Erziehung

Kinder: Weniger Smartphone führt zu besserer geistiger Entwicklung

Wie viel Zeit Kinder am Bildschirm verbringen, wirkt sich laut Wissenschaft direkt auf ihre kognitive Entwicklung aus./ Bild: Fotolia
Kinder: Weniger Smartphone führt zu besserer geistiger Entwicklung
Paulin Klärner

Dass es jungen Gehirnen nicht gut tut, ständig am Bildschirm eines Smartphones, Fernsehers oder Laptops zu kleben, ist wohl nichts Neues – wie sehr die tägliche „Screen-Time“ die kognitive Entwicklung von Kindern beeinflusst, ist laut einer aktuellen Studie jedoch noch alarmierender, als gedacht. Die amerikanische Studie, die im Fachblatt The Lancet Child & Adolescent Health veröffentlicht wurde, untersuchte den Zusammenhang von geistigen Fähigkeiten (wie Verständnis und Artikulation der Muttersprache, Erinnerungsvermögen, Aufmerksamkeitsspanne, etc.) und der Zeit, die Kinder täglich mit dem Smartphone verbringen. Außerdem wurden zusätzlich zur „Screen Time“ auch die Anzahl der Stunden an ununterbrochenem Schlaf und körperlicher Betätigung pro Tag untersucht.

„Wie verbringst du deinen Tag?“

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Im Rahmen der Studie wurden die alltäglichen Angewohnheiten von 4500 amerikanische Kinder zwischen 8 und 11 Jahren untersucht. Hierfür wurden einerseits Daten des National Institutes of Health-funded Adolescent Brain Development ausgewertet und andererseits die Eltern der ProbandInnen gebeten, den Schlaf ihrer Sprösslinge und die Zeit, die sie am Handy verbringen, zu notieren.

Die Ergebnisse zeigten, dass 51% der Kinder die von Experten empfohlenen 9-11 Stunden Schlaf pro Nacht bekamen, 37% verbrachten „nur“ 2 Stunden oder weniger pro Tag am Smartphone und 18% machten mindestens 1 Stunde Bewegung am Tag. Das Erschreckende an der Studie: Nur 5% aller Kinder schafften es, alle 3 wichtigen Punkte, also genügend Schlaf, Bewegung und „Off-Screen-Time“, in ihr junges Leben zu integrieren. Die Wissenschaftler stellten schließlich fest, dass aber genau jene 5% eindeutig besser abschnitten, wenn es um kognitive Fähigkeiten, wie Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, Sprechen und Verstehen ging.

Wie bekommt man seine Kinder vom Smartphone in die Natur?

Wenn man sich als Elternteil nun fragt, wie man seinen Kindern das Smartphone wieder abgewöhnen (oder gar nicht erst schmackthaft machen) und sie für Bewegung und entschleunigte Ruhezeiten begeistern kann, haben wir 5 Tipps zusammengefasst.

1. Streng bleiben, wenn es ums Smartphone-Limit geht

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Abgesehen davon, dass Experten freilich davon abraten, Kindern (vor der Pubertät) überhaupt ein eigenes Smartphone zu schenken, sollte man – wenn es bereits soweit gekommen ist – darauf achten, womit und wie lange die Kleinen ihre Zeit am Bildschirm verbringen. Eine klare Regelung wie „1 Stunde Smartphone pro Tag“ kann hierbei helfen, auch wenn das den kleinen Abhängigen anfangs bestimmt nicht in den Kram passen wird. Aber sie werden sich garantiert daran gewöhnen.

2. Go Retro! Muss es wirklich ein „Smartphone“ sein?

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Ein beliebtes Argument von Eltern, ihren Kindern ein eigenes Handy zu kaufen ist, dass jene erreichbar sein müssen, damit man den Alltag besser organisieren kann. Wann muss das Kind von der Schule oder von Freunden abgeholt werden, wie kommuniziert man es, wenn sich die Pläne plötzlich ändern, und so weiter und so fort. Die harte Wahrheit ist jedoch: Alles, was es dazu braucht, ist ein Gerät, mit dem Anrufe getätigt und Nachrichten versendet werden können. Apps mit Spielen, eine Kamera, Facebook, Instagram und Co sind hierbei völlig unnötig.

3. Vorbildfunktion

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Es liegt in der Natur des Menschen, dass man das Verhalten, das man bei seinen Eltern beobachtet, imitiert. Hängen Mama und Papa also bei gemeinsamen Aktivitäten, wie Ausflügen, dem Mittagessen oder Abends auf der Couch ständig am Smartphone, wird ihr Kind freilich nicht verstehen, dass solch ein Verhalten Körper und Geist auf Dauer nicht gut tut. Wenn man also möchte, dass seine Kinder ohne Bildschirm-Abhängigkeit aufwachsen, muss man mit gutem Vorbild voraus gehen.

4. Ohne Bildschirm zu Bett gehen!

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Mediziner und Psychologen warnen davor, die letzten Stunden vor dem Schlafengehen am Bildschirm zu verbringen, da das grelle Licht und die vielen schwer zu verarbeitenden Reize einen nachweislich negativen Einfluss auf unsere Schlafqualität und auf lange Zeit auch auf unser Gehirn haben. Und was unserem erwachsenen Denkapparat schadet, ist für die Entwicklung des kindlichen Gehirns folglich ein kleines Drama. Stattdessen kann man seinen Kindern beispielsweise das abendliche Lesen nahebringen – das beflügelt die Fantasie, beruhigt und hilft, die Maschinen nach einem langen, eindrucksvollen Tag wieder herunterzufahren…

5. Kinder für die Natur begeistern

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Auch wenn es um Bewegung und Zeit in der Natur geht, sind das A und O Eltern, die mit gutem Vorbild vorausgehen. Wenn es für Kinder von anfang an vollkommen normal ist, viel Zeit draußen (anstatt auf der Couch am Smartphone) zu verbringen, muss man sie am Ende auch nicht zwingen. Und was sich reimt, ist bekanntlich wahr 😉