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Herz und Hirn: Nachhilfe für emotionale Intelligenz

Das Immunsystem einer emotional intelligenten Person arbeitet auf Hochtouren. /Bild: Fotolia
Herz und Hirn: Nachhilfe für emotionale Intelligenz
Catharina Kaiser

Intelligenz macht das Leben um einiges leichter, doch oftmals ist es die emotionale Intelligenz, auf die es wirklich ankommt. Klar, Hausverstand ist immer erwünscht, doch emotionale Intelligenz ermöglicht es, Gefühle instinktiv zu verstehen und mit anderen Menschen zu interagieren. Laut einer Studie des Yale University Forschers Prof. Marc Brackett bewirkt sie nämlich auch, dass Menschen ihre eigenen Emotionen kontrollieren können. Die meisten Menschen würden vermutlich denken, dass sie alle diese Punkte prima handhaben und ihre eigenen sowie die Gefühle oder das Verhalten anderer genau interpretieren können. Laut dem Direktor des Yale Center for Emotional Intelligence tendieren die meisten allerdings dazu, sich in diesem Bezug etwas zu überschätzen und dadurch völlig überzogen zu reagieren. 

Emotionale Intelligenz verstehen 

Genau dies ist jedoch besonders wichtig, da die emotionale Intelligenz der Schlüsselfaktor ist, um Emotionen zu verstehen und die eigene Gesundheit, das Wohlbefinden sowie den persönlichen und professionellen Erfolg beeinflusst. Sich ein bisschen Zeit zu gönnen, um sich nicht nur professionell sondern auch emotional weiterzubilden, kann also nicht wirklich schaden. Im Gegenteil, jeder sollte etwas mehr Zeit darin investieren, denn die emotionale Intelligenz kann tatsächlich trainiert werden. Die Theorie sowie der Begriff selbst wurden erstmals 1990 von John Mayer, einem Psychologieprofessor der University of New Hampshire, und Peter Salovey, dem 23. Präsidenten  der Yale University der ins Leben gerufen. „Im Rahmen ihrer Arbeit belegten sie den enormen Einfluss von Emotionen auf die Denkweise eines Individuums und damit einhergehend, auf dessen Verhalten“, erklärt Robin Stern, Direktorin des Yale Center for Emotional Intelligence.

Warum emotionale Intelligenz wichtig ist? 

Seither haben sich Forscher der ganzen Welt darin versucht, eine Definition für den Kern der emotionalen Intelligenz zu finden. „Emotionale Intelligenz bedeutet smart zu sein und seine eigenen Gefühle genau zu verstehen“, so Stern. Es beutetet, ein genaues Bewusstsein darüber zu haben, wie das eigene Verhalten, die eigenen Handlungen durch Gefühle geleitet werden und wie man in diesen Prozess eingreifen kann, um so auch andere zu beeinflussen. Personen mit einer hohen emotionalen Intelligenz neigen also fast zwangsläufig dazu, äußerst emphatisch zu sein und haben die Fähigkeit, eine Situation aus vielen verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Natürlich geht dies auch mit einem großen Maß an Offenheit einher. „Viele Menschen verwechseln dies jedoch als Soft Skill, eine Fähigkeit oder einfach eine Neigung dazu, nett zu sein“, so Stern. Dabei ist es viel mehr als das. Es ist sozusagen Selbstmanagement und hat zeitgleich erstaunliche Auswirkungen auf die Gesundheit. So arbeitet das Immunsystem einer emotional intelligenten Person beispielsweise auf Hochtouren, was auch zu einem erhöhten Wohlbefinden führt und rund um glücklich macht. Obwohl es für viele eine Überraschung sein wird, da es ja oftmals als „unwichtig“ wahrgenommen wird – emotionale Intelligenz kann tatsächlich über den beruflichen Erfolg entscheiden. Ob man einen Job bekommt oder nicht, mag zwar von den fachlichen Kompetenzen abhängen, ob man ihn behält wird jedoch wesentlich vom Charakter und der emotionalen Intelligent bestimmt. Es ist die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, die entscheidend ist. Um sich selbst dahingehend zu testen, haben Verhaltensforscher eine Reihe von Selbsttests entworfen welche anhand unterschiedlicher Faktoren bewerten, wie hoch die persönliche emotionale Intelligenz wirklich ist. Anschließend werden die Werte von niedrig bis hoch kategorisiert.

Falsche Selbsteinschätzung

Laut Forschern würden diese Tests vor allem eines beweisen: Nämlich, dass sich der Mensch gerne etwas überschätzt. Würde man sich selbst bewerten, hätte man in diesem Bezug weit bessere Ergebnisse, als es tatsächlich der Fall ist. Daher sind offizielle Tests durchaus hilfreich. Dabei wird nämlich nicht selbst bewertet, sondern anhand verschiedener Aufgabenstellungen emotionale Intelligenz überprüft. Dazu zählt etwas das Lösen von Problemen, das Entschlüsseln von Gesichtsausdrücken, die Interpretationen von Szenarien oder das Finden einer Strategie in einer emotional aufwühlenden Situation. Bei vielen Menschen stellt sich also heraus, dass sie ihrer emotionalen Smartness durchaus etwas auf die Sprünge helfen sollten. Sozusagen Nachhilfe für das, worin sich die meisten als Champions betrachten. Doch wie genau funktioniert das eigentlich? Immerhin werden die Grundsteine hierfür ja bereits in der frühen Kindheit gelegt. Für Erwachsene gestaltet sich dies also schnell mal etwas schwieriger als gedacht. Demnach ist es besser, mit kleinen Schritten anzufangen. Zwei bis drei Bereiche sollten ausgewählt werden, in denen man sich verbessern möchte. Wer beispielsweise lernen möchte, besser mit seiner Wut umzugehen, könnte in Yoga, Meditation oder Boxen ein geeignetes Ventil finden. Zudem hilft es, sich in völlig neue Umgebungen zu wagen. Neue Menschen kennenzulernen, einen neuen Kurs zu beginnen – was immer man möchte. Hauptsache man bricht aus dem eingefahrenen Alltag aus und lernt neue Perspektiven kennen. Dazu zählt auch zu lernen, sich mit gewissen Entscheidungen oder Handlungen Zeit zu lassen. Lieber einmal tief durchatmen und dann reagieren als direkt und völlig impulsiv über zu reagieren.