Frauenmedizin

Frauen- und Männergesundheit im Fokus: Gender Medizin

Weiblicher und männlicher Organismus sind in der Medizin in mancher Hinsicht als unterschiedlich und getrennt voneinander zu betrachten. Beeinflusst werden die Unterschiede maßgeblich auch von den Sexualhormonen. /Bild: Fotolia
Frauen- und Männergesundheit im Fokus: Gender Medizin

Der Begriff Gender bestimmt bereits länger den medialen sowie auch den feministisch-wissenschaftlichen Diskurs. Er meint – im Gegensatz zum biologischen Geschlecht Sex– die geschlechtliche Identität eines Menschen hinsichtlich sozialer Faktoren. Unter diesen Faktoren finden sich z.B. die Wahrnehmung des eigenen Selbst, soziale Lebensumstände sowie soziale Normen. Auch die Gender-Medizin, die sich als „geschlechtsspezifische Medizin“ definieren lässt, findet ihren Ursprung in feministischen Bewegungen.

Differenzierung zwischen Mann und Frau in der Medizin

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Die Gender-Medizin lässt sich als eine Reaktion darauf, dass die Medizin ursprünglich stets an einen männlichen Prototyp angepasst war, ansehen. Nach Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, Leiterin der Abteilung Gender Medizin und des Universitätslehrgangs für Gender Medizin an der Medizinischen Universität Wien, ist die Gender Medizin bestrebt, sowohl Mann, als auch Frau differenziert zu betrachten. Damit legte sie den Grundstein für eine patientenorientierte und individuellere Medizin. Ein wichtiges Anliegen der Gender-Medizin ist es vor allem, die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu erkennen. Dies bedeutet, dass Faktoren wie geschlechtsspezifisches Verhalten, aber auch die Krankheit selbst, die Diagnose und schließlich die Therapie geschlechtsspezifisch eingeordnet, angepasst und berücksichtigt werden. Dabei spielt jedoch auch ihr ganzheitlicher Ansatz eine wichtige Rolle: Es geht in der Gender-Medizin nicht nur um geschlechtsspezifische Medizin wie die Gynäkologie und Andrologie.

Ein Chromosom, das den Unterschied macht

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Neben dem sozialwissenschaftlich geprägten Genderbegriff beschäftigt sich die Gender-Medizin auch mit dem biologischen Begriff Sex. Als Beispiel ist hier als fundamentaler biologischer Unterschied zwischen Mann und Frau etwa die Konfiguration der Geschlechtschromosomen zu nennen. Bei Mann XY, bei der Frau XX. Das X-Chromosom ist Träger der meisten Gene für Immunsystem, Herz und Gehirn, woraus sich einiges schließen lässt: Frauen haben daraus folglich ein stärkeres Immunsystem als Männer und weisen eine höhere Abwehrkraft auf. Auch verfügen sie über eine verbesserte Antikörperproduktion nach Impfungen. Ebenso erkranken Frauen dadurch jedoch auch häufiger an Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose oder auch solchen, die zum Beispiel die Schilddrüse betreffen. Das „männliche“ Y-Chromosom weist hauptsächlich Gene auf, welche mit der sexuellen Funktion in Verbindung stehen. Auch die Sexualhormone nehmen einen entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit: Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass an fast allen Organen bestimmte Andockpunkte für Sexualhormone bestehen und von diesen auch beeinflusst werden.

Konkrete Berücksichtigung von geschlechtsspezifischer Medizin in den Medien

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Die WHO fordert darüber hinaus auch eine Anpassung der Werbung und der Medien an genderspezifische Faktoren, dies betrifft mitunter auch Werbung für Tabak. So sind zum Beispiel in Bezug auf Tabak unterschiedliche gesundheitliche Auswirkungen auf Männer und Frauen unterschiedlichen Alters zu beobachten und ernst zu nehmen. Dies sollte nach Meinung der WHO „bei der Entscheidung über Tabakpreise, Gesundheitswarnungen, Zugang sowie Werbe- und Absatzförderungsverbot berücksichtigt werden.“ Ebenso vermittelt die WHO die Botschaft, dass „Medien- und gemeindebasierte Kampagnen und Arbeitsplatzaktivitäten sicherstellen sollten, dass Botschaften und Aktionen mit beiden Geschlechtern erfolgreich funktionieren.“