Familie

Frühchen könnten in Zukunft in künstlichen Fruchtblasen heranreifen

Sieht ein bisschen nach Matrix aus, kann aber tatsächlich in ein paar Jahren Realität werden ... /Bild: Fotolia
Frühchen könnten in Zukunft in künstlichen Fruchtblasen heranreifen
Trixi Kouba

Zu früh geborene Lämmer konnten mithilfe einer künstlichen Fruchtblase heranreifen und gesund „zur Welt gebracht“ werden. Das Experiment könnte ein Blick in die Zukunft für menschliche Frühchen sein. Das Szenario beinhaltet einen Hauch von „Matrix“, der Hintergedanke der Forscher hat allerdings nichts mit der Unterdrückung der Menschheit zu tun.

4 Wochen im „Bio-Bag“

Zum ersten Mal konnten Wissenschaftler aus Philadelphia mithilfe einer künstlichen Gebärmutter zu früh geborene Lämmer im kritischen Zustand behüten, bis ihre Körper ausgereift waren. Die Lämmer, die in dem Äquivalent der 23. Schwangerschaftswoche einer menschlichen Schwangerschaft geboren wurden, entwickelten sich in dem künstlichen „Bio-Bag“ gut und gesund. Die acht Föten wurden mithilfe eines Kaiserschnitts zur Welt gebracht und schwebten anschließend vier Wochen lang in einem transparenten Sack, wobei sie von außen beobachtet werden konnten. Sie wurden dazu von den Forschern in den „Bio-Bag“ gebettet, die Nabelschnur wurde an eine künstliche Plazenta angeschlossen. Der Beutel selbst ist mit künstlichem Fruchtwasser gefüllt. Das Herz der Tiere pumpt das Blut eigenständig über die Nabelschnur nach außen. Nach der „Beutelzeit“ traten laut den beteiligten Forschern keine Komplikationen oder Nebeneffekte auf.

Quelle: Partridge et al/Nature Communications

Wann der erste Mensch reifen wird

Bis die „Bio-Bags“ auch bei Frühgeborenen im kritischen Zustand eingesetzt werden, wird noch viel Zeit vergehen. Die Erfindung soll vor allem jenen Neugeborenen helfen, die zu jung geboren wurden, um selbstständig zu atmen, essen oder Infektionen zu bekämpfen. Das Forscherteam geht davon aus, dass erste klinische Versuche mit Menschen in drei Jahren starten werden. Dann wird das System an den Menschen angepasst. „Ich will nicht, dass das hier visualisiert wird als Menschen, die in Säcken von den Wänden hängen“, meint Alan Flake, Fetalchirurg am Children’s Hospital of Philadelphia. „So wird das Gerät nicht funktionieren oder aussehen.“ Das für Menschen bestimmte Gerät wird ein mit Flüssigkeit gefüllter Inkubator mit dunkler Verkleidung. Das Kind würde mit einer Kamera überwacht werden. Dadurch soll auch der elterliche Stress minimiert werden.

„Brücke“ zwischen Mutter & Aussenwelt

Der Studienleiter sieht das System als „Brücke zwischen der mütterlichen Gebärmutter und der Außenwelt“ für Babys, die zwischen der 23. und 28. Schwangerschaftswoche geboren werden. Nach ihm wird ein neues System dringend gebraucht. MXehr als jedes zehnte Baby weltweit wird zu früh geboren. Eine der größten Schwierigkeiten bei den Technologien mit Frühchen ist, dass mechanische Hilfe ihnen gleichzeitig Schaden zufügen können. Die kleinen, fragilen Lungen können schnell Schaden nehmen. Externe Pumpen zur Versorgung des Sauerstoffes können Ungleichheiten im Blutstrom auslösen und zu einem Herzversagen führen. Eine künstliche Beatmung bringt Risiken mit sich. Die unreife Lunge frühgeborener Babys produziert noch keine bestimmte Substanz, die den jungen Körper gegen die Wirkung von Sauerstoff schützt. Die Blutgefäße in den Augen vergrößern sich durch die starke Sauerstoffzufuhr zu sehr und kann zur Erblindung des Babys führen. Mit der künstlichen Gebärmutter wären diese Risiken nicht gegeben.