Ist ein Virus für Glutenunverträglichkeit verantwortlich ?

Neue Erkenntnis aus den USA: ein Virus könnte Auslöser für Zöliakie sein ! /Bild: Fotolia
Ist ein Virus für Glutenunverträglichkeit verantwortlich ?
Trixi Kouba

Ist doch ein Virus für die Glutenunverträglichkeit verantwortlich? Davon gehen nun US-amerikanische Forscher aus. Eine Infektion mit dem weitverbreiteten aber normalerweise ungefährlichen Reovirus könnte der Auslöser für Zöliakie sein:

Spritze zur Vorsorge ?

In letzter Zeit hat es den Anschein, als ob die Anzahl an Personen mit Glutenunverträglichkeit zunehmend steigen würde. Mediziner vermuten nicht nur körperliche Ursachen, sondern auch einen glutenfreien Trend und psychische Gründe. Gluten ist ein Protein, das normalerweise nicht einfach zu verdauen ist. Auch Menschen ohne diagnostizierte Zöliakie sind daher anfälliger auf eine Immunreaktion nach dem Verspeisen von glutenhaltigen Lebensmitteln. Bei Zöliakie handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der die Immunabwehr auf Gluten in Weizen, Dinkel, Roggen oder Gerste aktiviert wird. Das Gluten führt zu kleinen Entzündungen im Dünndarm. Die Folge sind Verdauungsstörungen und Magenschmerzen. Behandlung oder Heilung dafür gibt es keine. Die einzige Möglichkeit ist der Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel. Die Wissenschaftler der University of Pittsburg bringen nun Viren mit der Entstehung von Autoimmunkrankheiten wie Zöliakie oder Diabetes Typ 1 in Verbindung. Der Virus alleine muss nicht gänzlich Schuld an Zöliakie tragen. Vielmehr vermuten die Experten ein Zusammenspiel zwischen den Genen, dem Virus und dem allgemeinen Gesundheitsstatus des Betroffenen. Sie schüren Hoffnung, dass eines Tages eine Impfung zur Prävention gegen solche Erkrankungen zum Einsatz kommen könnte.

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Auftreten im ersten Lebensjahr

Nachdem die Wissenschaftler den Reovirus über einen längeren Zeitraum untersuchten, stießen sie zu ihrer Überraschung auf den Zusammenhang zwischen Glutenunverträglichkeit und den Virus. Menschen mit Zöliakie verfügen offenbar über mehr Antikörper gegen den Reovirus als gesunde Personen. Sie fanden außerdem bestimmte Genexpressionen, die das Immunsystem anfälliger für Gluten machen. Das Forscherteam geht davon aus, dass Kinder mit einer genetischen Vorbelastung und einer Infektion des eigentlich ungefährlichen Reovirus, später an Glutenunverträglichkeit leiden könnten, wenn sie zu diesem Zeitpunkt erstmalig Gluten zu sich nehmen. „Während dem ersten Lebensjahr entwickelt sich das Immunsystem noch, das bedeutet: Für ein Kind mit einem bestimmten genetischen Hintergrund könnte ein bestimmter Virus zu dieser Zeit Spuren und Langzeitfolgen hinterlassen“, so Bana Jabri, eine der beteiligten Forscherinnen.