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Hilfe, Schreibaby – Was tun ?

20% aller Neugeborenen sind sogenannte Schreibabys. Was die Ursachen dafür sind und was überforderte Eltern tun können, lesen Sie hier. /Bild: Fotolia
Hilfe, Schreibaby – Was tun ?
Tanja Judmann

Jedes Baby schreit. Das ist absolut normal, schließlich müssen Neugeborene ihre Bedürfnisse irgendwie kommunizieren. In den ersten Lebenswochen ist bis zu zwei Stunden schreien am Tag nicht ungewöhnlich. Doch was tun, wenn das Baby sich weder durch Stillen, körperliche Nähe oder Schaflieder beruhigen lässt? 20% aller Säuglinge sind sogenannte „Schreibabys“ – sie lassen sich nicht beruhigen und schreien oft Stunden am Stück. Was man als verzweifelte Eltern wissen sollte:

Ist mein Baby ein Schreibaby?

Fachleute berufen sich auf die sogenannte Dreierregel: Wenn ein Kind mindestens drei Stunden täglich durchschreit, und das an mehr als drei Tagen pro Woche über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen, ist es ein Schreibaby. Ärzte sprechen bei solchen Fällen auch von Dreimonatskoliken. Das wichtigste Charakteristikum ist, dass das Baby scheinbar grundlos schreit und sich durch nichts wieder beruhigen lässt.

Symptome eines Schreibabys

Die Körperhaltung eines Schreibabys ist meist diese: Angezogene Arme und Beine, geballte Fäuste und ein überstreckter Rücken. Dazu kommen ein rotes Gesicht und ein harter, aufgeblähter Bauch. Ein Schreibaby schläft insgesamt weniger als das Durchschnittsbaby und hat oft Probleme, tagsüber länger als 30 Minuten am Stück zur Ruhe zu kommen. Vor allem am Abend verstärkt sich das  Schreien zunehmend.

Welche Ursachen hat das Schreien?

Bei Schreibabys wird häufig zuerst davon ausgegangen, dass sie physische Leiden, wie  Verdauungsprobleme, Unverträglichkeiten oder Allergien haben, die das Schreien verursachen. Mittlerweile sind sich Ärzte allerdings einig, dass es eher umgekehrt ist: Säuglinge haben sehr selten Probleme mit der Verdauung. Der harte, aufgeblähte Bauch ist eine Folge des vielen Schreiens, da dabei so viel Luft geschluckt wird.

Psychologen vermuten eine andere Ursache des Schreiens und zwar das Problem mit der Selbstregulation. Das betrifft vor allem empfindliche Babys, die einfach ein bisschen überfordert mit dem Leben sind und Reize nicht so gut verarbeiten können wie andere Säuglinge. Es wird angenommen, dass die Empfindlichkeit des Babys und seine Neigung zum exzessiven Schreien mit der Schwangerschaft zusammenhängen. Hat die Mutter während der Schwangerschaft viel Stress erlebt oder war emotional stark belastet, wird das Neugeborene eher zum Schreibaby.

Was kann man tun?

Überforderte Eltern sollten sich unbedingt darüber bewusst sein, das sie mit ihrer Situation nicht alleine fertig werden müssen. Auch wenn physische Leiden oft nicht die Ursache für das exzessive Schreien eines Babys sind, sollte man trotzdem einen Arzt aufsuchen, um mögliche Krankheiten auszuschließen.

Eine einfache Lösung für das Schreibaby-Problem gibt es leider nicht. Wichtig ist jedoch, den Tagesablauf des Säuglings so geregelt wie möglich zu gestalten. Dadurch dass das Baby so empfindlich auf äußere Reize reagiert, ist es wichtig eine tägliche Routine festzulegen, an die sich das Kind gewöhnen kann.

Ein letzter Punkt: Dass das durchgehende Schreien eines Babys für große nervliche Anspannung sorgen kann, ist verständlich. Wenn es aber so weit geht, dass das Schreien aggressiv macht, darf diese Wut unter keinen Umständen gegen das Kind gerichtet werden. In Deutschland sterben jährlich zwischen 100-200 Neugeborene an einem Schütteltrauma, da sich überforderte Eltern nicht anders zu helfen wissen. Wer auf sich alleine gestellt ist und nach stundenlangem Schreien eine gewisse Wut verspürt, sollte den Raum für ein paar Minuten verlassen und sich beruhigen. Nur wer der Situation mit Ruhe entgegentritt, kann einem Schreibaby helfen.