Gesundheit

HIV-positiv aber nicht ansteckend?

Eine HIV-Übertragung ist bei einer Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze kein Risiko mehr. /Bild: Fotolia
HIV-positiv aber nicht ansteckend?
Trixi Kouba

Die österreichische Travestiekünstlerin Conchita Wurst outete sich kürzlich auf Instagram öffentlich als HIV-positiv. In ihrem Beitrag teilte sie zudem die Information, seit der Diagnose in medizinischer Behandlung und seit vielen Jahren unterbrechungsfrei unter der Nachweisgrenze zu sein, den Virus also nicht weiterzugeben. Doch was bedeutet eigentlich „unter der Nachweisgrenze“?

Ungeschützter Sex möglich

Nehmen HIV-positive Menschen HIV-Medikamente nach Plan und ist ihre Virenlast nicht mehr nachweisbar, können Betroffene auch ohne Kondom Sex mit ihren Partnern haben, ohne sie dabei anzustecken. Während einer HIV-Therapie senken Medikamente die Virusmenge im Körper so sehr, dass der Virus während ungeschütztem Sex nicht mehr übertragen werden kann.

Unter der Nachweisgrenze

Unter dem Begriff Viruslast wird die Menge der Viren in Blut, Sperma oder in der Scheidenflüssigkeit verstanden. Eine HIV-Behandlung senkt diese Viruslast. Bei Tests zur Viruslastbestimmung gibt es eine bestimmte Grenze, unterhalb derer HIV nicht mehr nachgewiesen werden kann. Diese Grenze nennt man Nachweisgrenze. Die Grenze liegt momentan bei 40 bis 50 Viruskopien pro Milliliter. Ist die Viruslast geringer, spricht man von einem „nicht mehr nachweisbaren Virus“. Obwohl der Virus nicht mehr bei Bluttests nachweisbar ist, bleibt HIV trotzdem weiterhin im Körper bestehen. Doch das Risiko für weitere schwere Erkrankungen wie beispielsweise Herzkrankheiten reduziert sich enorm. Betroffene von HIV über der Nachweisgrenze weisen höhere Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Ein weiterer Vorteil der Therapie ist ein geringeres Risiko, Resistenzen gegen HIV-Medikamente zu entwickeln. Zudem ist das Risiko für eine HIV-Übertragung bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr äußerst unwahrscheinlich.

Nur mit Medikamenten möglich

HIV kann beim ungeschützten Sex oder über Mutter-Kind-Übertragungen über die Körperflüssigkeiten Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit übertragen werden. Nach einer HIV-Infektion (Humanes Immunschwäche-Virus) treten nach rund zwei Wochen grippeähnliche, unspezifische Symptome auf. Anschließend kommt es zu einer Schwächung des Immunsystems. Da der Organismus geschwächt ist, können bestimmte Krankheiten leichter auftreten. Die Viruslast ist unmittelbar nach der Infektion am größten. Anschließend bildet der Organismus Antikörper gegen HI-Viren. Ohne Medikamente kann die Vermehrung der Viren jedoch nicht soweit gestoppt werden, dass die Viruslast unter die Nachweisgrenze sinkt.