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Last Song Syndrome: Wenn ein Lied zum Ohrwurm wird

Wie wird ein Song zum Ohrwurm ? /Bild: Fotolia
Last Song Syndrome: Wenn ein Lied zum Ohrwurm wird
Catharina Kaiser

Einen Ohrwurm zu haben kann mitunter zur nervigsten Sache überhaupt werden – zumindest wenn die Melodie seit Stunden oder sogar Tagen auf Dauerschleife durch den Kopf läuft. In erster Linie allerdings vor allem deshalb, weil immer nur einen Bruchteil eines Liedes in einem nicht enden wollenden Loop läuft und der restliche Teil mit „la la la“ überbrückt wird. Frei nach Kylie Minogues „I just can’t get you out of my head“ schreiben sich manche Songs einfach in das Gedächtnis ein und wollen einfach nicht mehr verschwinden. Da stellt sich doch die Frage wie das eigentlich funktioniert und warum nur einige Lieder diese Fähigkeit besitzen, während andere beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus gehen. Aktuellen Forschungen der Durham University zufolge könnte der melodische Inhalt dabei eine große Rolle spielen.

Vom Song zum Ohrwurm

Songs die mit einem musikalischen Klebstoff versehen sind, zeichnen sich zumeist durch ein recht schnelles Tempo, eine melodische Form und ungewöhnliche Intervalle oder Wiederholungen ab. „Die besten Beispiele hierfür wären vermutlich das Eröffnungsriff von Smoke On The Water von Deep Purple oder der Refrain von Bad Romance von Lady Gaga“, erklärt Dr. Kelly Jakubowski, Studienleiter vom Department of Music der Universität Durham. Laut Erhebungen würden etwa 90 % von uns mindestens einmal pro Woche einen Ohrwurm erleben, wobei es einige durchaus häufiger erwischt als andere. Generell schleicht sich ein Ohrwurm mit Vorliebe zu Zeiten ein, in denen das Gehirn ohnehin im offline Modus ist. Also während dem Duschen, beim Spazierengehen oder bei Arbeit im Haushalt. Wenn es dann mal wieder soweit ist, gibt es laut Forschern 3 Merkmale, die darüber entscheiden ob ein Lied hängenbleibt oder nicht: das Tempo, die Form der Melodie und die einzigartigen Intervalle.

Charakteristika des Ohrwurms

Bekanntlich werden jene Songs zum Ohrwurm, deren Rhythmus einen praktisch dazu zwingt, im Takt zu schwelgen und das ist meist mit einem schnellere Tempo verbunden. Dieser Effekt wird daher auch gerne für Workout-Playlists genutzt um Sportlern das Gefühl zu geben, ihr Körper würde im Autopilot laufen. Doch diese Lieder sind auch wegen der allmählich steigenden und wieder abfallenden Intensität, ein wahrer Ohrwurm. Die melodische Kontur eines Songs oder die musikalische Form bestimmen daher ebenfalls, ob es sich um einen Ohrwurm handelt. Diese Songs sind einfach aufgebaut, besitzen aber ein rhythmisches Muster dass sich in das Gedächtnis einbrennt. Zum Beispiel steigt das Kinderlied „Twinkle, Twinkle, Little Star“ zuerst in Tonhöhe an, geht  aber wieder erneut tief runter bevor es wieder zu steigen beginnt. Diese leicht zu merkende Melodie macht einen Song zu einem unvermeidlichen Ohrwurm. Ein neueres Beispiel das nach demselben Prinzip funktioniert ist Maroon 5’s Eröffnungsriff von „Moves Like Jagger“. Eine der bekanntesten Ohrwurm-Melodien in der Studie.

Die bekanntesten Ohrwürmer

Um diese Daten zu erhalten, nutzten die Forscher eine Online-Umfrage in welcher 3.000 Menschen nach ihren häufigsten Ohrwürmern befragt wurden. Die genannten Melodien wurden anschließend mit einer Datenbank hochgeladen, in der sich auch bekannte Chart Songs befanden die aber nie als Ohrwurm bezeichnet wurden. Anschließend wurden die melodischen Merkmale von Ohrwurm- und Nicht-Ohrwurm-Melodien analysiert und verglichen. Die Songs beschränkten sich auf populäre Musikgenres wie Pop, Rock, Rap, Rhythm & Blues. Das Ergebnis? Eine Liste der häufigsten Ohrwürmer, die sicherlich der ein oder andere nur allzu gut kennt:

Bad Romance – Lady Gaga

Can’t Get You Out Of My Head – Kylie Minogue

Don’t Stop Believing – Journey

Somebody That I Used To Know – Gotye

Moves Like Jagger – Maroon 5

California Gurls – Katy Perry

Bohemian Rhapsody – Queen

Alejandro – Lady Gaga

Poker Face – Lady Gaga

Es steht also fest, dass ein Lied völlig unabhängig davon ob es ein Chart-Hit war oder nicht, bestimmte Merkmale eines Ohrwurms enthalten kann. Doch wie genau bekommt man den Ohrwurm eigentlich wieder los, wenn er erstmal angefangen hat? Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge könnte Kaugummi kauen die perfekte Lösung sein. In einer Reihe von Experimenten berichteten Teilnehmer, dass ihr Ohrwurm verschwand als sie begannen einen Kaugummi zu kauen. Daraufhin stellten Forscher die Hypothese auf, dass der Stimmapparat, der mit dem Singen zu tun hat, abgelenkt wird, wenn das Kiefer anders beschäftigt ist. Die Fähigkeit sich Musik vorzustellen wird somit beeinträchtigt.

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