Ernährung

Geschmacksverstärker mit Angststörungen in Verbindung gebracht

Wer sich häufig von Mahlzeiten ernährt, die viele Geschmacksverstärker enthalten, könnte das an seinem Verhalten spüren. /Bild: Fotolia
Geschmacksverstärker mit Angststörungen in Verbindung gebracht
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Fertigpizza, Dosengulasch oder Süßigkeiten: Zusatzstoffe in Lebensmitteln sollen den Geschmack, das Aussehen und die Haltbarkeit von Produkten verbessern. Oft kommen sie auch für eine einfachere Herstellung und Verarbeitung von Fertigmahlzeiten zum Einsatz. Sie gelten jedoch nicht gerade als gesund und schlagen sich schnell auf den Gesundheitszustand und die Hüften. Eine neue Studie bringt jetzt jedoch noch eine andere, bedenkliche Komponente ins Spiel: Wer sich häufig von Mahlzeiten ernährt, die viele Lebensmittelzusatzstoffe enthalten, könnte das nicht nur an seiner körperlichen, sondern auch an seiner geistigen Gesundheit zu spüren bekommen.

Neurowissenschaftler der Georgia State University fanden eine Verbindung zwischen herkömmlichen Zusatzstoffen in Lebensmitteln und Veränderungen im Verhalten. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden im Magazin Scientific Reports veröffentlicht. Obwohl die Assoziation bisweilen nur bei Versuchen mit Nagetieren gezeigt wurde, gehen die Forscher davon aus, dass man sie auch auf den Menschen ableiten könne. Die Forscher fanden zudem unterschiedliche Auswirkungen je nach Geschlecht der Mäuse. Das würde bedeuten, dass Geschmacksverstärker anders auf männliche als auf weibliche Gehirne wirken.

Gehirn und Verhalten von Emulgatoren beeinflusst

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Die Studie wurde von Geert de Vries, Professor für Neurowissenschaft an der Georgia State University und seinen Kollegen durchgeführt. Vorhergegangene Studien des Forscherteams zeigten bereits, dass der Konsum von Geschmacksverstärkern zu niederschwelligen Entzündungen im Darm führen. Dies ist die Folge von einer Veränderung der Darmbakterien, einer vielfältigen Population von Billionen von Darmzellen, die essentiell für die menschliche Gesundheit sind. Ihre Studie zeigte eine Verbindung zwischen dem Konsum von Emulgatoren und Übergewicht, Stoffwechselstörungen und Inflammatory Bowel Disease, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Das Auftreten dieser Krankheiten stieg seit Mitte des 20. Jahrhunderts signifikant an. In der gleichen Zeit stieg zudem das Vorkommen von Verhaltensstörungen wie Autismus. Diese Beobachtung brachte die Forscher auf die Theorie, dass die Gehirnfunktion möglicherweise auch durch Umweltbedingungen und ihren modernen chemischen Substanzen beeinflusst werden könnte. Wir stellten uns die Frage: Können Emulgatoren einen Effekt auf generelle systemische Entzündungen und darüber hinaus auf das Gehirn und das Verhalten habe?“, so Vries in einer Presseinformation. „Die Antwort war ja.“

Emulgatoren: Männchen wurden ängstlicher, Frauen asozialer

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Die Forscher fügten dem Trinkwasser der Versuchstiere die zwei am häufigsten verwendeten Emulgatoren in Lebensmitteln, Polysorbat 80 und Carboxymethylcellulose (E 466), hinzu. Nach zwei Wochen beobachteten sie, dass sich die Darmflora von männlichen und weiblichen Nagetieren auf verschiedene Weisen verändert hatte. Sie fanden heraus, dass die Geschmacksverstärker bei Männchen jenes Verhalten steigerten, welches zu Angststörungen tendierte. Bei den weiblichen Versuchstieren reduzierte sich das soziale Verhalten. Laut de Vries könne der exakte Mechanismus hinter dem Konsum von Emulgatoren und Änderungen im Verhalten nicht festgelegt werden. Jedoch würden sie wissen, dass sich Entzündungen auf lokale Immunzellen auswirken. Dies führt zu weiteren Folgen im Körper, die sich letztendlich auf andere Gewebebereiche im Körper auswirken, darunter auch das Gehirn.

Warum sich die Verdauung zwischen Mann und Frau unterscheidet

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Doch wieso wirken sich Lebensmittelzusatzstoffe zwischen den Geschlechtern unterschiedlich aus? De Vries sieht dafür verschiedene Faktoren verantwortlich. So ist es zum Beispiel bekannt, dass sich das Immunsystem zwischen Frauen und Männern unterscheidet. Dadurch ist auch die Zusammensetzung der Bakterien im Darm eine andere und auch die Weise, wie Mahlzeiten im Körper verarbeitet werden. „Zusatzstoffe in der Ernährung haben daher unterschiedliche Konsequenzen auf das Mikrobiom in Männern und Frauen“, so der Forscher.