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Der europäische Mann produziert immer weniger Spermien

Forscher diskutieren, was die Ursache dafür ist ! /Bild: Fotolia
Der europäische Mann produziert immer weniger Spermien
Trixi Kouba

Männer in Europa, Australien und Neuseeland produzieren immer weniger Spermien. Die Anzahl der Spermazellen sank in den letzten 40 Jahren um 50 Prozent. Bis jetzt ist kein Ende des Rückgangs in Sicht. Forscher rätseln um den Grund.

Millionen von Spermien kämpfen bei der Befruchtung um den ersten Platz, aber nur einer kann das Rennen machen. Der glückliche Gewinner darf die Eizelle befruchten und neues Leben schenken. Der Rest stirbt erfolglos ab. Ist es wirklich schlimm, wenn heutzutage ein paar weniger beim Wettlauf mitschwimmen? In einer Metaanalyse untersuchten Forscher aus den USA, Brasilien, Dänemark, Israel und Spanien 185 Studien zwischen 1973 und 2011. Sie erkannten einen Rückgang in männlichen Spermien in Europa, Australien und Neuseeland. In Südamerika, Asien und Afrika war davon hingegen nichts zu sehen. In diesen Gebieten gab es aber auch nicht viele Studien, auf die die Wissenschaftler zurückgreifen konnten. Für die Studie untersuchten Forscher das männliche Ejakulat unter dem Mikroskop. Bei der Spermakonzentration zeigte sich ein Rückgang von über 50 Prozent, bei der totalen Anzahl der Spermien sogar eine Verringerung um 60 Prozent. Die Spermienkonzentration beschreibt die Anzahl der Spermien pro Milliliter.

Rauchen, Stress, Übergewicht & Pestizide

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Der Studienleiter, Dr. Hagai Levine, sieht die Studie als Weckruf zur Erforschung der Auslöser. Die Untersuchung analysierte nicht die Gründe für die erhebliche Veränderung. Ältere Studien erkannten aber einen Zusammenhang zwischen einer geringeren Spermienproduktion und bestimmten Chemikalien wie Pestiziden, Rauchen, Stress und Übergewicht. „Die Tatsache, dass der Rückgang in westlichen Ländern so stark ist, lässt vermuten, dass kommerzielle Chemikalien eine Rolle in diesem Trend spielen“, so Dr. Shanna H. Swan, Professorin für Umweltmedizin und öffentliche Gesundheit in New York. Dr. Harry Fisch, der nicht in die Studie involviert war, zieht eine Temperaturveränderung als Auslöser in Betracht, wie er CNN berichtete. Der einzige Umweltfaktor, der unumstritten wäre, und „bekannt dafür ist, Spermien zu beeinflussen, ist eine Veränderung der Temperatur“, so Fisch, der selbst in diesem Gebiet forscht. Die Spermienanzahl variiere bekanntlich zwischen den Jahreszeiten und dem Klima. „Ich glaube, die Klimaerwärmung, und nicht Phthalate, sind verantwortlich“ für die beobachtbaren Verringerungen. Phthalate  sind Kunststoffweichmacher und finden sich in einer breiten Vielfalt an Produkten. Sie werden weltweit in riesigen Mengen hergestellt. Der Mensch nimmt sie mit seiner Nahrung und beim Atmen auf, wo sie gesundheitsgefährdend auf den Hormonhaushalt wirken.

„Besorgniserregende“ Unfruchtbarkeit

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Die Studie zeigt nicht nur, dass die Anzahl an unfruchtbaren Männern stetig zunimmt. Sie zeigt auch, dass ernsthafte Gesundheitsrisiken beim Menschen bestehen. Der hohe Anteil an Männern in westlichen Ländern mit einer Spermienkonzentration von unter 40 Millionen pro Milliliter ist „besorgniserregend“, schrieb Levine zusammen mit seinen Kollegen. Denn wissenschaftliche Belege zeigen, dass eine Spermienkonzentration darunter mit einer „verringerten Wahrscheinlichkeit für eine Empfängnis“ einhergeht. Jeder Mann kann versuchen Chemikalien zu vermeiden, indem er nicht raucht, sich gesund ernährt, sein Gewicht im positiven Rahmen hält und Stress reduziert, rät Levine.