Gesundheit

Geheimnisse bewahren schlägt sich auf die Gesundheit

Im Schnitt bewahrt jeder Mensch 5 Geheimnisse, die er nie jemandem anvertraut ! /Bild: Fotolia
Geheimnisse bewahren schlägt sich auf die Gesundheit
Trixi Kouba

Durchschnittlich bewahrt ein Mensch fünf Geheimnisse für sich, die er niemals jemand anderem anvertraut. Forscher der Columbia Universität zeigten unlängst, dass sich Geheimnisse schädlich auf die Gesundheit auswirken können.

secret1

Untreue, finanzielle Probleme oder geheime Hobbys – Manchmal muss man im Gespräch Geheimnisse für sich bewahren und Acht geben, sie nicht auszuplaudern. Wie im Fachjournal „Journal of Personality and Social Psychology“ beschrieben, drehen sich die häufigsten Geheimnisse um romantische oder sexuelle Gedanken an jemand anderen als den Partner, romantisches Verlangen, sexuelles Verhalten und Lügen. Offenbar ist aber nicht der Akt des Schweigens und Versteckens, sondern die Gedanken an das Geheimnis problematisch. Denn nicht nur in sozialen Situationen, sondern auch alleine wandert der Geist immer wieder spontan zu Geheimnissen. Diese Momente sorgen für ein schlechteres Wohlbefinden, meinen nun Forscher. In einer Untersuchung analysierten sie über 13.000 Geheimnisse aus zehn verschiedenen Studien und ihre Auswirkungen auf die Zufriedenheit in sozialen Beziehungen, das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit. „Schlussendlich kommen wir nicht so oft in Situationen, in denen wir unsere Geheimnisse verstecken müssen, als in Situationen, in denen sie in unsere Gedanken eindringen“, so Studienleiter Michael Slepian von der Columbia Business School.

Der weisse Bär

secret2
Der Psychologieprofessor Jonathan Schooler erklärte in einem Atlantic-Interview die Wissenschaft der Tagträume: Unsere Gedanken wandern weitaus häufiger zu Geheimnissen als zu anderen Themen. Grund dafür wäre die Theorie der Gedankenunterdrückung (in der Psychologie als „Ironische Prozesse“ beschrieben), die sagt: Versuchen wir nicht an etwas zu denken, denken wir schlussendlich noch viel öfter daran. Man kann das Phänomen leicht an sich selbst ausprobieren: Denken Sie jetzt nicht an einen weißen Bären! Schon bekommt man den weißen Bären nicht mehr aus dem Kopf. Schooler hält die Studie der British Columbia für spannend, war selbst aber nicht darin involviert.

Gefühl fehlender Authentizität

sec3
Schon frühere Studien brachten das Bewahren von Geheimnisse in Verbindung mit schlechtem Wohlbefinden und Scham- und Schuldgefühlen. Belgische Forscher zeigten, dass sich Menschen als Bewahrer eines Geheimnisses wichtig fühlten, sich gleichzeitig aber mental und körperlich schlechter fühlten. Wissenschaftler der University of California Santa Barbara wollten wissen, was im Menschen vorgeht, wenn er ein Geheimnis teilt: Sie trugen über 340 Studienteilnehmern auf, zwei Monate lang ein Geheimnis für sich zu behalten. Wer darüber sprach, verspürte Erleichterung: Jene Personen, die das Geheimnis mit jemand anderem teilten, fühlten danach ein höheres Selbstvertrauen und grübelten weniger.

Nicht der höchstwahrscheinlich negative Beigeschmack des Geheimnisses würde sich so schlecht auf das Wohlbefinden auswirken, so die Autoren der aktuellen Studie. Was anscheinend belastet, ist das Gefühl, nicht offen und ehrlich in einer Beziehung zu sein und sich damit weniger authentisch zu fühlen. Die Unzufriedenheit mit sich selbst wird größer. Professor Slepian hat aber auch gute Nachrichten: Ist es schädlich an ein Geheimnis zu denken, kann man versuchen, die Sichtweise darüber zu ändern und die negative Wirkung damit zu lindern.