Ernährung

Fruchtsäfte: Neue Richtlinien für Kinder

Kinder lieben Saft und Eltern sind froh, wenn die Kleinen ihre Vitamine bekommen ! /Bild: Fotolia
Fruchtsäfte: Neue Richtlinien für Kinder
Catharina Kaiser

Kinder lieben ihre Fruchtsäfte und Eltern sind super glücklich wenn ihre Kleinen mit wichtigen Vitaminen versorgt werden. Wäre da nur nicht der extrem hohe Zuckergehalt und andere Inhaltsstoffe, die ernsthafte Konsequenzen haben können. Eine neue Richtlinie der American Academy of Pediatrics (AAP) rät Eltern nun dazu, ihren Kindern weit weniger Fruchtsäfte auszuschenken als üblich. Eine der größten Veränderungen – seit immerhin 16 Jahren – ist dass bei Kindern unter einem Jahr völlig auf Fruchtsäfte verzichtet werden sollte.

Fruchtsäfte bis zum 1. Lebensjahr

Muttermilch, oder entsprechende Säuglingsnahrung sollte, laut neuer Richtlinie, das einzige sein, womit Babys bis zu einem Alter von 6 Monaten gefüttert werden. „Es gibt keine ernährungsphysiologischen Grund dafür, ihnen zusätzlich Fruchtsäfte zu verabreichen“, so die Studienleiter. Im Gegenteil, bei regelmäßigem Konsum von Säften würden viele Nährstoffe, die normalerweise aus der Muttermilch oder Formula-Nahrung gewonnen werden, verloren gehen. Dazu zählen beispielsweise wichtige Nährstoffe für das Wachstum einschließlich Proteine, Fett, Kalzium und Eisen. So warnen die Forscher davor, dass durch das Trinken von Säften während der ersten Monate sogar das Wachstum des Kindes gehemmt werden kann. Nach 6 Monaten können dann zwar Früchte in die Ernährung eingebunden werden, aber nicht in Form von Fruchtsäften, sondern lieber als feste oder pürierte Nahrung.

Kleinkinder bis 4 Jahre

Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren brauchen etwa eine Tasse Obst pro Tag und bis zu 110 g davon können aus einem 100-prozentigen Fruchtsaft kommen. „Das entspricht rund einer halben Tasse, sprich 50 % der Tagesdosis“, erklärt Dr. Kristi King, klinische Ernährungsberaterin Texas Children’s Hospital. Zuvor lag die Empfehlung der Experten zwischen 170 und 230 g und die genauen Altersunterschiede wurden nur wenig beachtet. „Die neuen Richtlinien sind dagegen sehr viel genauer und somit auch treffender für jede Altersgruppe“, so Dr. King. Nichtsdestotrotz muss beim Kauf von Fruchtsäften genau auf das Etikett geachtet werden. Einzig Säfte die zu 100 % aus Früchten bestehen, sind erlaubt. Alles andere, sei es Konzentrat, Fruchtgetränk oder eine andere Bezeichnung, ist tabu. Denn die meisten dieser Getränke sehen zwar aus wie handelsübliche Fruchtsäfte und versprechen einen hohen Vitamingehalt, sind aber voller Zucker und anderer schädlicher Stoffe. Zudem rät die AAP dazu, Säfte zu pasteurisieren um das Krankheitsrisiko für E.coli oder Salmonellen zu reduzieren und Kinder aus einem kleinen Glas anstatt einem Nuckelflaschen trinken zu lassen. Am Gummi dieser Flaschen sammeln sich nämlich Zucker und Bakterien, die Karies entstehen lassen.

Zwischen 4 und 6 Jahren 

Auch bei Schulkindern sollte die tägliche Menge an Fruchtsaft nicht über 170 ml gehen. „Sowohl Fruchtsäfte als auch die gezuckerten Varianten können leicht von Kindern überkonsumiert werden, weil sie einfach gut schmecken“, so die Studienautoren. Ähnlich wie bei Limonaden kann dies schnell zu einem Ungleichgewicht des Energiehaushalts führen. Stattdessen motivieren die Forscher Eltern dazu ihren Kindern rohe Früchte zu geben. „Dabei sollte es sich um Obstsorten handeln die reich an Fasern und Vitaminen sind, wie z.B. Äpfel, Birnen, Beeren oder Orangen“, erklärt Dr. Elizabeth Parks Prout, Ärztin für Ernährungsexpertin und Forscherin für Übergewicht bei Kindern des Children’s Hospital in Philadelphia. Zu viel Saft kann nämlich einerseits Unterernährung, andererseits Übergewicht auslösen. In beiden Fällen konsumierten betroffene Kinder weit mehr als die empfohlene Tagesdosis.

Kinder im Alter von 7 bis 18 Jahren

Ältere Kinder und Jugendliche sollten pro Tag etwa 2 bis 2,5 Tassen Obst zu sich nehmen. Fruchtsäfte sollten dabei etwa die Hälfte ausmachen. Bei älteren Kindern gestaltet sich das ja zum Glück relativ einfach – einfach einen Beutel gefrorene Früchte nehmen und einen Smoothie zubereiten, oder frische Früchte ins Müsli geben. Idealerweise, so Ernährungsexperten, sollte eine Vielzahl verschiedner Obstsorten konsumiert werden, die sich sowohl in Farbe als auch Textur unterscheiden. Allerdings heißt es Finger weg von Fruchtgummi und ähnlichen „Süßigkeiten“ die mit ihren vermeintlich gesunden Inhaltsstoffen werben. Darin sind nämlich weder wirkliche Früchte, noch Nährstoffe zu finden. Und obwohl sich die neuen Richtlinien hauptsächlich auf den Konsum von Früchten konzentrieren, darf natürlich ebenso wenig auf Gemüse vergessen werden. „Obst und Gemüse ist nicht dasselbe, sprich das eine kann nicht durch das andere ersetzt werden“, mahnt Dr. Prout.