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Kuscheln mit Babys beeinflusst ihre DNA

Kerngesunde Kinder durch Kuscheln ? /Bild: Fotolia
Kuscheln mit Babys beeinflusst ihre DNA
Trixi Kouba

Eine gute Ausrede, um noch mehr mit seinen Neugeborenen zu kuscheln, liefert nun eine aktuelle Studie: Das Kuscheln mit Babys hinterlässt Spuren in deren Genen.

Laut Forschungen der University of British Columbia und BC Children’s Hospital Research Institute beeinflusst Nähe und körperlicher Kontakt zwischen Babys und ihren Eltern die Kinder auf molekularer Ebene. Die Wirkung ist in späteren Lebensjahren noch zu erkennen, meinen Forscher in einer Aussendung. Kleinkinder, die weniger physischen Kontakt erhielten, wiesen laut der Studie ein verändertes molekulares Profil in ihren Zellen auf. Dieses war für ihr Alter biologisch unterentwickelt.

Langsamere Entwicklung von Babys mit wenig Körperkontakt

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Zusammenhänge zwischen kindlicher Entwicklung und Gesundheit im Erwachsenenalter sind noch nicht gänzlich erforscht. Doch die neue Studie zeigt im Einklang zu älteren Untersuchungen mit Nagetieren, dass schon der einfache Akt des Kuschelns im frühen Lebensalter starke Konsequenzen auf die späteren Lebensjahre hat. Zuneigung wirkt sich demnach auf das Epigenom aus, also auf biochemische Veränderungen der DNA. „Wir glauben, dass langsameres epigenetisches Altern einen weniger vorteilhaften Entwicklungsprozess bei Kindern reflektiert“, so Michael Kobor, Professor an der Fakultät für Medizinische Epigenetik und Leiter von „Healthy Starts“ am BC Children’s Hospital Research Institute.

Stoffwechsel & Immunsystem betroffen

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Für die Studie wurden rund 95 gesunde Kinder in British Columbia untersucht. Die Forscher baten Eltern von 5 Wochen alten Kindern Tagebuchaufzeichnungen über das Verhalten ihrer Kinder zu führen. Neben dem Schlaf-, Ess- oder Schreiverhalten wurden auch die Zeitspannen des Kuschelns dokumentiert. Als die Babys über vier Wochen alt waren, wurde ihre DNA mithilfe eines Wangenabstrichs aufgenommen. Das Forscherteam untersuchte die biochemische Modifikation, die sogenannte DNA-Methylierung, in denen einige Teile des Chromosoms mit kleinen Molekülen aus Kohlenstoff und Wasserstoff gekennzeichnet sind. Diese Moleküle funktionieren als „Dimmer-Schalter“ und helfen dabei zu kontrollieren, wie aktiv jedes Gen ist. Das heißt, sie beeinflussen die Zellfunktion. Das Ausmaß der Modifikation und der Ort an der DNA, an dem es passiert, kann von äußeren Faktoren beeinflusst werden. Vor allem in der Kindheit ist dieser Einfluss stark.

Kerngesunde Kinder durch Kuscheln ?

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Die Wissenschaftler fanden gravierende Unterschiede in der Methylierung zwischen Kindern mit wenig und viel Körperkontakt. Sie entdeckten die Unterschiede an fünf verschiedenen DNA-Seiten, wobei zwei eine Rolle im Immunsystem und im Stoffwechsel spielen. Kinder mit relativ wenig Körperkontakt wiesen ein niedrigeres „epigenetisches Alter“ auf als man laut ihrem tatsächlichem Alter annehmen könnte. Ein Unterschied zwischen dem epigenetischem Alter und dem chronologischem Alter ist bei bisherigem Forschungsstand mit einer schlechteren Gesundheit verbunden. Die Wissenschaftler planen, die Kinder weiter zu beobachten. Sie wollen sehen, wie sich ihre Gesundheit und vor allem ihre psychologische Entwicklung im Laufe der kommenden Jahre verändert.