Keine Panik vor gelegentlichem Haarausfall !

Warum saisonaler Haarausfall nicht sofort ein ernstes gesundheitliches Problem bedeuten muss ! /Bild: Fotolia
Keine Panik vor gelegentlichem Haarausfall !
Catharina Kaiser

Wer seine Prachtmähne in letzter Zeit vorwiegend auf der Haarbürste oder im Abfluss betrachten kann, hat vermutlich regelmäßig mit Nervenzusammenbrüchen zu kämpfen. Immerhin ist plötzlicher Haarausfall erst einmal ziemlich beunruhigend. Doch die Tatsache, dass man in letzter Zeit deutlich mehr Haare verliert als gewohnt ist noch kein Grund um auszuflippen. Einer neuen, im British Journal of Dermatology veröffentlichten Studie zufolge, ist saisonaler Haarausfall nämlich völlig normal. Ein solch Jahreszeiten-abhängiges „Muster“ wurde ja bereits seit längerem vermutet, da sich die meisten Studien aber auf einen demografischen oder geografischen Standort konzentrieren, konnte nicht belegt werden ob diese Ergebnisse für alle gelten. Nun scheint die Begründung allerdings wissenschaftlich bestätigt worden zu sein.

Wenn die Mähne lichter wird

Als Hilfsmittel zur Erhebung der Personenanzahl mit Haarausfall analysierten Forscher der Johns Hopkins und Washington University Google Trends-Daten aus acht Ländern in vier Hemisphären. Alle von ihnen hatten ein gemeinsames Stichwort: „Haarausfall“. Daher untersuchten die Forscher das Suchvolumen von 2004 bis 2016 und verglichen die Daten Monat für Monat. Saison für Saison. Überraschenderweise waren die Ergebnisse in allen 8 Ländern die gleichen: Überall suchten Menschen vor allem während des Sommers und Herbstes im Internet häufiger nach Phrasen im Zusammenhang mit Haarausfall. Ein solcher Befund ist für Ärzte daher durchaus relevant, deren Patienten ebenfalls über Haarausfall klagen. Durch diese Erkenntnisse können neue Therapien entwickelt und Behandlungen verbessert werden. Diese Studienergebnisse mögen zwar schon mal beruhigend wirken und einen davor bewahren auch noch den letzten Nerv zu verlieren, dennoch benötigt es weitere Forschungen um herauszufinden warum genau diese Saisonen zu Haarausfall führen. „Leicht erhöhter Haarausfall im Sommer und Herbst ist völlig normal. Es ist zwar etwas spekulativ, doch aus evolutionärer Sicht ist eine Rolle des Haarausfalls, Wärme zu liefern“, so Dr. Shawn Kwatra, Co-Autor und Dozent für Dermatologie an der Johns Hopkins University School of Medicine. Allerdings wäre das in den Sommermonaten ja eher überflüssig. Die Tendenz sich während der kalten Jahreszeit ein dickeres Fell zuzulegen und es im Sommer dann zu verlieren ist aus der Tierwelt allerdings weitgehend bekannt. Beim Menschen betrifft dieser „Fellwechsel“ allerdings vorzugsweise Frauen, obwohl die Suchanfragen in der aktuelle Studie nicht nach Geschlecht unterschieden wurde.

Wie viel Haarausfall ist normal ?

Laut Angaben der American Academy of Dermatologists sei ein Haarverlust von 50 bis 100 Haaren täglich absolut normal. Betrachtet man ein paar zusätzliche Haare, die sich im Abfluss sammeln, so braucht man also keine Panik zu haben, vor allem nicht wenn es während des Sommers passiert. Sofern die Menge an Haaren aber dazu führt dass man kurz vor dem Ausflippen ist und panisch alles mögliche bei Dr. Google eintippt, so wäre ein Besuch beim Arzt sicherlich keine schlechte Idee. Immerhin ist Haarausfall ein wirklich weiterverbreitetes Problem und betrifft alleine 40 % der amerikanischen Bevölkerung und auch wenn hauptsächlich Frauen davon betroffen sind, so werden beide Geschlechter mit zunehmendem Alter einen erhöhten Haarausfall bemerken. Zusätzlich zur Saisonalität kann Haarausfall übrigens durch vielerlei Ursachen ausgelöst werden. Insbesondere psychologische Faktoren wie Stress sowie drastische körperliche Veränderungen etwa nach einer Geburt, Gewichtsverlust von mehr als 10 Kilogramm oder eine Änderung der Antibabypille können zu einem erhöhten Haarausfall beitragen. Faktoren wie Ernährung, Vererbung und Schilddrüsenlevel können ebenfalls eine Rolle spielen. Glücklicherweise muss nicht jeder Haarverlust von Dauer sein, oder zu einem chronischen Problem werden. In vielen Fällen können Ergänzungsmittel oder topische Behandlungen bereits ausreichen um die Sache in den Griff zu bekommen. Nachdem signifikanter Haarausfall ebenso auf andere zugrundeliegende Erkrankungen hindeuten kann, wäre es laut Dr. Kwatra durchaus wichtig, einen Experten aufzusuchen.