Familie

Der „Schwiegermutter-Effekt“ verhindert Nachwuchs

Wer mit seiner Schwiegermutter oder Mutter in einem Haushalt lebt, bekommt weniger Kinder. /Bild: Fotolia
Der „Schwiegermutter-Effekt“ verhindert Nachwuchs
Trixi Kouba

Wer mit seiner Schwiegermutter oder Mutter in einem Haushalt lebt, bekommt weniger Kinder. Wieso die Schwiegermutter als natürliches Verhütungsmittel funktioniert, untersuchten Wissenschaftler der Uni Wien in einer länderübergreifenden Studie.

Von Malawi über Thailand bis zum Irak – Wiener Forscher werteten Daten von fast 2,5 Millionen verheirateten Frauen aus 14 Ländern zwischen 15 und 34 Jahren aus. Es zeigte sich: Mit Ausnahme des Iraks lebt die Mehrheit der Frauen in allen Ländern nur mit ihrem Ehemann in einem Haushalt zusammen. Leben aber Mutter oder Schwiegermutter ebenfalls im Haushalt, bekommen junge Frauen 20 bis 25 Prozent weniger Kinder. Vor allem die Präsenz der eigenen Mutter der Frau hat Auswirkungen auf die Anzahl der Kinder. Lebt eine Frau mit ihrer eigenen Mutter zusammen, ist die Anzahl der Kinder noch geringer als wenn sie mit ihrer Schwiegermutter zusammenlebt.

Kampf um Ressourcen

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Was ist der Grund für den sogenannten „Schwiegermutter-Effekt“, der keine neue Überraschung in der Forschung ist? Viele Punkte könnten als Ursache herangezogen werden. Eine These der Forscher nennt sich „Ressourcen-Konkurrenz“, bei der es sich um einen Konkurrenzkampf um die Ressourcen zwischen den Familienmitgliedern handelt. Denn auch Entwicklungsländer waren in den Analysen enthalten. In Haushalten mit drei Generationen können Großmütter und Großväter mehr zu Konsumenten als Produzenten werden, erklärten die Wissenschaftler.

Wenn junge Omas noch fruchtbar sind

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Die zweite These dreht sich ebenfalls um Konkurrenz: Der Konkurrenz um Fortpflanzung. Das bedeutet anders gesagt: Großmütter, die selbst noch fruchtbar sind, sorgen sich mehr um das Wohl ihrer eigenen Kinder als das der Enkelkinder. Diese These begründet auf der Beobachtung, dass der „Schwiegermutter-Effekt“ größer wird, je jünger die Großmutter im Haushalt ist. Eine weitere Interpretationsmöglichkeit wäre die Schwiegermutter als „Wachhund“: Die Mutter des Ehemanns beobachtet ihre Schwiegertochter sehr aufmerksam und funktioniert als „beobachtende Instanz“. Sie reduziert die Möglichkeit des Betrugs und sorgt damit dafür, dass ihren Söhnen keine Kuckuckskinder untergejubelt werden.

Einkommen und Bildung irrelevant

Mit Einkommen oder Bildung soll das Phänomen nichts zu tun haben. Diese Faktoren hat das Team rund um den Anthropologen Martin Fieder herausgerechnet. Österreich oder Deutschland waren nicht in der Analyse der 14 Länder enthalten. Ältere Studien konnten allerdings zeigen, dass auch in Österreich weniger Kinder geboren werden, wenn die Schwiegermutter oder Mutter im Haushalt wohnt.