Erziehung

Das ersehnte Handbuch für jedes Erziehungsdilemma

Kommunikation statt Bevormundung hilft der Entwicklung des Kindes. /Bild: Fotolia
Das ersehnte Handbuch für jedes Erziehungsdilemma
Catharina Kaiser

Nun mal ehrlich: Man kann sich als Eltern noch so viel Mühe geben – doch um ein gelegentliches Erziehungsdilemma, Wutanfälle und Diskussionen kommt man nicht herum. Nur ein falsches Wort, eine unüberlegte Handlung und da ist schon das Geschrei, stets begleitet von großen Krokodilstränen – Ein Fakt, der nahezu jedem Elternteil die Nerven rauben kann. Wie schön wäre es also, wenn es einen Ratgeber gäbe, der einem genau bei diesem Erziehungsdilemma helfen könnte? Genau dies haben sich die beiden Psychotherapeuten Heather Turgeon und Julie Wright auch gedacht und mit Now say this genau diesen Elternratgeber entwickelt. 

Erziehungsdilemma lieber taktisch lösen

Im Buch finden Eltern eine perfekte Anleitung für etwas, das die Autoren als dreistufigen Disziplinarprozess bezeichnen. Das Versprechen? Mit dieser Taktik soll nahezu jedes Erziehungsdilemma überstanden werden. Den Kern dieser Taktik bildet das so genannte ALP-Modell, was Abstimmung, Limit setzten und Problemlösung bedeutet. „Diese Taktik ermöglicht es Eltern, schwierige Konflikte mit Freundlichkeit zu führen, ohne dabei auf klare und konsequente Grenzen oder Regeln zu verzichten“, so die Autoren. Es geht allerdings nicht um eine strikte Bevormundung, wie es zunächst vielleicht klingen möge. Viel mehr soll dadurch erreicht werden, Kinder dazu zu bringen, die beste Wahl zu treffen und zeitlich die momentan schwierige Situation zu lösen. Das hilft nicht nur kurzfristig, sondern bringt auch langfristige Vorteile mit sich. „Unsere Erfahrung und jahrzehntelange Forschung zeigen, dass Kinder – sofern sie empathisch und konsequent handeln – eher einen natürlichen Sinn für „richtig“ und „falsch“ entwickeln“, erklärt Julie Wright. Sie werden also nicht nur dann richtig handeln, wenn gerade jemand auf sie aufpasst oder sie Angst haben, sondern nahezu immer. Das ALP-Modell kann zudem für alle Arten von Erziehungsproblemen verwendet werden. Ob es sich nun um eine normale Diskussion, die Debatte um die Schlafenszeit oder andere Argumente handelt. 

Verständnis vermitteln

Droht man wieder in ein Erziehungsdilemma im Supermarkt, Zuhause oder am Spielplatz zu schlittern, ist es wichtig, dem Kind Verständnis zu vermitteln. Seine eigene Sache durchzuziehen, wird nämlich nicht viel helfen. Auch wenn Erwachsene im Moment den Unmut des Kindes nicht verstehen können oder es albern finden, ist es für das Kind durchaus real. Als Elternteil hat man zunächst die Aufgabe, dem Kind zu vermitteln, dass man seinen Unmut versteht und die Situation nachvollziehen kann. Im Anschluss muss dieses Einfühlen jedoch mit dem Aufstellen von Regeln erweitert werden.  Das Kind muss also auch lernen, die Situation der Eltern verstehen zu können. Um das Dilemma zu lösen, wäre es etwa nützlich, Kompromisse zu finden. In diesem Fall werden sowohl Verhalten als auch Denkweise des Kindes sanft gelenkt, ohne streng eingreifen zu müssen. Empathie als wichtigen Punkt der Erziehungsmethode zu machen, ist somit unglaublich wichtig. Dadurch wird einem Kind vermittelt, dass seine Eltern da sind, um zu helfen und nicht, um zu schimpfen oder zu tadeln. 

Kommunikation ist das A und O

Es ist für jeden ein kleiner Schock: Der Moment, in dem man zum ersten Mal wie seine Eltern klingt und mehr oder minder die genau dieselben Sätze von sich gibt. Fast so, als würde man in der Zeit zurückgeworfen werden und sich selbst als Kind zuhören. Gerade in schwierigen Situationen kann das schnell passieren.Laut Experten sind jedoch genau diese Aussagen wahre Trigger und können das momentane Erziehungsdilemma nur noch verstärken. Hier ein kleiner Auszug jeder Formulierungen, die man sich als Elternteil lieber verkneifen sollte, wenn man wieder etwas schief läuft:

  • „Aufstehen, dir fehlt nichts!“
  • „Wie oft habe ich dir gesagt, dass du das nicht tun sollst?“
  • „Ich habe genug davon!“
  • „Warum hörst du nicht zu?“
  • „Wenn du das jetzt nicht sein lässt, gibt es heute Nacht kein Nachtisch!“
  • „Hör auf zu weinen, du benimmst dich wie ein Baby!“
  • „Weil ich es gesagt habe!“

Besonders bei letzterem Satz könnte sich der ein oder andere vielleicht ertappt fühlen, oder sich sogar selbst an die eigene Kindheit zurückerinnern. Auch wenn die Sätze vermutlich zu den häufigsten Aussagen zählen, werden sie die Situation nur verschlimmern. Daher sollten sie tatsächlich um jeden Preis vermieden werden – Auch wenn sie einem auf der Zunge liegen. Sie vermitteln nämlich einzig und alleine, dass man die Situation als Elternteil nicht ernst nimmt. Dies könnte auf lange Sicht zu ernsthaften Kommunikationsprobleme führen. Eine gute Kommunikationsbasis ist allerdings der wahre Schlüssel zu einer guten Erziehung, sowie einer gesunden Bindung zwischen Eltern und Kindern. „Das langfristige Ziel ist, dass Kinder ihre Gefühle und Probleme in Worte fassen und ihre Lage verdeutlichen können. Sie sollen sich dabei sicher und wohlfühlen, nicht Angst haben, dass sie dadurch Probleme bekommen“, so die Autoren. Ein ehrlicher Dialog, der von beiden Seiten ernst genommen wird, ist somit die beste Lösung. Völlig unabhängig davon, ob man mit seinem Kind oder mit einem Erwachsenen spricht. Denn Empathie ist ansteckend und der ideale Weg, um selbst das lästigste Erziehungsdilemma lösen zu können.