Gesundheit

K.O.-Tropfen: Anzeichen, Substanzen und Folgen

Schwindel, Übelkeit, Filmriss - Oft merken die Betroffenen erst zu spät, dass ihnen etwas ins Getränk gemischt wurde. /Bild: Fotolia
K.O.-Tropfen: Anzeichen, Substanzen und Folgen
Trixi Kouba

„Mich kriegst du nicht K.O.“ lautet die Kampagne des Frauenservices der Stadt Wien. Sie will über K.O.-Tropfen aufklären.

Ausgehen, Tanzen, ein paar Drinks mit Freunden. Plötzlich stellt sich Schwindel und Übelkeit ein, der Körper erschlafft, danach folgt ein Filmriss. In Österreich kommt es jährlich zu ein paar Dutzend Vergewaltigungen durch K.O.-Tropfen. Täter nutzen überfüllte Clubs, um ihren Opfern in einem unaufmerksamen Moment ein paar Tropfen ins Getränk zu mischen und bewegungsunfähig zu machen. Die Stadt Wien klärt nun mit einer Kampagne über die geplanten Vergiftungen auf.

Anzeichen für K.O.-Tropfen

Geht man aus, kann es schon mal passieren, dass zu viele alkoholische Drinks konsumiert werden. Doch Schwindel und Übelkeit durch K.O.-Tropfen fühlen sich anders an, als Betrunkenheit. Es kommt zu Wahrnehmungsschwierigkeiten und Dämmerzuständen. Man fühlt sich „wie in Watte gepackt“. Anschließend stellt sich Willenlosigkeit bis hin zur Regungslosigkeit ein. Opfer erwachen am nächsten Tag mit einem Filmriss bis hin zur Amnesie bei sich zu Hause oder an einem fremden Ort. Sie fühlen sich extrem „verkatert“, können an Erbrechen, Schwindel und Kopfschmerz leiden. Oft wissen Betroffene nicht, was mit ihnen passiert ist und ob und wie ihnen möglicherweise Gewalt angetan wurde. Sie haben nur ein vages Gefühl, dass es zu einer Vergewaltigung kam. Hinweise sind beispielsweise Blutergüsse, zerrissene Kleidung, Spermaspuren oder Schmerzen im Unterleib.

Welche Mittel werden verwendet?

Nicht alle K.O.-Tropfen wirken gleich schnell und gleich lange. Doch sie alle verändern die Wahrnehmung. Je nach Dosierung können die Mittel die Bewegungs- und Handlungsfähigkeit einschränken. Zu Beginn können die Tropfen euphorisierend wirken, in höheren Dosierungen schließlich zu einem tiefen, komaartigen Schlaf bis hin zur Bewusstlosigkeit und zum Tod führen.

Als K.O. Tropfen können unter anderem die Substanzen GHB und GBL, auch bekannt als „Liquid Ecstasy“, „Liquid E“, Liquid X“ oder „G“, zum Einsatz kommen. GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) ist eine Droge und gesetzlich verboten. Es kommt als Salz und in farbloser, flüssiger Form vor. Die Substanz hat einen salzigen bis seifigen Geschmack.

Im Gegensatz dazu unterliegt GBL (Gamma-Butyrolacton) nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Konkret ist jedoch die Erzeugung, die Ein- und Ausfuhr sowie die Überlassung und Verschaffung (Weitergabe) dieser Substanz, um daraus einen Vorteil zu ziehen, verboten. GBL wandelt sich im Körper eigenständig fast 1:1 zu GHB um. Das Mittel wird hauptsächlich als Lösungsmittel in der Industrie eingesetzt. Es ist flüssig, farblos und weist einen unangenehmen, leicht lösungsmittelartigen, aber nicht beißenden, Geruch auf. Der leicht salzige und seifige Geschmack von GBL wird oft vom Eigengeschmack der Getränke überdeckt, in die es gegeben wird.

Ketamin wird als Schmerz- und Narkosemittel in der Tiermedizin und in der Notfallmedizin angewendet. Auch die Medikamentengruppe der Benzodiazepine kommt als K.O.-Tropfen zum Einsatz. Hier handelt es sich um rezeptpflichtige Beruhigungsmittel und Psychopharmaka, wie Valium oder Xanax.

Tipps zur Vorbeugung

  • Denken Sie daran, dass die Täter sowohl Fremde, neue Bekanntschaften, aber auch angebliche Freunde sein können.
  • Lassen Sie Getränke nie unbeaufsichtigt stehen!
  • Vereinbaren Sie mit Freundinnen und Freunden, gegenseitig auf Ihre Getränke aufzupassen.
  • Nehmen Sie keine offenen Getränke von fremden Personen an.
  • Nehmen Sie Getränke-Einladungen nur an, wenn Sie den Weg des Glases von der Schank bis in Ihre Hand verfolgt haben.
  • Vereinbaren Sie Dates mit Online-Bekanntschaften immer an öffentlichen Orten, die Sie gut kennen, und informieren Sie eine Vertrauensperson.
  • Vertrauen Sie Ihrem Instinkt. Wenn Sie sich in einem Lokal oder auf einer privaten Party nicht wohlfühlen (dies könnte ein erstes Symptom sein), wenden Sie sich an eine Freundin, informieren sie sie oder verlassen Sie das Lokal oder die Party lieber. Das Lokal oder die Party alleine zu verlassen, ist aber nicht ungefährlich, da die Täter oft draußen vor dem Lokal als Hilfe anbietende Personen bereits auf die beeinträchtigte Person warten und ihnen anbieten, sich bei ihnen auszuruhen oder sich um sie zu kümmern.
  • Wenden Sie sich bei plötzlichem Schwindel, Übelkeit oder einer Ihnen unbekannten enthemmenden Wirkung an eine Vertrauensperson und bitten Sie diese, bei Ihnen zu bleiben.
  • Wenn Sie alleine unterwegs sind und Hilfe brauchen, wenden Sie sich an das Barpersonal.
  • Rufen Sie im Zweifelsfall die Polizei unter 133 oder die Rettung unter 144.
  • Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihnen K.O. Tropfen verabreicht wurden, zögern Sie nicht und haben Sie keine Scham. Sie tragen keinerlei Schuld. Handeln Sie schnell, bevor die volle Wirkung der Substanzen einsetzt.
  • Auch wenn Sie die verbotenen Substanzen freiwillig eingenommen haben, machen sich Personen, die diesen Zustand ausnutzen, strafbar.

Wenn Sie glauben, Opfer von K.O. Tropfen geworden zu sein und Sie eine Anzeige bei der Polizei erwägen, beachten Sie die Tipps für die Strafverfolgung der Täter.