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Toxische Menschen sind erfolgreicher

Macht sich Unehrlichkeit im Job bezahlt? /Bild: Fotolia
Toxische Menschen sind erfolgreicher
Catharina Kaiser

Toxische Menschen sind überall und in vielen Fällen ist es gar nicht so einfach von ihnen loszukommen. Zum einen weil sich dieser Charakter erst schleichend bemerkbar macht, zum anderen weil es gewisse Umstände manchmal nicht zulassen. Während toxische Partner beispielsweise zwar durchaus problematisch sind, kann man sich noch leichter von ihnen lösen, als etwa von einem toxischen Chef. Letzteres führt nämlich dazu, dass man völlig gestresst und übermüdet ist, weil man sich mit Bergen von Aufgaben konfrontiert sieht und das Gefühl hat, niemals fertig zu werden. Hinzu kommt, dass toxische Menschen im Arbeitsumfeld ihre Aggressivität und Feindseligkeit in Form ständiger Forderungen und Drohungen auslassen und dabei andere in Angst versetzen, dass sie ihren Job verlieren würden sofern sie sich beschweren oder widersprechen. Die Macht toxischer Menschen kann groß sein und darüber sind sie sich auch durchaus bewusst. Da stellt sich vielen doch die berechtigte Frage, wie toxische Menschen an die Spitze der Karriereleiter kommen und warum es ihnen oft so leicht zu gelingen scheint. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass der Schlüssel zu ihrem „Erfolg“ in ihrer Persönlichkeit und ihrer Fähigkeit zum Impressionsmanagement liegt.

Haben es toxische Menschen leichter?

Klaus Templer von der University of Singapore ergründete in seiner Studie die Art und Weise, wie toxische Menschen es an die Spitze schaffen und oftmals besonders erfolgreiche Karrieren führen. Ihre Toxizität ist vielleicht zunächst nicht offensichtlich, doch sobald sie damit beginnen, die Karriereleiter hochzuklettern, sind sie nur schwer zu stoppen. Vor allem ihr Drang, sich einfach über Mitmenschen hinwegzusetzen, führt dazu, dass sie Erfolg haben. Die Persönlichkeitszüge, aus denen die „Dunkle Triade“ besteht, werden nach Tempers Ansicht zum Kern der toxischen Persönlichkeit. Dazu gehören die Tendenz, andere Menschen auszubeuten (Machiavellismus), wenig Mitgefühl für ihre Mitmenschen zu haben (Psychopathie) und in verstärktem Ausmaß den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu suchen (Narzissmus). Diese toxische Dreifaltigkeit wurde bereits in einer Vielzahl von Kontexten untersucht, einschließlich den Arbeitsumfeldern, in denen toxische Mitarbeiter mit allen drei Facetten definiert wurden. Templer glaubt jedoch, dass es nur eine zentrale Eigenschaft benötigt, um den Kern des toxischen Mitarbeiters zu definieren: das untere Ende der „Ehrlichkeits-Demut“ -Dimension. Es gibt eine Reihen von Beweisen dafür, dass ein niedriges Level von Ehrlichkeit einen enormen Einfluss hat, um Merkmale wie Egoismus, Materialismus, unethische Entscheidungen am Arbeitsplatz, Kriminalität und kontraproduktives Verhalten am Arbeitsplatz und Mangel an Integrität zu entstehen zu lassen.

Politische Fähigkeiten als Erfolgsgeheimnis

Toxische Menschen sind egoistisch, rachsüchtig, betrügerisch und nur selten ehrlich. Da  könnte man doch meinen, dass diese kontraproduktiven Tendenzen ihre Chancen auf Erfolg am Arbeitsplatz einschränken würden. Doch paradoxerweise werden einige dieser toxischen Individuen für ihre fragwürdige Persönlichkeit mit Spitzenpositionen belohnt. Das könnte laut Templer an den politischen Fähigkeiten liegen, die toxische Menschen gerne haben. Dazu zählen beispielsweise soziale Kompetenz, Vernetzungsfähigkeit und Scharfsinnigkeit. In Tempers Modell sind Menschen mit dunklen Persönlichkeiten und diesen Fähigkeiten in der Lage, höhere Leistungsbewertungen von ihren Vorgesetzten zu erzwingen. Je weniger Ehrlichkeit und Demut jemand besitzt, desto höher wird er in Bezug auf politische Fähigkeiten eingeschätzt. Vor allem wenn die Bewertung von Vorgesetzten durchgeführt wird. Dass toxische Menschen so oft auf der Karriereleiter an einem vorbeiklettern muss also nicht bedeuten, dass sie tatsächlich besser in ihrem Job sind – sie holen sich einfach nur was sie wollen.