Familie

Burnout in der Volksschule? Immer mehr Kinder leiden an Erschöpfungszuständen

Laut Experten leiden immer mehr Kinder an Belastungsstörungen - hervorgerufen durch ständige Überforderung./ Bild: Fotolia
Burnout in der Volksschule? Immer mehr Kinder leiden an Erschöpfungszuständen
Paulin Klärner, BA

Versagensängste, Stresszustände, häufiges Krankwerden, das Gefühl, dass alles zu viel wird – diese Symptome plagen laut Psychologen längst nicht mehr nur erwachsene Menschen. Auch immer mehr Kinder sollen mittlerweile an Burnout-ähnlichen Symptomen, also unter Überlastung und dem Druck, immer funktionieren zu müssen, leiden. Von der richtigen Kinderkrippe über den passenden Kindergarten, der effektivsten Nachmittagsbetreuung, dem Klavierunterricht und Fußballtraining, bis hin zu den Hausaufgaben, die abends erledigt werden müssen, weil davor einfach die Zeit fehlt – viel zu oft wird bereits kleinen Kindern ein harter Stundenplan aufgebrummt, der wenig Zeit zur kindlichen Entfaltung lässt. Das Ergebnis: Erschöpfte und überforderte Kinder, denen in einer Zeit, in der sie eigentlich in Ruhe die Welt um sich kennenlernen sollten, die Energie für diese wichtige Entwicklungsphase fehlt.

Perfektion und Optimierung in einer schnelllebigen Welt

„Der moderne Mensch betreibt in unserer beschleunigten Gesellschaft nicht selten doppelten Raubbau – an seinen körperlichen wie auch an seinen seelischen Ressourcen“, und jenen der Kinder, so Psychologin und Elternberaterin Dr. Kaiser-Rottensteiner. „Das Beste herausholen“, „Kinder auf möglichst hohem Niveau unterbringen“, „Keine Talent-Phase verschlafen“, „Durchbeissen – es zahlt sich aus!“  seien Sätze, die man von Eltern heutzutage immer öfter höre. Jene meinen es aber keinesfalls böse – wollen sie doch nur eine erfolgreiche Zukunft für ihre Kinder. Was zu viel Stress und zu wenig Freizeit mit heranwachsenden Menschen anstellt ist laut Experten allerdings alles andere als erstrebenswert. Laut einer deutschen Studie laufen bereits rund ein Fünftel der 3- bis 17-Jährigen Gefahr, psychisch auffällig zu werden. Laut der österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Präventivpsychologie (APP) sind heutzutage bereits zahlreiche Schüler von chronischem Schulstress betroffen. Prof. Dr. Michael Schulte-Marktwort, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Autor des Bestsellers „Burnout-Kids“, schreibt hierzu: „65 Prozent der Schüler sagen, sie schafften die Hausaufgaben nur mithilfe der Eltern (…) Das ist ein Skandal“. Zwar ist die Diagnose „Burnout“ bei Kindern in Fachkreisen umstritten, abgesehen von der Bezeichnung ist man sich jedoch weitgehend einig, dass viele Kinder mit Schul- und Freizeitstress maßlos überfordert sind.

Woran merkt man, dass Kinder überfordert sind?

Laut Dr. Kaiser-Rottensteiner weisen unter anderem Symptome „Unruhezustände, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, überaktives Verhalten, aggressives Verhalten, Weinerlichkeit, psychosomatische Symptome wie Bauchschmerzen und Kopfschmerzen und nervöse Auffälligkeiten wie etwa Nägelbeißen und Daumenlutschen“  bei Kindern auf eine Überlastung hin. Besonders wichtig sei es, Kindern zusätzlich zur Stressreduktion immer wieder zu vermitteln, dass sie gut sind, so wie sie sind und keine Leistung erbringen müssen, um wertgeschätzt und angenommen zu werden.

Kinder einfach SEIN lassen

Die meisten Eltern sind sich laut Experten nicht darüber im Klaren, dass sie ihre Kinder überfordern. Besonders wichtig sei, dass man seinen Kindern Zeit zum selbst gestalten lasse. Zwar sind Fußballtraining und Geigenunterricht förderlich, Zeit zum Spielen, Entdecken und bewusstem Erleben der Umwelt im eigenen Tempo und nach den eigenen Vorstellungen der Kinder, sowie genügend Zeiten für (Eltern-Kind-)Beziehungserfahrungen sind laut Dr. Kaiser-Rottensteiner jedoch die Basis für eine gelungene kindliche Entwicklung.