Gesundheit

Lungenkrebs: Todesfälle bei Frauen sollen sich bis 2030 verdoppeln

Während die Anzahl der männlichen Raucher sinkt, greifen immer mehr Frauen zum Glimmstängel. / Bild: Fotolia
Lungenkrebs: Todesfälle bei Frauen sollen sich bis 2030 verdoppeln
Paulin Klärner

Lungenkrebs ist bei der weiblichen Bevölkerung am Vormarsch – und das gibt Grund zur Sorge, gehört der „Raucher-Krebs“ doch zu den am schwierigsten erkennbaren und am schlechtesten therapierbaren Krebsformen. Dieses Problem war auch ein zentrales Thema beim diesjährigen Europäischen Krebs-Gipfel im Austria Center Vienna in Wien.

Hier tagten von 7. bis 9. September 2018 über 1000 Onkologen, um aktuelle Forschungsergebnisse und Ansätze der Krebstherapie zu präsentieren und zu diskutieren. In Österreich ist Krebs schließlich die zweithäufigste Todesursache und somit verantwortlich für jeden 4. Todesfall. Anlässlich des österreichischen Rauchergesetzes 2018 rückt hierbei vor allem Lungenkrebs in den Fokus. „Lungenkrebs ist noch immer die Krebsart, die weltweit die meisten Todesfälle verursacht.,“ meinte hierzu Dr. Ian Banks, der Co-Vorsitzende des Europäischen Krebs-Gipfels. Und jene Krebsart wird vor allem für Frauen ein immer größeres Thema. So sollen die Todesfälle durch Lungenkrebs laut einer internationalen Studie, im Rahmen derer die WHO-Daten von 52 Ländern analysiert wurden, bei Frauen bis 2030 rasant ansteigen.

Brustkrebs von Lungenkrebs abgelöst

Während der männliche Anteil an Rauchern laut Statistik Austria seit den 1970er Jahren von 39% auf 27% sank, stieg jener der weiblichen Raucherinnen in dieser Zeit von 10% auf 22%. Im Jahre 2016 wurde Brustkrebs als häufigste Todesursache durch Krebs bei Frauen vom Lungenkrebs abgelöst. Bis 2030 sollen sich die weiblichen Lungenkrebs-Todesfälle laut Experten verdoppeln.

Warum der drastische Anstieg an weiblichen Raucherinnen?

Laut einer Langzeitstudie des deutschen Krebsforschungszentrums hatten Frauen in der Zeit um den 2. Weltkrieg aufgrund der offiziellen Propaganda „Die deutsche Frau raucht nicht“ deutlich weniger geraucht, was sich seit Beginn der Nachkriegszeit in Österreich und Deutschland rasant geändert habe. Frauen wurden als neue Zielgruppe für den Tabakkonsum entdeckt, was zu einem drastischen Anstieg der Raucherinnen führte. Laut dem deutschen Krebsforschungszentrum sei Rauchen heutzutage nicht in allen sozialen Schichten gleichermaßen vertreten – Frauen ohne Hauptschulabschluss greifen demnach häufiger zur Zigarette als Frauen mit Matura. Auch alleinerziehende und geschiedene oder ledige Frauen rauchen laut der Studie häufiger. Deshalb gehen Psychologen davon aus, dass schwierigere Lebensbedingungen, Stress, Sorgen (aber auch Übergewicht) die Hauptmotivationen der weiblichen Raucherinnen sind, der Sucht zu verfallen. Diese Theorie bestätigt auch eine Studie der Universtitätsklinik für Psychiatrie am AKH rund um Dr. Ines Hertling. Demnach greifen Frauen zur Zigarette, um besser mit aufwühlenden und anstrengenden Lebensbedingungen umgehen zu können, während bei Männern besonders der „Kick“ des Nikotins und das Rauchen in Gesellschaft für die Sucht ausschlaggebend sei.

Nach wie vor schlechte Überlebenschancen

Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen ist die Prävention bei Lungenkrebs alles andere als einfach – so wird die Erkrankung in vielen Fällen erst relativ spät entdeckt. Umso früher mit dem Rauchen begonnen wird, desto höher außerdem das Risiko. Die gute Nachricht: Ein Rauchstopp senkt die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit laut Experten deutlich – und das sogar nach jahrelangem Rauchen. Außer dem Nicht-Rauchen und konsequenten Vermeiden von Passiv-Rauchen ist ein gesunder Lebensstil – ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, mäßiger Alkoholkonsum, etc. – die einzige Prävention für Lungenkrebs.