Experten im Interview: PMS, Regelschmerzen & Homöopathie

Homöopathie zur Behandlung von PMS & Regelschmerzen - wie funktioniert das ? /Bild: Fotolia
Experten im Interview: PMS, Regelschmerzen & Homöopathie
Tanja Judmann

Die Regelblutung ist für viele Frauen nicht gerade die schönste Zeit im Monat. Grundsätzlich ist eine regelmäßige Menstruation ein Zeichen hormoneller Gesundheit und dafür, dass keine Schwangerschaft besteht. Leider kommen „die Tage“ bei manchen Frauen und Mädchen auch mit einigen Nebenwirkungen daher: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Krämpfe. Auf der Suche nach Linderung stoßen viele Frauen oft auf das Thema Homöopathie. SuperMED hat eine Expertin zum Thema PMS, Regelschmerzen und Homöopathie befragt. In einem kurzen Interview gibt Mag. Dr. Micha Bitschnau, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe so wie homöopathische Ärztin, Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen der homöopathischen Therapie in der Frauenmedizin:

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1. Bei welchen Beschwerden ist es sinnvoll, Homöopathie einzusetzen – wann eignen sich Schmerztabletten, wann Homöopathie ?

„Wenn Regelschmerzen nicht regelmäßig oder extrem stark sind, dann helfen leichte Schmerzmittel wie Mexalen oder Ibuprofen gut. Vor allem wenn die Patienten nicht mehr als ein oder zwei Tabletten am ersten Tag der Regel braucht, schaden diese Analgetika dem Körper nicht.
Wenn es aber zu regelmäßigen und mehrere Tage anhaltenden Schmerzen kommt, dann stimmt etwas nicht. Regelschmerzen sind nicht ‚gottgegeben‘. Viele Frauen denken das zwar, vor allem wenn die Großmutter oder die Mutter ähnlich starke Regelschmerzen hatten. Wenn die Periode Schule und Arbeit unmöglich macht, muss das auf jeden Fall gynäkologisch abgeklärt und eine möglichst schonende individuelle Strategie dagegen entwickelt werden.
Individuelle Lösung lautet das Zauberwort – nicht für jede Frau ist jede Methode ideal! Viszerale Osteopathie hilft etwa dabei, den Unterbauch-Bereich zu entspannen. Dabei arbeiten Craniosakral-Therapeuten mit einer sanften manuellen Berührungstechnik, die den Aufhängeapparat der Gebärmutter lockert und ihn ‚weich‘ macht.
Bei stärkeren Menstruationsschmerzen hilft Homöopathie. Wichtig dabei ist, dass die Patientin als Individuum mit all ihren Beschwerden behandelt wird. Auch starke prämenstruelle Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen werden homöopathisch mitbehandelt. Es geht darum, den ganzen Organismus in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. Die Menstruationsbeschwerden sind nur ein deutliches Symptom dafür, dass die Patientin auf mehreren Ebenen leidet. Das Ziel sollte es sein mit nebenwirkungsfreien Heilmethoden die Symptome zu beruhigen. Dazu können auch bestimmte komplementärmedizinische Methoden kombiniert werden. Homöopathie wird oft gemeinsam mit Viszeraler Osteopathie angewandt. Hier werden gute Methoden in Einklang gebracht um Schmerzmittel zu sparen. Denn wenn der Körper nicht zu stark an chemische Schmerzmittel gewohnt ist, wirken sie im Ernstfall auch viel besser. Wenn es möglich ist, sollte immer zuerst komplementärmedizinisch behandelt werden – so hat man, falls es noch nötig ist, die Möglichkeit auf konventionelle Medizin, die dann auch mit kleineren Dosen rasch und nachhaltig wirkt.“

2. Gibt es verschiedene homöopathische Präparate und wie werden sie eingenommen ?

„Mit klassischer Homöopathie kann man akute und chronische Beschwerden heilen. Ein guter Homöopath zeichnet sich dadurch aus, dass er Einzelmittel verwendet und keine Komplexmittel (Mischungen homöopathischer Arzneien) verwendet. Ein Anamnese-Gespräch in der Homöopathie kann 1 ½ – 2 Stunden dauern – hier werden nicht nur die Menstruationsbeschwerden der Patientin, sondern auch die Familien-Historie im Hinblick auf Gesundheit, Ängste und andere psychische Aspekte und alle körperlichen Beschwerden besprochen. Die homöopathische Therapie wird individuell auf die Patientin zugeschnitten und ist dazu da, die Selbstheilung des Körpers zu stimulieren.
Komplexmittel einzusetzen ist wie ein Schuss mit der Schrotflinte – ein Mittel hilft möglicherweise aber man riskiert mit den anderen Inhaltsstoffen Nebenwirkungen zu provozieren, die schwer kontrollierbar sind, da man nicht weiß welches Mittel geholfen hat und welches den Körper irritiert. Das Ziel der klassischen Homöopathie ist die Heilung des Körpers und der Psyche. Durch Komplexmittel wird eine homöopathische Weiterbehandlung extrem schwierig, weil Komplexmittel den Organismus verndern und Symptome nicht mehr klar zu interpretieren sind.“

3. Hilft Homöopathie eher bei psychischen oder körperlichen Beschwerden ?

„Sowohl als auch. Man kann den Organismus nicht ‚auseinander dividieren‘, wir sind Psyche UND Körper. Die Homöopathie ist eine tief psychosomatische Heilmethode. Der Aspekt der Psyche muss gerade bei der Menstruation stark einbezogen werden.
Das ist gerade beim Thema PMS relevant. Wir Menschen lernen uns im Alltag eine gewisse ‚Maske‘ zuzulegen, die uns dabei hilft uns am besten durchzusetzen und unsere Ziele zu verfolgen. Vor der Regel ist diese Maske nicht haltbar und bricht zusammen. Stimmungsschwankungen zwischen Reizbarkeit und Weinerlichkeit, Depressivität oder Überschwang zeigen, was sich tief in der Psyche tatsächlich abspielt. Ein guter Homöopath sieht an PMS-Symptomen, was er eigentlich behandeln muss. Psychische Symptome sind homöopathisch besonders stark bewertet, denn es der Psyche gut geht, wirkt sich das positiv auf die Immunität und damit auf den gesamten Körper aus. 

4. Gibt es Situationen, in denen nicht auf Homöopathie gesetzt werden sollte ?

„Bei ausgesprochen starken Schmerzen (Blut im Harn oder im Stuhl) oder wenn die Diagnose Endometriose im Raum steht, würde ich noch kinderlosen Frauen mit Kinderwunsch von einer homöopathischen Therapie abraten. Die Schmerzen können durch Homöopathie zwar oft in den Griff bekommen werden, doch das Fortschreiten der Endometriose oft nicht. Bei Frauen im gebärfähigen Alter hat der Erhalt der Fruchtbarkeit oberste Priorität.
Wenn echte Organzerstörung vorhanden ist, etwa wenn die Endometriose den Darm umscheidet und eingeengt hat oder die Eileiter zerstört wurden, kann das nicht mehr mit Homöopathie behandelt werden.
Bestimmte Hormonstörungen wie das PCO-Syndrom (Polyzystisches Ovarialsyndrom) sprechen sehr gut auf eine klassische homöopathische Behandlung an. Da der Körper gut dazu angeregt werden kann, das hormonelle Ungleichgewicht wieder auszugleichen. Die Grenzen der Homöopathie sind dort, wo die Krankheit Organsysteme zerstört hat, oder wo die Natur anderes vorgesehen hat. Möchte eine 45-jährige, erstgebährende Frau mit verschlossenen Eileitern eine homöopathische Kinderwunschtherapie, so muss man offen erklären, dass das nicht möglich ist. Man kann den Organismus stärken und für eine künstliche Befruchtung vorbereiten, aber ohne konventionelle Kinderwunschtherapie wird es nicht klappen.
Ebenso wenig kann die Homöopathie den Eintritt in die Wechseljahre verhindern. Die Beschwerden die aus der Menopause resultieren allerdings sehr wohl!“

5. Zu welchem Zeitpunkt im Zyklus wird die homöopathische Therapie idealerweise durchgeführt ?

„Die homöopathische Therapie kann immer angewandt werden und hängt nicht vom Zyklus ab. Wenn sich Beschwerden intensivieren, können andere Potenzen oder häufigere Einnahmen hilfreich sein. Das muss der homöopathische Arzt entscheiden. Das hängt von der individuellen Konstitution der Patientin ab.“

SuperMED bedankt sich bei Mag. Dr. Bitschnau für das ausführliche Interview !