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Kaiserschnitt-Trend: Vaginal Seeding

Eine umstrittene Methode, um das Immunsystem von Neugeborenen zu stärken!/Bild:Fotolia
Kaiserschnitt-Trend: Vaginal Seeding
Melanie Payerl

Es gibt viele Trends rund um Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung. Von professionellen Fotografien im Kreißsaal bis hin zur windelfreien Erziehung oder der Gesichtscreme mit Plazenta, die für ewige Jugend sorgen soll. Zu den neuesten Trends zählt das Vaginal Seeding. Dabei werden Neugeborene, die mittels Kaiserschnitt zur Welt kommen, kurz nach der Geburt mit Vaginalflüssigkeit ihrer Mutter betupft. Die Praxis ist umstritten und einige Forscher glauben, dass sie sogar gefährlich sein könnte.

Warum soll es gemacht werden?

Geburt Dinosaurier

Für das Vaginal Seeding werden Mulltupfer in die Vagina der Gebärenden während des Kaiserschnitts gelegt. Sobald das Baby das Licht der Welt erblickt, werden die Mulltupfer über Gesicht und Körper des Neugeborenen gerieben. Ziel ist es dem Baby alle Bakterien zu geben, die es bei einer vaginalen Geburt bekommen würde. Kinder, die mittels Kaiserschnitt geboren werden, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit diverse Allergien, Asthma oder andere Krankheiten zu entwickeln. Während einer normalen Geburt werden Babys durch den Geburtskanal und die Vagina gedrückt, dabei kommt das Neugeborene mit vielerlei Bakterien in Kontakt, was wiederum das das Immunsystem stärken soll. Kinder, die mittels Kaiserschnitt zur Welt kommen, können von diesem Vorteil nicht profitieren. Die Forschung deutet darauf hin, dass Säuglinge, die mittels Kaiserschnitt auf die Welt kommen über weniger Darmbakterien verfügen als jene Kinder, die durch eine vaginale Entbindung das Licht der Welt erblicken.

Studienergebnisse:

Bisher konnte nur eine Studie die Vorteile des Vaginal Seedings bestätigen. Forscher haben Babys nach einem geplanten Kaiserschnitt für rund eine Stunde mit den in Vaginalflüssigkeit getränkten Mulltupfern abgetupft. Nach rund einem Monat konnten diese Forscher feststellen, dass die Bakterien auf der Haut und im Mund des Säuglings ähnlich waren, wie im Mund von vaginal entbundenen Babys. Um die Effektivität des Vaginal Seeding zu bestätigen müssen jedoch noch mehr Untersuchungen durchgeführt werden. Ein Artikel, der 2016 in der Zeitschrift BMJ veröffentlicht wurde, warnt aus Mangel an Beweisen für positive Vorteile sogar vor dem Vaginal Seeding. Auch das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) spricht sich gegen das Vaginal Seeding aus. Als Hauptgrund wird eine potenzielle lebensbedrohliche Infektion genannt, welche so an das Neugeborene übertragen werden kann. Augeninfektionen, Blutinfektionen sind die Folge und können dem Neugeborenen erheblich schaden.

Das Mikrobiom des Babys stärken!

Forschungen rund um das Mikrobiom sind sehr umstritten. Dennoch gibt es Studien die zeigen, dass das Mikrobiom des Babys auf verschiedene Arten verbessert werden kann, das Vaginal Seeding ist hierbei nicht die einzige Methode. 30 Prozent der nützlichen Bakterien im Bauch des Babys stammen aus der Muttermilch und werden über das Stillen weitergegeben. Außerdem können durch Hautkontakt zwischen Mutter und Neugeborenem ebenso gute Bakterien weitergegeben werden. Durch das Verzögern des ersten Badens des Babys um bis zu zwölf Stunden, kann das Mikrobiom des Neugeborenen ebenfalls gestärkt werden.