Gesundheit

Ist die Generation „Smartphone“ wirklich unglücklicher ?

Der einstige gelbe Sonnenschein wurde ersetzt durch blaues Bildschirmlicht - wie wirkt sich das aus ? /Bild: Fotolia
Ist die Generation „Smartphone“ wirklich unglücklicher ?
Catharina Kaiser

Mobile Geräte wie das Smartphone, technologische Gadgets wie Tracker und digitale Welten sind längst ein völlig normaler Teil des alltäglichen Lebens. Inzwischen werden sie schon nicht mal mehr bewusst als das wahrgenommen was sie eigentlich sind. Anstatt sie als Technologien zu sehen, sind sie der Wecker, die Zeitung und in Form von Social Media der soziale Lebensraum geworden. Der einstige gelbe Sonnenschein wurde ersetzt durch blaues Bildschirmlicht. Dass das zu negativen Auswirkungen führen kann, ist schon lange bekannt – doch in welchem Ausmaß sich das zeigt wurde ebenso lange unter den Teppich gekehrt. „In ähnlicher Weise, wie Bildschirme allgegenwärtig geworden sind, wurden es auch das Vorkommen von Depressionen und Suizidgedanken bei Jugendlichen“, bemerkte Jean Twenge, Autor und Psychologe an der San Diego State University. Im Rahmen einer im Clinical Psychological Science veröffentlichten Studie, stellt Twenge einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Nutzung sozialer Medien, Internetsurfen und Games und steigenden Symptomen von Depressionen und suizidalem Verhalten bei Teenagern her. Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass andere Studien belegen konnte, dass eine mäßige Nutzung sozialer Medien positiv auf depressive Zustände wirken kann.

Das Risiko sozialer Medien

Um einen möglichen Zusammenhang zwischen sozialen Medien und depressiven Zuständen zu untersuchen, sammelte Twenge für seine Studie Daten über die Online-Mediengewohnheiten von mehr als einer halben Million amerikanischer Teenagern. Diese wurden anschließend mit Berichten von Teenagern über suizidale Gedanken verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass ein Drittel jener Teenager, die mindestens 2 Stunden täglich mit technischen Gadgets verbrachten, eine solche Verhaltensweise aufwiesen. Bei Jugendlichen, die mehr als 5 Stunden mit diesen Devices verbrachten, stieg die Zahl auf mehr als 50 Prozent. In Bezug auf die Nutzung sozialer Medien waren Teenager 13 Prozent häufiger deprimiert als jene, die nur selten damit in Kontakt kamen. Dieser Anstieg habe vor allem in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. „Seit 2012 konnte ein stetiger Anstieg depressiver Symptome beobachtet werden, der mit einer wachsenden Selbstmordrate einhergeht“, so Twenge. Die Zeit in der die Depressionsrate ihre absolute Spitze erreichte, ereignete sich mit der rasanten Verbreitung von Smartphones. Bis zum Jahr 2015 verfügten 85 Prozent der Jugendlichen über Smartphones und nutzen diese laut einer Umfrage des Pew Research Centers überdurchschnittlich oft. Es wurde der neue Weg um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Laut einer Monitoring-Serie der University of Michigan zeigten sich die negativen Auswirkungen, sozialer Medien und technischer Geräte, vorwiegend bei jungen Frauen. Woran das liegt ist bislang noch ungeklärt, allerdings sehen Forscher das relationale Verhalten von jungen Frauen als wichtigen Faktor. „Das Interesse wer was macht, oder wer beliebter ist, sei bei jungen Frauen viel größer“, erklärt Holly Shakya, Psychologin an der University of California.

Macht das Smartphone depressiv ?

Neben den Auswirkungen von Sozialen Medien stellten die Forscher auch einen dramatischen Effekt hinsichtlich der bloßen Präsenz von Smartphones auf körperliche wie geistige Gesundheit fest. „Das blaue Licht verhindert etwa Müdigkeitsgefühle und zudem wirken sie psychologisch stimulierend weshalb sich die Gedanken immer wieder um sie kreisen“, so Shakya. Diese Faktoren können zu Schlaflosigkeit und in weiterer Folge zu Depressionen führen. Es nachzuweisen ist jedoch eine durchaus schwierige Aufgabe. Bis dato basieren die Daten nämlich zumeist auf Angaben von Teilnehmern, die nicht unter Laborbedingungen getestet worden. „Auch eine detaillierte Untersuchung der Nutzung sozialer Medien sei bei keiner Studie durchgeführt worden“, so Kelly Aschbrenner, Forscherin für geistige Gesundheit an der Geisel School of Medicine. Es geht rein um die Frage wie häufig sie genutzt werden anstatt um die Art und Weise wie Personen mit sozialen Medien umgehen. Andererseits gibt es auch gute Gründe für die Annahme, dass depressive Menschen von sozialen Medien profitieren können, indem sie sich austauschen und um Rat bitten können. „Es gibt wirklich wenig Möglichkeiten im realen Leben Menschen zu finden, die dieselbe stigmatisierte Krankheit haben“, so Aschbrenner. Obwohl es also wichtig ist, die Risiken neuer Technologien zu berücksichtigen, so sollten Gesundheitsdienstleister und Forscher soziale Medien und Smartphones nutzen, um Menschen zu helfen. Laut Aschbrenner könnten soziale Medien eine sichere Plattform sein, um Menschen in einem ersten Schritt zu helfen, sich mit anderen zu verbinden.