Gesundheit

Einschlafen – auch wenn die Schäfchen weiter laufen

Ein guter und erholsamer Schlaf ist gar nicht so einfach zu erreichen ! /Bild: Fotolia
Einschlafen – auch wenn die Schäfchen weiter laufen
Catharina Kaiser

Schafe zu zählen ist bekanntlich eine Möglichkeit um schnell einschlafen zu können, doch was wenn die Schäfchen einfach munter und fröhlich weiter hüpfen? In manchen Nächten hat es den Anschein, also würde der Schlaf ewig auf sich warten lassen. Eine besondere Ironie liegt dann auch noch in der Tatsache, dass Kinder, die ja schon einschlafen sobald der Kopf das Kissen berührt, am liebsten nie ins Bett wollen, Erwachsene, die alles für einen guten Schlaf tun würden, scheinbar nie genug davon bekommen. Denn selbst wenn man es schafft 8 Stunden lang im Bett zu liegen, so dauert es immer noch eine Weile bis man tatsächlich einschlafen kann. Wer sich dann auch noch um das Einschlafen sorgt, oder darum wie lange es wohl dauern wird, macht es sich nochmal schwerer. Tricks um dieses Problem zu vermeiden gibt es ja viele – ob Meditation, weißes Rauschen oder andere entspannende Aktivitäten. Allerdings führen diese nicht bei jeder Person zum erfolgreichen Einschlafen. Sofern die eigene Trickkiste schon ausgeschöpft wurde und das Gehirn immer noch auf Hochtouren läuft, könnte eine neue Technik klappen, die kürzlich im Journal of Experimental Research veröffentlicht wurde.

Die beste Routine vor dem Einschlafen

Es ist kein Geheimnis, dass Angst und Stress den Schlaf stören können und Menschen stundenlang wachliegen lassen. In den meisten Fällen wird dann nämlich darüber nachgedacht was man am Tag alles nicht geschafft hat, was noch erledigt werden muss, dass die Lampe im Kühlschrank kaputt ist, die Wäsche endlich gewaschen werden muss und man doch eigentlich einen anderen Berufsweg hätte wählen sollen. Alles in allem entwickelt man eine unendlich lange To-Do Liste in Kombination mit einer ebenso langen Liste an was-wäre-wenn Szenarien. Und ehe man sich versieht, läutet auch schon der Wecker. Aus diesem Grund untersuchten Psychologen der Baylor University eine neue Methode, die das Problem mit dem Einschlafen lösen sollte. Im Rahmen einer Studie überwachten sie die Schlafmuster von 57 Menschen zwischen 18 und 30 Jahren. Bevor die Teilnehmer zu Bett gingen, wurden sie allerdings gebeten ein fünfminütiges Journal zu schreiben. Der einzige Unterschied zwischen beiden Studiengruppen lag in der Art und Weise wie das Journal verfasst werden sollte. Während die erste Gruppe eine Liste mit erledigten Punkten aufschrieb, also mit allem was sie in den letzten Tagen erreicht hatten, schrieb die zweite Gruppe eine To-Do-Liste. Während die Teilnehmer schliefen, sammelten die Forscher Daten über ihre Augenbewegungen und Gehirnwellenaktivitäten. Bei der Auswertung stellten die Forscher fest, dass jene Studienteilnehmer, die zuvor eine To-Liste verfasst hatten, um 9 Minuten schneller eingeschlafen waren. Je länger und spezifischer diese To-Do-Listen waren, desto schneller waren sie eingeschlafen. Eine Liste mit erledigten Aufgaben, führte hingegen zu einem längeren Einschlafprozess.

Zwischen Tagebüchern und To-Do Listen

„Um das Einschlafen zu erleichtern, könnte es daher von Vorteil sein, vor dem Schlafengehen fünf Minuten lang eine ganz bestimmte To-Do-Liste zu schreiben, anstatt über abgeschlossene Aktivitäten nachzudenken“, so die Forscher. Laut Studienleiter Micheal Scullin reicht es allerdings nicht aus, diese To-Do Liste einzig und alleine im Kopf durchzugehen. Es ist der Akt des Niederschreibens, der Menschen dabei hilft Sorgen und Ängste loszuwerden und vermeidet das Dasein als Wiederkäuer. Damit wird in der Psychologie die Problematik beschrieben, dass Gedanken oder Szenarien immer und immer wieder im Kopf durchgespielt werden. Angesichts der Tatsache, dass Millionen von Menschen regelmäßige Probleme mit dem Einschlafen erleben, ist es kaum verwunderlich, dass sich ein solch großes Forschungsgebiet daraus entwickelt hat. Immerhin ist ausreichend Schlaf wohl das wichtigste um die körperliche als auch mentale Gesundheit zu erhalten. Unmengen an Studien wurden bereits zu diesem Thema veröffentlicht und noch mehr Techniken um das Einschlafen zu erleichtern wurden überprüft. Was schlussendlich allerdings wirklich hilft, muss jeder für sich heraus finden. Wer beispielsweise kein Fan von Journal schreiben ist, kann sich vielleicht mit einer heißen Dusche vor dem Schlafengehen anfreunden, oder empfindet Socken zu tragen als angenehm. Eben so wenig geht die Welt unter, wenn man elektronische Geräte aus dem Schlafzimmer verbannt – all die Nachrichten werden auch morgen noch da sein. Der einzige Unterschied ist nur, dass man sie am nächsten Morgen dann hellwach lesen kann.