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Können Frauen die Babys anderer Mütter stillen ?

Ist gesundheitlich dagegen etwas einzuwenden ? /Bild: Fotolia
Können Frauen die Babys anderer Mütter stillen ?
Trixi Kouba

Das Stillen des eigenen Kindes erzeugt bei vielen Müttern ein Gefühl inniger Verbundenheit und Intimität. Produziert die Mutter nicht ausreichend Milch oder nimmt das Neugeborene sie nicht an, können bei der Mutter verzweifelte Gedanken aufkommen. Früher war es normal, dass in solchen Fällen eine Freundin oder Verwandte einsprang und das Kind anlegte. Heute findet man dazu kontroverse Diskussionen im Netz. Ist es okay, eine andere Frau das eigene Kind stillen zu lassen?

Die Journalistin Elisa Albert erzählte in einem Guardian-Artikel über die ersten Wochen mit ihrem Kind. Sie hatte Schwierigkeiten, ihren Sohn zu stillen während er schnell an Gewicht verlor. Eine Freundin bot ihr an ihn neben ihrem eigenen Kind Alberts Baby zu stillen. Sie war schockiert, lehnte ab. Als die Verzweiflung zu groß wurde, nahm sie das Angebot schließlich an. Und war glücklich über ihre Entscheidung. Was hinderte sie zunächst daran, ihr Kind von einer anderen Frau ernähren zu lassen? Schließlich waren Ammen schon im Altertum oft gesehen und teilweise sogar hochangesehene Mitglieder des Hofes. In anderen Kulturen wie in der Mongolei ist es nach wie vor Brauch, dass Frauen Babys anderer Frauen versorgen, wenn diese nicht selbst stillen können oder wollen. „100 Jahre aggressives Formula-Marketing hat die Tradition sich gegenseitig helfender Frauen effektiv ausgelöscht.“, meint Albert.

Kontroverse Diskussionen

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Für Aufregung sorgte im letzten Jahr eine 26-jährige US-Amerikanerin. Jessica Anne Colleti teilte online ein Foto, auf dem sie nicht nur ihren 16 Monate alten Sohn, sondern gleichzeitig auch den Sohn ihrer Freundin stillte. Während sie das „spezielle Band“ zwischen ihnen feierte, zog es außerdem viele Kommentare an. Die Reaktionen waren nicht immer positiv. „Was ist nur mit der Menschheit los?“, fragte eine Nutzerin. „Das sieht aus wie ein Pornofilm.“, kommentierte ein Mann. Andere verteidigten die Stillende. „Wie kann es „ekelig“ für ein Baby sein, die Milch einer anderen Frau zu trinken, aber nicht ekelig Kuh- oder Schafsmilch zu trinken?“, kommentierte eine andere. Die Meinungen spalten sich.

Ist Muttermilch fremder Frauen gesund ?

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Gegen die Muttermilch einer anderen Frau ist im gesundheitlichen Aspekt generell nichts einzuwenden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Muttermilch einer anderen gesunden Frau als eine der besten Alternativen, wenn die Mutter selbst nicht stillen kann oder möchte. Zur Vorsicht wird aber beim Internethandel geraten. Die Ernährungskommission der DGKJ rät aufgrund unzureichender Kontrollmaßnahmen ab, online Spendermilch zu beziehen. Frauenmilchbanken sind eine sichere Alternative dazu. In Österreich findet sich zurzeit nur eine öffentliche Frauenmilchsammelstelle. Hier können Spenderinnen ihre überschüssige Milch abgeben und frischgebackene Mütter Milch beziehen. Die Muttermilch wird mikrobiologisch untersucht, kontrolliert und pasteurisiert. Manche Kliniken in Innsbruck, Graz, Salzburg oder Wien verfügen über klinik-interne Milchbanken oder geben sie, wie das AKH Wien, an eine Sammelstelle weiter. Europaweit existieren über 200 nicht-profit-orientierte Frauenmilchbanken.

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