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Können postnatale Depressionen weggesungen werden ?

Laut Forschung kann Singen tatsächlich gegen Depressionen helfen ! /Bild: Fotolia
Können postnatale Depressionen weggesungen werden ?
Catharina Kaiser

Postnatale Depressionen scheinen immer häufiger aufzutreten und längst nicht mir als das unübliche Phänomen zu gelten, als welches sie früher bezeichnet wurden. Im Gegenteil, inzwischen wird diese Thematik offen diskutiert und von Forschern verstärkt untersucht. Etwa eine von acht Müttern leidet nach der Geburt unter depressiven Zuständen und kann scheinbar nur schwer eine Verbindung zum Kind aufbauen. Da der Heilungsprozess oft lange dauert, kann das für die spätere Beziehung zwischen Mutter und Kind ebenfalls mit dramatischen Folgen verbunden sein. Neuesten Studien zufolge gibt es aber einen neuen Weg um den Heilungsprozess zu beschleunigen. So soll etwa Singen postnatale Depressionen lindern. Forscher fanden nun nämlich heraus, dass Frauen, die mit ihren Babys an Gesangworkshops teilnahmen, eine viel schnellere Verbesserung ihrer Symptome erlebten.

Singen kann Depressionen lindern

Im Rahmen der im British Journal of Psychiatry veröffentlichten Studie wurden 134 Mütter mit einer postnatalen Depression untersucht. Allerdings wurde bereits in vorhergehenden Studien darauf hingewiesen, dass Singen die psychische Gesundheit von älteren Menschen sowie demenzkranken Personen verbessern kann. In diesem Fall wurden die positiven Effekte aber erstmals in Hinblick auf postnatale Depressionen untersucht. Hierzu wurden die Frauen in drei Gruppen aufgeteilt: Während die erste Gruppe zu einer Gesangsgruppe gewandelt wurde, nahm die zweite Gruppe an kreativen Spielsitzungen teil und Frauen der dritten Gruppe wurden mit den klassischen Therapien behandelt. Darunter fallen etwa Familienunterstützung, Anti-Depressiva oder andere psychologische Behandlungen.

Positive Effekte für postnatale Depressionen

Von allen Optionen schien erstere die größten Erfolge zu erzielen. In den Gesangworkshops lernten die Mütter zusammen mit ihren Babys Schlaf- sowie Kinderlieder aus der ganzen Welt und schrieben gemeinsam neue Lieder über Mutterschaft. Bei jenen Frauen mit moderaten bis schweren Symptomen postnataler Depressionen konnten Forscher eine deutlich schnellere Verbesserung, als es bei üblichen Betreuungs- und Spielgruppen der Fall war, feststellen. Zwar zeigten, über einen Zeitraum von 10 Wochen, alle Gruppen positive Effekte, doch nur bei der Sing-Gruppe konnte in den ersten 6 bereits ein Rückgang depressiver Symptome von 35 % verzeichnet werden. „Obwohl die Studie vergleichsmäßig eher kleiner war, sind die Ergebnisse äußerst hilfreich und wichtig für zukünftige Behandlungsansätze. Wie sich zeigt können einfache Methoden wie Singen bereits helfen um postnatale Depressionen zu lindern“, so Dr. Rosie Perkins, Principal Investigator. Laut Studienleiterin Dr. Daisy Fancourt vom University College London sollte Singen daher sobald als möglich als Behandlung angeboten werden. „Viele Mütter haben Bedenken während der Stillzeit Medikamente gegen Depressionen einzunehmen und Anmeldungen für therapeutische Behandlungen sind bei jungen Müttern relativ selten“, so Dr. Fancourt. Derartige Ergebnisse liefern somit spannende Informationen für mögliche Neuerungen. „Es ist aufregend von der steigenden Anzahl neuer Behandlungsansätze wie etwa dem Singen zu hören, um postnatale Depressionen schneller zu lindern“, erklärt Dr. Trudi Seneviratne, Vorsitzende der Perinatal-Fakultät des Royal College of Psychiatrists. Auch wenn noch einige Studien folgen müssen, bis diese Therapieform tatsächlich anerkannt werden wird, so führt die Breathe Arts Health Research in Zusammenarbeit mit dem NHS Foundation Trust von Guy und St. Thomas Gesangs-Workshops für Frauen mit postnataler Depression in London durchgeführt.