Gesundheit

Genmutation lässt Amische 10 Jahre länger leben

Wissenschaftler entdeckten eine Genmutation bei Amischen, die sie 10 Jahre länger und gesünder leben lässt. /Bild: Fotolia
Genmutation lässt Amische 10 Jahre länger leben
Trixi Kouba

Um den Tod kommt man nicht herum. Forscher verbringen aber viel Zeit damit, ihn so lange wie möglich hinauszuzögern. Auf der Suche nach dem Schlüssel für ein langes und gesundes Leben stießen Forscher nun auf eine Genmutation. Wissenschaftler untersuchten 177 Mitglieder der Amisch-Religionsgemeinschaft im Bundesstaat Indiana in den USA. Es zeigte sich, dass 43 Personen der Amischen eine mutierte Kopie des Gens Serpine1 in sich trugen. Die Wissenschaftler erstellten Stammbäume der Genträger und ermittelten über 200 Vorfahren. Jene Amischen mit dem mutierten Gen wurden rund 85 Jahre alt. Die Verwandten ohne Mutation der Gemeinschaft lebten durchschnittlich 10 Jahre kürzer. Die Genmutation führt zu einem 13 Prozent längerem Leben. Zudem lebten Träger der Genmutation nicht nur länger, sondern auch gesünder. Sie litten seltener an Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Studie wurde im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht.

Medikament mit gleicher Wirkung geplant

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Der Studienautor Douglas Vaughan sieht in der Genveränderung eine „erstrebenswerte Form der Langlebigkeit“ und möchte nun zusammen mit Kollegen aus den USA und Japan ein Medikament entwickeln, dass die Wirkung der Genveränderung imitieren soll. Sie gehen davon aus, dass das mutierte Gen zu einer Reduzierung des Proteins PAI-1 führt, das mit der Blutgerinnung zu tun hat. Bereits in der Vergangenheit zeigte sich, dass dieses Protein Einfluss auf die Alterung hat. Das geplante Medikament soll den Effekt des Proteins PAI-1 unterdrücken. Erste Tests dazu gab es bereits mit Tierversuchen. Mithilfe des Medikaments konnte das Leben von Mäusen während Experimenten in Japan um das Vierfache verlängert werden als bei Tieren aus der Kontrollgruppe. Die Nager zeigten zudem keine typischen Alterserkrankungen. Nach behördlicher Genehmigung tritt nun die zweite Testphase in Japan und den USA an. Der Studienleiter hofft nun, dem Jungbrunnen damit tatsächlich ein wenig näher kommen zu können.

Amische als Studienobjekt

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Amische sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft. Sie leben seit fast 300 Jahren abgeschottet vom modernen Leben ohne Auto, Laptop oder Reißverschlüsse. Die Bezeichnung „Amisch“ geht auf ihren Begründer, Jakob Ammann zurück. In den USA finden sich rund 300.000 Amische. Die Wissenschaftler sehen in ihnen ein hervorragendes Studienobjekt, da sie geografisch und genetisch isoliert leben.