Familie

Erste Schwangerschaft verändert Gehirn längerfristig

Schwangerschaft beeinflusst nicht das Gedächtnis sondern die Gehirnstruktur einer Frau ! /Bild: Fotolia
Erste Schwangerschaft verändert Gehirn längerfristig
Trixi Kouba

Eine Schwangerschaft verändert nicht nur den Alltag der frischgebackenen Mütter, sondern auch deren Gehirnstruktur. Wie eine neue Studie zeigt, verringern sich die grauen Zellen längerfristig in bestimmten Bereichen des Gehirns, um die Fürsorge für das Kind zu stärken.

Veränderung mindestens 2 Jahre lang

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In der Studie wurde mit Gehirn-Scans gearbeitet, um die graue Substanz bei Frauen zu überwachen, die kürzlich schwanger waren. Die Scans zeigten, dass es bei den Frauen zu hormonbedingten Verringerungen der grauen Substanz im Kortex kam. Auch zwei Jahre später sind diese Veränderungen noch zu sehen. „Die Veränderungen waren bemerkenswert einheitlich. So einheitlich, dass ein Computer-Algorithmus automatisch identifizieren konnte, welche Frau in unserem Test zwischen den Sitzungen schwanger war und welche nicht.“, sagt Elseline Hoekzema, Co-Autorin der Studie der Universität Leiden in einem Guardian-Interview. Für die Untersuchung wurde die Gehirnstruktur von 25 erstmaligen Müttern kurz vor und nach der Schwangerschaft untersucht. Die Ergebnisse wurden mit Scans von 20 Frauen verglichen, die nicht schwanger wurden, sowie 19 erstmaligen Vätern und 17 kinderlosen Männern.

Stärkere Mutter-Kind-Bindung

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Die Studienautorin geht bei der Umstrukturierung von einem evolutionären Vorteil aus. Laut den Forschern könnte die veränderte Gehirnstruktur Müttern dabei helfen, die Bedürfnisse ihres Neugeborenen besser zu verstehen. Die Bindung zwischen Mutter und Kind werde gestärkt. Die Verringerung der grauen Substanz geschieht in jenen Bereichen des Gehirns, die für soziale Prozesse und Empathie verantwortlich sind – also der Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Am stärksten reagierten diese Gehirnbereiche, wenn Müttern Bilder ihrer Babys gezeigt wurden, im Vergleich zu fremden Kindern. Co-Autorin Hoekzema sieht das als weiteren Beweis dafür, dass die Veränderungen bei der Pflege des Kindes helfen sollen.

Gedächtnis nicht beeinflusst

Die Wissenschaftler machen außerdem darauf aufmerksam, dass die Schwangerschaft nicht das Gedächtnis der Frauen beeinflusst. Die Testpersonen wurden etlichen Gedächtnis-Tests unterzogen, doch weder Intelligenz noch kognitive Fähigkeiten veränderten sich. Die Ergebnisse bedeuten auch nicht, dass graue Zellen verschwinden. In diesem Areal kommen nur andere Zellen zu Hilfe und stärken und reorganisieren den Bereich, um ihn effizienter zu gestalten. Bei frischgebackenen Vätern wurde diese Veränderung des Gehirns nicht nachgewiesen.