plötzlich nicht mehr die Leistung bringen kann, die man von sich selbst gewohnt ist, einem Dinge, die man früher mit Links geschafft hat unglaublich schwer fallen und die Konzentrations- und Kreativitäts-Fähigkeit nachlassen ist es höchste Zeit, einen Gang herunterzuschalten.

6. Verdrängung von Problemen
Es wird alles zu viel, man beginnt, Fehler zu machen, das private und berufliche Leben leiden eindeutig unter der ständigen Überforderung – man ignoriert und verdrängt jene Warn-Signale aber einfach und erwischt sich immer wieder dabei, sich mit „schlimmeren Fällen“ zu vergleichen und den Dauerstress einfach herunterzuspielen? Höchste Zeit, zu reflektieren und den Tatsachen ins Auge zu blicken.

7. Rückzug
Menschen und Dinge, die einem immer wichtig waren, verlieren plötzlich an Bedeutung – der Stress-Faktor wird zum Lebensmittelpunkt und nimmt den ganzen Raum ein. Hierbei neigen Betroffene auch oft zu Ablenkung und Betäubung durch Rauschmittel und übermäßigem Konsum im Allgemeinen, um die Leere, die durch das Wegfallen von Hobbys und echter sozialer Interaktion entsteht, auszugleichen.

8. Depression, Angst und Panikattacken
Vollkommene Überforderung, Hoffnungslosigkeit und das Gefühl, „dass jetzt einfach gar nichts mehr geht“ sind bereits eindeutige Hilferufe von Körper und Seele, so schnell wie möglich etwas an dem Ist-Zustand zu ändern.

9. Körperliche Symptome
Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Schlafstörungen, ständige Müdigkeit oder immer häufigeres Krankwerden können ebenfalls auf eine psychische Überbelastung hinweisen.

10. Sinnlosigkeit
Das Gefühl, dass alles keinen Sinn mehr macht, die Frage, wozu man sich so bemüht und das Empfinden einer inneren Leere weisen darauf hin, dass man mit seinen Lebensumständen heillos überfordert ist.

Diagnose und Vorbeugung

Eine tatsächliche Diagnose eines Burnouts kann nur ein Psychologe oder ein in diesem Bereich ausgebildeter Hausarzt stellen. Sollten die oben erwähnten und ähnliche Symptome auf ihren Zustand zutreffen, ist es ratsam, einen Experten aufzusuchen. Erste Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen ist bei dieser, wie auch bei anderen psychischen Erkrankungen das A und O. Um dies zu bewerkstelligen, ist es wichtig, aufmerksam durchs Leben zu gehen, auf sich selbst und seine Bedürfnisse zu achten, sich genügend Auszeiten zu gönnen und die Signale seines Körpers ernstzunehmen.

Die Psychologin Dr. Karin Kaiser-Rottensteiner meint hierzu im Rahmen ihres Seminars „Ausbrennen – Nein, danke!“: „Das mehr als 800 Jahre alte Zitat „Gönne Dich Dir selbst!“ des Theologen Bernhard von Clairvoux bringt den Auftrag der Selbstfürsorge exzellent auf den Punkt. Ganz allgemein ist damit ein achtsamer, liebevoller und mitfühlender Umgang mit sich selbst gemeint, der sich auf das Wahrnehmen und auf das Ernstnehmen der eigenen Bedürfnisse gründet. Es geht insbesondere darum, eigene Erholungsbedürfnisse wahrzunehmen und ernst zu nehmen, sich selbst etwas Gutes zu tun und zu gönnen, sich um das eigene Wohlbefinden zu kümmern und auf regelmäßige Entspannung und auf Genuss im Alltag zu achten.“